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Alte Getreidesorte Emmer blüht in Reutlingen wieder auf

von Redaktion (Kommentare: 0)


Der fast vergessene Weizenvorfahr Emmer wird jetzt in Reutlingen, Stockach und im Schwarzwald wieder ausgesät.
Seit 2001 baut der Reutlinger Bioland-Bauer Thomas Fuhr mit wachsender Begeisterung Emmer an. Dieses Jahr sind 7,5 Hektar geplant. Während der Winteremmer bereits seit Oktober im Boden ist, wird Fuhr den Sommeremmer wegen des langen Winters erst Ende März einsäen.

Um gute Ernten zu erzielen, müssen die Erzeuger bei der Aussaat, Düngung und Ernte der alten Getreideart viel probieren. Denn das fest mit Spelzen umhüllte Korn (Spelzgetreide) war bei uns so gut wie ausgestorben und ist noch nicht an moderne Produktionsverfahren angepasst.
Während es in sehr früher Zeit Mitteleuropas Getreideart Nummer 1 war, ging sein Anbau seit dem frühen Mittelalter dramatisch zurück. Im Jahr 1936 gab es den letzten Emmeracker bei Reutlingen. Der Niedergang des Emmers lag vor allem an seinem im Vergleich zu Dinkel und Weizen mageren Ertrag. Außerdem verträgt das urige Korn keinen intensiven Anbau. Besonders der Winteremmer hat sehr lange, bis zu 1,80 Meter hohe Halme, die bei starker Düngung und zu dichter Saat leicht umknicken. Da die alte Art ansonsten jedoch robust ist, eignet sie sich gut für den ökologischen Landbau.

Der Reutlinger Emmer lässt sich über die Erzeugergemeinschaft Bio-Landgut GmbH gut vermarkten: "Im südlichen Baden-Württemberg wächst der Emmeranbau stetig. Inzwischen bauen drei Erzeuger Emmer für uns an, vier unserer Bäcker backen daraus Brot. Gemeinsam mit der Bioland-Handelsgesellschaft haben wir Nudeln, sogenannte "Emmerlinge", entwickelt, die gut ankommen", berichtet Susanne Illi von der Rottenburger Erzeugergemeinschaft. Mit ihrem nussigen Geschmack und einer kurzen Kochzeit erfreuen die Emmer-Teigwaren Nudelfreunde. In Italien ist Emmer aus diesem Grund nie ausgestorben.

Emmermehl eignet sich sowohl für Feingebäcke als auch für alle Arten von Broten. Die baden-württembergischen Bäckereien verarbeiten das dunkle Korn aber vor allem zu Brot.
Eine der Bäckereien, die dem alten Korn zu neuem Ansehen verhelfen wollen, ist die Reutlinger Bioland-Bäckerei Berger. "Ich finde Getreidearten, die noch nicht in aller Munde sind, spannend", sagt Juniorchef Hubert Berger. Der Bäckermeister hat lange probiert, um aus dem harten, griesigen Mehl mit viel Wasser und Teigruhezeiten einen gut gehenden Brotteig zu zaubern. Die Mühe hat sich gelohnt: "Das Emmerbrot gehört zu meinen meist verkauften Bioprodukten. Meine Kunden mögen das saftige Brot mit dem individuellen Geschmack", so Berger. Außerdem überzeugt Emmer die Verbraucher mit inneren Werten. Er enthält beispielsweise mehr Proteine und Mineralstoffe als der Brotfavorit Weizen.
Ob Emmer so berühmt und begehrt wie sein Kollege Dinkel wird, ist noch ungewiss. Das hängt vielleicht auch davon ab, ob und für welche Weizenallergiker er verträglich ist. Dazu gibt es zwar erste positive Erfahrungen, aber noch keine abschließenden Untersuchungen.

Zur Massenware wird Emmer vermutlich nie werden: "Der Anbau von heimischen Urgetreidearten ist eine Nische für den ökologischen Landbau. Je nach Bedarf der Verarbeiter und Verbraucher, werden wir zukünftig mehr erzeugen", prognostiziert Susanne Illi. Auch der Bäckerreiberater Franz Schmid traut ihm einiges zu: "Emmer wird die gleiche Karriere machen wie Dinkel." (06.04.05)

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