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Betrug mit Bio-Geflügel

von Redaktion (Kommentare: 0)


Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Berthold Franzsander, einen der größten deutschen Biogeflügelhändler, berichtet die Taz. Franzsanders Hof in Delbrück ist gesperrt, er darf seine Waren nicht mehr als bio verkaufen. Auf dem ehemaligen "Vorzeigebetrieb" wurden tausende Puten gehalten, pro Jahr 180.000 Hähnchen geschlachtet und 900.000 Küken für Partnerbetriebe aufgezogen. Die Produkte wurden bundesweit ausgeliefert, auch an Hof- und kleine Bioläden.

"Franzsander hat Biowaren auf den Markt gebracht, die keine sind", sagte Babette Winter vom zuständigen Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen der Taz. Ihre Kollegen hätten dem "ökologisch wirtschaftenden Betrieb einen nicht zulässigen Einsatz von konventionellen Futtermitteln nachgewiesen" (wir berichteten).

Im Mai 2008 stellten die Kontrolleure der Firma Abcert auf dem Hof von Franzsander noch keine Unregelmäßigkeiten fest. Bei späteren KontrolIen eines Raiffeisen-Futtermittelhandels fiel auf, dass auch Franzsander auf der Raiffeisen-Kundenliste stand. Daraufhin sprachen die Beamten des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz sich mit der Firma Abcert ab und kontrollierten den Betrieb. Das Ergebnis: Franzsander hat 2008 mehr als 900 Tonnen konventionelles Futter bezogen. Friedrich Ostendorff, Agrarexperte des Umweltverbandes BUND rechnet aus: "Damit lassen sich 330.000 Hähnchen schlachtreif mästen oder 25.000 Puten."

Berthold Franzsander widersprach. Er erklärte der Taz, dass nach der Routinekontrolle im Mai ein Problem auftrat. Die empfindlichen Jungputen hätten das Biofutter nicht mehr angenommen." Franzsander behalf sich mit konventionellem Futter. Er habe 250 Tonnen an 9000 Puten gegeben, aber nur in ihren ersten Lebenswochen. Der Rest des ganz normalen Futters sei an das Vieh gegangen, das er konventionell halte.

Die Kontrolleure sehen das anders: "Anhand der Unterlagen und in Anhörungen konnte Franzsander nicht nachweisen, welche Chargen betroffen sind." Deshalb darf er nun weder seine Puten noch seine Hühner oder Küken als bio verkaufen. Ein Silo voll mit normalem Futter ist mindestens - das haben die Ermittlungen ergeben - auch an ältere Bioputen gegangen. Für Babette Winter ist es der "mit Abstand größte Bioschwindel, den es in Nordrhein-Westfalen bisher gab".

Mittlerweile gibt es auch in der Biobranche kaum noch zu durchschauende Firmen- und Gesellschafterverflechtungen. Das Ökosystem wird größer - und anfälliger. „Wie sicher kann man also noch sein, dass Bio hält, was es verspricht?“, fragt die Taz. Für Bioland-Chef Thomas Dosch dagegen zeigt der Fall, dass die Ökokontrollen funktionieren. "Wir haben die Fakten analysiert und sofort gehandelt." Das sieht Biobauer Friedrich Ostendorff anders. Er findet: "Die Kontrolleure müssen besser hinschauen, auch mal in die Ställe gehen und sowieso öfter auftauchen auf dem Hof." Bioland reagiert und stellt seinen Rhythmus um: "Wir werden diejenigen, die mehrere Betriebe führen, jetzt doppelt so oft kontrollieren wie per Gesetz gefordert", sagt Dosch, ab sofort also mindestens zweimal im Jahr.

„Klug ist es nicht, den Betrug beim Bioessen kleinzukochen. Denn darunter leidet die Glaubwürdigkeit der Ökobewegung“, kommentierte Hanna Gersmann. In der Taz fordert sie: Erstens: Auf alle Biohöfe mehr Kontrolleure schicken - ohne Anmeldung. Zweitens: Kumpanei ausschließen. Bioland hält zum Beispiel Anteile an der Öko-Kontrollfirma Abcert - und die prüft die meisten Biolandbetriebe. Drittens: Namen von Betrügern müssen zur Abschreckung sofort öffentlich gemacht werden.

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