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Bio-Branche: Leitbild für die Wirtschaft

von Redaktion (Kommentare: 0)


Ökologie und sozialer Ausgleich sind nicht Luxus, sondern notwendige Bedingungen für eine Wirtschaft, die Arbeitsplätze schafft und zukunftsfähig ist. Dieses Fazit zieht der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) nach seiner Herbsttagung in Berlin.

"Denn", so stellte Peter Spiegel vom Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft in seinem Eingangsreferat klar, "unverantwortlichen Luxus leistet sich, wer ökologisch uneffizient und ohne wirksame soziale Ausgleichsmechanismen wirtschaftet." Er attestierte der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft die Speerspitze der Gesellschaft für nachhaltiges Wirtschaften zu sein. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es nicht nur um einzelbetriebliche oder nationalstaatliche Lösungen geht: "Der mangelhafte soziale Ausgleich zwischen Nord und Süd führt uns in die gegenwärtige Globalisierungsfalle, in deren Dynamik wir erst am Anfang stehen. Der einzige Ausweg ist der soziale Ausgleich im globalem Maßstab - dafür brauchen wir einen Global Marshall Plan."

Wolfgang Gutberlet, Vorstandsvorsitzender von Tegut, der mit der Platzierung von Bio-Lebensmitteln in seinen Einzelhandelsfilialen Maßstäbe setzt, stellte seine Überlegungen in diesen Spannungsbogen zwischen Einzelbetrieb und globaler Verantwortung: Handel ist Geben und wird durch die Gegenleistung des Verbrauchers ermöglicht. Ist dieses Verhältnis ausgewogen, arbeitet ein Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich. "Welche Folgen mein Handeln hat - ob ich zur Vermehrung oder zur Vergeudung von Gütern und Ressourcen beitrage, ist dann die Frage nach der Verantwortung, die ich mir als Unternehmer stellen muss", so Gutberlet. Schließlich geht es um die kulturelle Dimension unternehmerischen Handelns: "Fördere ich eine menschengemäße und nachhaltige Entwicklung im globalen Kontext?" (Bild/BÖLW v.l.n.r.: Wolfgang Gutberlet, Klaus Wilmsen, Fritz Kuhn, Theo Häni)

Klaus Wilmsen, bei der Karstadt Warenhaus AG für die Vermarktung von Bio-Lebensmitteln zuständig, sieht in der Bio-Branche die besten Voraussetzungen, um diese Ansprüche zu erfüllen: "Ökologie und Ökonomie lassen sich mit Bio-Lebensmitteln hervorragend vereinen - damit können die Nachhaltigkeitsziele eines Unternehmens ebenso erreicht werden wie eine bessere Kundenbindung."

Öko-Landbau liefert aber nicht nur die Produkte für den Verbraucher, er trägt auch zur ländlichen Strukturentwicklung bei. "Der Ökologische Betrieb ist Kristallisationspunkt für die Tourismusentwicklung, Energiegewinnung, dörfliche Versorgung und weitere Unternehmensgründungen und führt so zur Schaffung von Arbeitsplätzen und ländlicher Infrastruktur", fasst Wilhelm Schäkel von der Bioland Ranch Zempow seine Erfahrungen zusammen.

Für den Investor Theo Häni ist die Ökobranche als typische Pionierbranche unterkapitalisiert. Dabei sieht er beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Investment, denn die Ökologische Lebensmittelwirtschaft sei erfolgreich, berechtigt, menschengemäß und nachhaltig. Hingegen seien nicht nachhaltigem Wirtschaften und dessen Finanzierung klare Grenzen gesetzt. So sieht er im aktuellen Portfoliomanagement eine ebenso heiße Luftblase wie seinerzeit die New Economy - sie sei für deren Erfinder und nicht für die Investoren geschaffen. Häni hat bislang in Landbau- und Handelsunternehmen der Bio-Branche 40 Millionen Euro investiert.

"Die Bio-Lebensmittelwirtschaft kann die moralische Qualität der Marktwirtschaft besonders herausstellen und vorleben, weil sie das Wohl des Menschen dieser und kommender Generationen ebenso im Blick hat, wie Vertrauen, Transparenz, gutes Gewissen, Tradition, Innovation und den Schutz natürlicher Ressourcen", fasst Franz-Theo Gottwald von der Schweisfurth-Stiftung zusammen.

Fritz Kuhn, Fraktionsvorsitzender von Bündnis90/DieGrünen, sieht als größte Bedrohung für die Ökologische Lebensmittelwirtschaft die Gentechnik. Sollte das jetzige Gentechnikgesetz, das den Schutz des Öko-Landbaus gewährleiste, aufgeschnürt werden, werde es heftigen Widerstand der gesamten Gesellschaft geben. Gentechnik hat nur den wirtschaftlichen Profit im Auge. Sie ist im Sinne der Ergebnisse der Tagung weder verantwortbar noch menschengemäß noch nachhaltig.

Die Redebeiträge der Tagung können von der Internetseite des BÖLW herunter geladen werden.

http://www.boelw.de

http://www.keine-gentechnik.de
(28.10.05)

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