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Verdi wettert gegen Bio-Kapitalismus

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


Geldbeutel
Angestellte bei Bio-Filialisten hätten vergleichsweise wenig Lohn im Geldbeutel, kritisiert die Gewerkschaft Verdi. Symbolbild © Pixabay/LoboStudioHamburg

Die Gewerkschaft Verdi hat die Arbeitsbedingungen bei Bio-Filialisten kritisiert und fordert vom Fachhandel, endlich Tariflöhne zu zahlen. Als Vorbild gilt den Gewerkschaften der Discounter Lidl. Er zahlt inzwischen übertariflich.

In einem Gespräch mit den Zeitungen der WAZ-Gruppe hat Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel bei Verdi, deutliche Worte gewählt: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass ausgerechnet in einem Zweig des Einzelhandels, der sich Nachhaltigkeit, Tierwohl und Regionalität auf die Fahnen schreibt, eine Politik gegen Arbeitnehmerrechte gefahren wird.“ 

Lob für Discounter

Akman wirft den Bio-Filialisten vor, dass sie dem Flächentarifvertrag für den Einzelhandel nicht beitreten, kaum Betriebsräte hätten und in einzelnen Fällen deren Gründung behinderten. „Wir kritisieren, dass die Beschäftigten länger als 37,5 Stunden pro Woche arbeiten und auf Zuschläge verzichten müssen. Zudem haben sie weniger Urlaub als ihnen tariflich zustehen würde“, sagte Akman der WAZ und fügte hinzu: „Das sind Bio-Kapitalisten, die nichts mit Gewerkschaften und Arbeitnehmergremien zu tun haben wollen.“ Erwähnt wird in dem Text auch, dass Verdi und Alnatura sich seit Jahren um die Einrichtung eines Betriebsrates in einer Bremer Filiale von Alnatura streiten.

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Als Positivbeispiele stellt Akman den Bio-Filialisten die Discounter gegenüber: „Discounter sind inzwischen fast alle tarifgebunden und zahlen zum Teil Zuschläge. Bei Penny und Netto gibt es flächendeckend Betriebsräte.“ Lobend erwähnt der Gewerkschafter den Discounter Lidl. Der führt nicht nur Bioland-Produkte, sondern zahlt übertariflich und hat im März den Einstiegslohn auf 12,50 Euro erhöht. „Wir erwarten von unseren Mitarbeitern eine hohe Leistung. Daher ist uns eine faire Bezahlung wichtig", verkündete bei der Gelegenheit Matthias Opitz, der Chef von Lidl Deutschland.

Alnatura wirft Vorwürfe zurück

Sowohl in der WAZ als auch in nachfolgenden Berichten anderer Medien wird deutlich, dass man die Filialisten in Sachen Arbeitsbedingungen nicht über einen Kamm scheren kann. So lässt die Lippe-Zeitung (LZ) Alnatura-Sprecherin Constanze Klengel die Vorwürfe Verdis ausführlich zurückweisen. Alnatura folge bei der Bezahlung der Mitarbeiter dem Flächentarifvertrag für den Einzelhandel. „Wir liegen in vielen Fällen sogar darüber", erklärte Klengel der LZ.

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„Auszubildende erhalten 100 Euro mehr als im Tarifvertrag vorgeschrieben und ab dem 1. Mai erhöhen wir freiwillig den Mindeststundenlohn auf 12 Euro.“ Hinzu kämen laut Klengel Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Sozialleistungen wie betriebliche Altersvorsorge und vermögenswirksame Leistungen. Die Wochenarbeitszeit liege bei 37,5 Stunden und es gäbe Zuschläge für Spät-, Nacht- und Feiertagsschichten.

Keine klare Antwort von Denn's und Bio Company

Die Berliner Zeitung (BZ) schreibt, dass in Berlin Alnatura und die LPG Biomärkte nach eigenen Angaben ihren Kassiererinnen mehr als den Tariflohn zahlten, „doch liegen Bio Company und Denn’s Biomärkte offenbar darunter“. Klare Antworten bekam die Zeitung von beiden Unternehmen nicht und musste ins Netz ausweichen. „In einschlägigen Internetforen ist jeweils von Stundenlöhnen um elf Euro die Rede“, heißt es in der BZ. Sie zitiert die Berliner Verdi-Expertin Erika Ritter: Die Bezahlung in Bio-Märkten sei etwas besser geworden, aber grundsätzlich habe sich nichts geändert. „Die Unternehmen setzen darauf, dass ihren Mitarbeitern das Gute ihrer Tätigkeit so wichtig ist, dass sie sich dafür mit geringerer Bezahlung zufrieden geben“, sagte Ritter der BZ.


Dass die Bezahlung im Biofachhandel in den letzten Jahren besser wurde, belegt auch eine Zahl des Handelsinstituts EHI in der WAZ. Demnach stiegen die Personalkostenanteile am Gesamtumsatz in Naturkost-Fachgeschäften und Bio-Supermärkten von 14,7 Prozent im Jahr 2009 auf 17,5 Prozent 2017.

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