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Berliner Puppenkiste

von Redaktion (Kommentare: 0)


Es gehört zu den "Privilegien" eines Vorstandsmitglieds des DBIB (Deutscher Berufs und Erwerbs Imker Bund e.V.), einige der immer gut besuchten Aufführungen der "Berliner Puppenkiste" live erleben zu dürfen. Zu den besonderen Höhepunkten im diesjährigen Spielplan darf der Runde Tisch mit Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner am 20.5. 2009 gerechnet werden. Hier konnte man nicht nur die Hampelmänner, sondern auch die Fadenzieher selbst in Aktion sehen. Das Ensemble war hochkarätig besetzt und die Darbietungen entsprechend denkwürdig.

Nach den einleitenden Worten der Ministerin und dem braven Vortrag der Forderungen der Imkerverbände durch Peter Maske und Manfred Hederer, gab Frau Aigner die Bühne frei für Dr. Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes. Dieser hielt es zunächst für notwendig, ausführlichst die Verteidigung des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft zu übernehmen. Die vorgetragenen Passagen aus dem Repertoir der Chemieindustrie enthielten die üblichen Klassiker. Im bekannten Bereich blieb auch der Hinweis, dass Raps eine der Lieblingspflanzen der Bienen sei. Daraus folgerte Dr. Born nun, dass die Imker der intensiven Landwirtschaft anscheinend auf Knien danken müssten, dass die Landwirte so freundlich waren, die Rapsanbauflächen dramatisch von weniger als 20.000 Hektar zu Beginn der 80er Jahre bis auf heute ca. 1.3 Mio Hektar zu steigern. Aus dieser Perspektive ist es natürlich nicht akzeptabel, dass die Imker in ihrer Undankbarkeit ob diesem Blütensegen, den Pestizideinsatz im Rapsanbau zu kritisieren wagen. Der von Dr. Born erhoffte Publikumserfolg blieb aus. Er musste sich Einwände der Imkervertreter anhören, die zu erklären versuchten, dass ihre Bienen Blütenvielfalt über die ganze Bienensaison und keine Monokulturen brauchten. Dr. Born zeigte seine Erfahrung auf dieser Bühne und improvisierte über das Thema Dialog zwischen Landwirten und Imkern. Man könne ja auf der Ebene der Landkreise Runde Tische zwischen Imkern und Landwirten veranstalten.

Dr. Born gelang später noch ein besonderes Highlight. Albrecht Pausch nahm Bezug auf die Debatte in der EU über eine Umschichtung der Agrarförderung von der ersten Säule (Produktion) auf die zweite Säule (ländliche Entwicklung). Aus Sicht der Imker wäre es in der zweiten Säule möglich gewesen, im Rahmen von Landschaftspflege und Umweltmaßnahmen die Situation der Bienen zu verbessern. Der Bauernverband hatte allerdings dafür gesorgt, dass 80% der Gelder in der ersten Säule blieben. Dafür gab Dr. Born in einer eindrucksvollen Darbietung eine erstaunliche Erklärung. Die Agrarförderung sei "Bauerngeld" müsse daher in der ersten Säule verbleiben. Da nun die Gelder in der zweiten Säule ebenfalls an die Bauern gehen, nur für andere Zwecke, ist zunächst schwer nachvollziehbar, warum eine größere Umschichtung auf die zweite Säule unbedingt verhindert werden musste. Beide Säulen sind tatsächlich "Bauerngeld", aber nur die erste Säule ist "Industriegeld". In der ersten Säule fließen die Gelder über den Umweg der Bauern zu den großen Agrarkonzernen für Dünger, Pflanzenschutzmittel, Saatgut. Gleichzeitig sorgt diese Förderung für eine chronische Überproduktion und damit niedrige Einkaufspreise für die Lebensmittelindustrie. An der zweiten Säule ist für die Agrarindustrie nichts zu verdienen. Und mit der zweiten Säule ist der Lebensmittelindustrie nicht gedient. Dr. Born demonstrierte hier unfreiwillig aber überzeugend, welche Interessen der Bauernverband tatsächlich vertritt.

Niemand aus der hochkarätigen Runde widersprach der Annahme, dass so viele Betriebe in diesem Jahr aufgeben werden. Dies scheint bei den Politprofis im Agrarsektor bereits fest einkalkuliert zu sein. Bis nach den Wahlen ist man gezwungen so zu tun, als würde dagegen etwas unternommen. Die Bauern und wohl auch wir Imker sind im Kalkül dieser Leute nicht wirklich systemrelevant. Wie sagte man uns bereits vor einigen Jahren bei einem Treffen mit der CDU/CSU Fraktion im Bundestag: "Beim Fortschritt bleiben immer ein paar auf der Strecke".

Bleibt zu erwähnen, dass die Ministerin beschlossen hat, das Deutsche Bienenmonitoring nun staatlich zu finanzieren. Es soll in "optimierter" Form fortgesetzt werden. Wieviel Optimierung und was genau darunter zu verstehen ist wurde andiskutiert. Dabei wurde deutlich, dass die langjährigen Kritikpunkte der Imker oder die von der französischen Zulassungsbehörde AFSSA beschriebenen Mängel wohl nicht Gegenstand der angedachten Optimierung waren. Für die verschiedenen von den Imkern benannten Problembereiche soll in kleineren Runden weiter beraten werden. Das Ministerium wünscht sich hierzu eine klare Benennung von Ansprechpartnern seitens der Imkerverbände. Diesem Wunsch werden wir im Dialog unter den Verbänden nachkommen. Das von uns geforderte Umdenken in der Landwirtschaft ist in diesen Gremien mit Sicherheit nicht zu erreichen. Wir können vielleicht in dem einen oder anderen kleinen Detail etwas bewegen. Insgesamt haben wir eine hier ein Fortsetzung des langjährigen Versuchs die Imker ruhig zu stellen.

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