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Bio-Verbände appellieren an Seehofer

von Redaktion (Kommentare: 0)


Der BÖLW wendet sich gegen Äußerungen des Ministers, die „Vorzugsbehandlung für den Biolandbau“ zu beenden. „Wer den Bio-Landbau auf eine Ebene mit der konventionellen Landwirtschaft stellen will, verkennt die Ergebnisse vieler Studien, nach denen sich die Ziele der ländlichen Entwicklung, des Verbraucher- und des Umweltschutzes am besten mit der Ökologischen Landwirtschaft erreichen lassen“, betont Dr. Felix Prinz zu Löwenstein (Bild), Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft. „Wir fordern Minister Seehofer deshalb zu einer sachorientierten Politik auf, anstatt auf den Beifall der Agrarlobby zu schielen“, so Löwenstein weiter.

 

„Ganz und gar unverständlich ist uns, dass Seehofer als Verbraucherschutzminister die Agro-Gentechnik zu einem Zeitpunkt forcieren möchte, zu dem Wissenschaftler immer mehr Risiken dieser Technologie aufdecken“, so Dr. Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW. Der BÖLW fordert Minister Seehofer auf, das Gesetz nicht zu verwässern.

 

Der Bioland-Vorsitzende Thomas Dosch mahnt eine Versachlichung der Debatte um die Ausrichtung der zukünftigen Agrarpolitik an. Mit Scheindebatten über eine angebliche Bevorzugung des Biolandbaus betreibt Seehofer die Spaltung ‚Bio gegen Konventionell’, die er seiner Vorgängerin vorwirft. Stattdessen sei es nach Auffassung von Bioland Seehofers Aufgabe, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die es möglichst vielen Betrieben erlauben, ökologischen Landbau zu betreiben – im Interesse von Umwelt- und Verbraucherschutz.

 

Scharf kritisiert Bioland in diesem Zusammenhang die Zulassung gentechnisch veränderter Maissorten für den Anbau in Deutschland.  Damit würde er Betrieben, die auf eine qualitäts- und kundenorientierte Lebensmittelerzeugung setzen, den Weg in die Zukunft verbauen. „Seehofer darf das in ihn gesetzte Vertrauen nicht gleich wieder verspielen“, so Dosch abschließend.

 

Scharfe Ablehnung auch bei Demeter, dem ältesten Bio-Anbauverband. Demeter-Vorstand Joachim Bauck, biodynamischer Bauer in der Lüneburger Heide, kommentiert: "Schöne Bescherung, Herr Minister!" und fragt, wie Seehofer den versprochenen Schutz von Mensch und Umwelt denn gewährleisten wolle.  "Wenn Seehofer die Menschen in unserem Land fragen würde, müsste er seine ganze Kraft als Verbraucherschutzminister dafür einsetzen, Gentechnik auf deutschen Feldern zu verhindern", so Bauck weiter. Da erscheine die Forderung der Bio-Bauern nach Schutz ihrer Anbauweise, die konsequent gentechnische Veränderungen für Bio-Lebensmittel ausschließen will, als Minimallösung. "Von einem profiliertem Gesundheitsexperten hätten wir mehr Sensibilität erwartet und hoffen nun auf Gesprächsbereitschaft beim neuen Minister, um ihm die Existenzsorgen der Bio-Bauern persönlich darstellen zu können."

 

„Horst Seehofer hat in der Vergangenheit Verantwortung in der Gesundheitspolitik getragen. Der Öko-Landbau müsste ihm also nahe stehen. Von einer Bevorzugung der Öko-Bauern kann nicht die Rede sein. Und bei der Agro-Gentechnik erwarten wir Verantwortung und nicht Leichtsinn!“, sagte Hans Hohenester, Vorsitzender des Naturland Präsidiums. Eine Gleichbehandlung der Wirtschaftsweisen sei erstrebenswert, entsprechend müssten höhere Umweltleistungen der Öko-Betriebe künftig auch besser honoriert werden. Gleichzeitig ist es Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, die möglichst vielen Landwirten die Perspektive eröffnet nachhaltig und ökologisch zu wirtschaften. Hinsichtlich der Agro-Gentechnik fordert Naturland  das Bundesministerium auf, dass die aktuellen Zulassungen für gentechnisch veränderte Maissorten für den Anbau in Deutschland zurückgenommen werden. “Wir erwarten von dem Bundesminister, dass vor den entscheidenden Weichenstellungen die Betroffenen in den Meinungsbildungsprozess einbezogen werden! Mit einer breiteren Informationsbasis gewinnt der Minister ein besseres Verständnis des Wählerwillens!“, so Hohenester abschließend.

 

Reinhild Benning, Agrarexpertin des BUND spricht in der TAZ von einem "Schulterschluss gegen die Biobauern" und sieht Seehofers Politik als deutliches Signal für die Agrarlobby "Ihr gehört zu mir". Der Verbraucherschutz, so Benning abschließend, bleibe vor der Tür.

 

"Eigentlich erwartet man von einem Mann, der sechs Jahre als Minister für die Gesundheit der Deutschen verantwortlich war, ein größeres Verantwortungsbewusstsein", beklagt der Biokreis e.V.. Statt dessen opfert Horst Seehofer den Wunsch von weit über 70 Prozent der Verbraucher nach gentechnikfreien Lebensmitteln der heiligen Kuh „Wirtschaft“ und verstößt damit gegen den Koalitionsvertrag. Toni Daxenbichler, 1. Vorstand des ökologischen Anbauverbandes, meint dazu: „Wenn für  Minister Seehofer die konventionellen Bauern genauso wichtig sind wie die Öko-Bauern, dann muss er im Zuge dieser Gleichbehandlung nicht nur die Haftung nach dem Verursacher-Prinzip im Falle einer Verunreinigung beibehalten, sondern auch die Existenzgefährdung aller Landwirten ernst nehmen, die gentechnikfrei arbeiten wollen - gleich ob ökologisch oder konventionell wirtschaftend. Außerdem wäre eine Gleichbehandlung für die Öko-Bauern nur von Nutzen, denn die Förderung pro Hektar ist seit Jahren bei konventionell wirtschaftenden Landwirten höher." Es wird Zeit, dass sich nach dem Schweizer Vorbild auch in Deutschland alle Gegner der Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen zusammenschließen, um einen nicht wieder gut zu machenden Schaden von der gesamten deutschen Landwirtschaft

abzuwenden.“

 

Der BNN Einzelhandel widerspricht entschieden den Äußerungen von Minister Seehofer,
die „Vorzugsbehandlung für den Biolandbau“ zu beenden, erklärt Vorstandsmitglied Harald Wurm. Weiter: "Biobetriebe erhalten im Durchschnitt eine weit geringere Förderung als konventionelle Betriebe. Im Jahre 2004 wurde ein Ökobetrieb mit rund 400,- Euro pro Hektar gefördert, während den konventionellen Kollegen im Schnitt 860,- Euro Subventionsgelder zur Verfügung standen. Dass in diesem Zusammenhang auch verstärkt die Agro-Gentechnik zum Zuge kommen soll, ist in keinster Weise nachzuvollziehen. Die Biobranche ist eine der wenigen, die seit Jahren zweistellige Wachstumsraten zu verzeichnen hat. Ein Zuwachs an Arbeitsplätzen ist gerade an den Stellen zu verzeichnen, an denen sie in der Regel eher schwer zu halten sind: auf dem Lande sind es die Erzeuger, in Städten und Gemeinden sorgt der Fachhandel für die Nahversorgung. Die Gentechnik-Unternehmen sind international agierende Konzerne, vorwiegend aus den USA, die hierzulande nicht für zusätzliche Arbeitsplätze sorgen werden. Ein Ministerium, das für den Verbraucherschutz zuständig ist, macht sich durch diese Politik unglaubwürdig."


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