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Podiumsdiskussion auf der BioNord: „Verpackung vermeiden - was macht die Bio-Branche?“

von Susanne Gschwind (Kommentare: 0)


Podiumsgespräch „12 Uhr mittags“ BioNord
Podiumsgespräch „12 Uhr mittags“ auf der BioNord © BioMessen

Um „Zwölf Uhr mittags“ diskutierte man auf der BioNord über die Frage „Verpackung vermeiden - was macht die Bio-Branche?“ In der Gesprächsrunde wurde deutlich: Hersteller, Groß- und Einzelhandel arbeiten an Lösungen – Patentrezepte gibt es aber bislang nicht.

Mit Michael Albert (Lose Laden Hannover), Jürgen Hack (Sodasan), Stephan Brandmeier-Fanger (Grell Naturkost), Ulrike Schaal (BNN) und Dina Tovar, die als Vertreterin junger Kunden an der Diskussion teilnahm, waren alle Stufen der Wertschöpfungskette vertreten. Die Gesprächsleitung hatte Detlef Harting von der Harting & Tovar Marketing GmbH.

Unverpackt: In Deutschland ist "noch Luft nach oben"

Verpackungsfrei einkaufen – hier ist in Deutschland noch deutlich Luft nach oben, so die Einschätzung von Dina Tovar, die zum Einstieg in die Diskussionsrunde die Sicht und die Wünsche junger Endverbraucher schilderte. Der 19-jährigen ist das Angebot auch und gerade in Bioläden noch viel zu gering.

Zumindest auf den Lose Laden Lola von Michael Albert trifft das nicht zu. Seit drei Jahren können Kunden hier komplett verpackungsfrei einkaufen. Das Sortiment umfasst von Obst und Gemüse über MoPro, Getreide, Trockenprodukten, Getränken und WPR alles, was man im Haushalt braucht. „Nicht in die Breite, aber in die Tiefe“, so Albert. Dabei können die Kunden die Gefäße, in die die Produkte abgefüllt werden sollen, mitbringen oder Flaschen, Gläser oder Beutel vor Ort erwerben. „Der Einkauf in Unverpackt-Läden ist etwas komplizierter, aber wir versuchen, die Hürde möglichst gering zu halten“, so Albert, der ein eigenes System aus Glas, Edelstahl und Holz entwickelt hat, „weil diese Materialien langlebiger als Kunststoff sind“, so der LoLa-Gründer und Geschäftsführer.

 

BioNord 2018
BioNord 2018 © Biomessen

 

 

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„Sobald die Ware im Laden ist, haftet der Ladner“

„Das verpackungsfreie Angebot in den Läden ist heute wesentlich professioneller als früher“, so die Erfahrung von Sodasan-Geschäftsführer Jürgen Hack. Sein Unternehmen bietet Wasch- Putz- und Reinigungsmittel, die in den Läden lose verkauft werden können, bereits seit Anfang der 90er Jahre an – und ist deshalb auch mit den damit verbundenen Herausforderungen vertraut. „Das Thema ist nicht trivial“, so Hack. Als Beispiele nennt er Hygiene und Lebensmittelüberwachung und weist auch auf die Haftungsfrage hin: „Sobald die Ware im Laden ist, haftet der Ladner“. Deshalb liefere Sodasan z.B. neue Etiketten mit, sobald es Rezeptänderungen gibt.

Verpackungsmaterial für lose Ware anbieten

Die Großhandels-Sicht auf das Thema lenkte Stephan Brandmeier-Fanger, Leitung Vertrieb und Marketing, Grell Naturkost: Nach seiner Einschätzung ist das Interesse für Unverpackt-Ware bei Ladnern groß und die Produkte seien allein schon über Groß- und Gastrogebinde grundsätzlich auch verfügbar. Damit auch Kunden, die spontan lose Ware kaufen wollten, oder die passenden Gefäße vergessen hätten, ihren Einkauf tätigen könnten, müssten Ladner entsprechendes Verpackungsmaterial anbieten. „Dennoch muss der Platzbedarf nicht hoch sein, wenn man sich gerade zum Start auf ein sehr schlankes Sortiment beschränkt“, so der Grell-Vertriebs- und Marketingleiter.

Der Vorteil eines schlanken Sortiments sei es gerade, dass man die Konsumenten so in das Konzept einbinden und mit der Frage konfrontieren könne: „Wenn ihr Unverpackt wollt, müsst ihr euch mit einer Veränderung eures Einkaufverhaltens im Laden aber auch zuhause beschäftigen.“ Gerade in der aktiven Beschäftigung mit den Kunden und den Fragen rund um das Konzept bestehe eine Herausforderung - sprich Zeiteinsatz in der Beratung - aber auch eine riesige Chance für jedes einzelne Naturkostfachgeschäft, sich um dieses Themen herum beim Konsumenten zu positionieren. „Es braucht das aktive Zugehen auf die Konsumenten und viel Engagement“, so die Überzeugung Brandmeier-Fangers.

Informationen zu Service-Verpackungsmaterialien

Ein Leitfaden des BNN liefert Informationen zu Service-Verpackungsmaterialien im Naturkostfachhandel. Darauf wies Ulrike Schaal aus der BNN-Qualitätsabteilung hin. In dem Leitfaden geht es u.a. um den Umgang mit Tüten und Tütenmaterialien, den Verzicht auf Service-Verpackungen aus nachwachsenden GVO-Rohstoffen sowie den Verzicht auf Weich-PVC oder PVDC in Cling-Folien. „Eine Patentlösung, d.h., das eine, beste Verpackungssystem gibt es nicht“, ist Ulrike Schaal überzeugt. 

 

"Gemeinsam Alternativen aus nachwachsenden Rohstoffen nachfragen“

Für Sodasan-Chef Hack ist v.a. die Frage, woher der Rohstoff kommt, zentral. Petrochemie gelte es unbedingt zu vermeiden. Stattdessen plädiert er dafür, auf Recycling- oder Alternativmaterialien zu setzen. Dabei hat er nicht allein die Produkt- und Umverpackungen im Blick, sondern auch den Transport. Als Beispiel nennt er die weitverbreitete Stretchfolie, mit der die Ware auf Paletten fixiert wird. Statt der üblicherweise verwendeten PE-Folie appellierte er an die anderen Hersteller der Branche: „Lasst uns gemeinsam Alternativen aus nachwachsenden Rohstoffen nachfragen“. Zwar ständen diese, etwa Zucker, in Konkurrenz zu Lebensmitteln. Allerdings sei der Flächenverbrauch laut Studien von Professor Hans-Josef Endres vom Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe an der Hochschule Hannover vergleichsweise gering.

Gemeinsam statt jeder für sich – auch LoLa-Geschäfstführer Michael Albert hat die Erfahrung gemacht, dass man gemeinsam mehr gegenüber Herstellern und dem Großhandel erreich. Derzeit gibt es zirka 90 Läden bundesweit. Man habe also relativ wenig, aber wachsendes Gewicht, so Albert, der sich als Vorstand im neu gegründeten „Verband der Unverpackt-Läden“ engagiert.

Was die Branche in fünf Jahren erreicht haben könnte

Die Abschlussfrage von Diskussionsleiter Detlef Harting lautete: „Was könnte die Branche in fünf Jahren erreicht haben?“ Das haben die Teilnehmer der „12 Uhr Mittags“-Runde geantwortet:

  • „Unverpackt ist auch in fünf Jahren noch ein kleines Segment“, prognostiziert Michael Albert, „aber ein wachsendes“. Potenzial sieht er v.a. bei kleinen, regionalen Anbietern. Der Königsweg ist für ihn Regionalität und nennt als Beispiel Milch, die er in seiner „Milchtankstelle“ anbietet.

  • Für Jürgen Hack ist der Unverpackt-Trend wichtig und richtig. Eben so wichtig sei es aber auch, Verpackung zu reduzieren und an den Produkten zu arbeiten, bei Waschmitteln zum Beispiel weniger Verpackung pro Waschgang zu erzielen. „Das ließe sich sowohl über konzentriertere beziehungsweise leistungsfähigere Produkte als auch über leichtere Verpackungen beziehungsweise innovative Verpackungsmaterialien erreichen“, so der Sodasan-Geschäftsführer.

  • Auch laut Stephan Brandmeier-Fanger sind intelligente Lösungen gefragt. Als Beispiele nennt er biobasierte recyclingfähige Verpackungen und Baumwollnetze statt Folie, die Grell anbietet. Auch Hersteller wie die Bohlsener Mühle und Spielberger testeten derzeit neue Verpackungen.

  • Ulrike Schaal vom BNN schließt aus den viele Anfragen von Herstellern auf ein großes Interesse am Thema nachhaltige Verpackung. Den Lösungsansatz sieht sie in der Kombination von Mehrweg und Unverpackt und der Forschung an alternativen Verpackungsmaterialien.

 


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