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Neue Fair-Handels-Charta: Welthandel geht auch anders

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


Kaffeebäuerin beim Ernten von Kaffeekirschen
Kaffeebauerin Mak Azmi von der Kaffeekooperative Kopepi Ketiara beim Ernten von Kaffeekirschen. © Fairtrade Deutschland/Nathalie Bertrams

Die weltweite Fair-Handels-Bewegung hat eine neue Internationale Charta des Fairen Handels veröffentlicht. Sie legt die grundlegenden Werte des Fairen Handels fest und definiert eine gemeinsame Vision zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen.

Quelle: Twitter

Noch nie dagewesenes Ausmaß des Ungleichgewichts

Diese Ziele hatte die Staatengemeinschaft vor drei Jahren verabschiedet. Doch sei sie weit davon entfernt, diese wie geplant bis 2030 zu erreichen, stellen die Fair-Handels-Organisationen fest. Die Zahl der Hungernden wachse. Derzeit sei laut einem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen, weltweit jeder neunte Mensch unterernährt. Auch zeige der World Inequality Report, dass die Ungleichheit seit 1980 global stark angestiegen sei.

Wirtschaft und Handel neu gestalten

In ihrer Charta kommt die Fair-Handels-Bewegung zu einem klaren Ergebnis: „Die von globalen Institutionen und großen Konzernen beworbenen Handelsmodelle haben ihr Versprechen, die Armut zu beseitigen, nicht erfüllt und ein noch nie dagewesenes Ausmaß des Ungleichgewichts verursacht.“ Unter dem Motto „Es gibt einen anderen Weg!“ wird diesem Handelsmodell der Faire Handel gegenüber gestellt und erläutert. Diese klare Positionierung des Fairen Handels als Alternative unterscheidet die neue Charta klar von dem letzten Grundsatzpapier der Bewegung von 2009, das sich stärker auf Grundsätze und Definitioenen beschränkte. „Die neue Charta verdeutlicht, wie unsere Vision und Erfahrung dazu beitragen kann, Wirtschaft und Handel auf der ganzen Welt neu zu gestalten", erklärte dazu Erinch Sahan, Geschäftsführer der World Fair Trade Organization.

Waage der Ungleichheit
Grafik aus der Internationalen Charta des Fairen Handels

Produzenten sollen nachhaltigen Lebensunterhalt verdienen

Ein wesentliches Kennzeichen des Fairen Handels ist, dass die Importeure Bedingungen gewährleisten „die die Produzent*innen und Arbeiter*innen in die Lage versetzen, einen nachhaltigen Lebensunterhalt zu verdienen, der die täglichen Bedürfnisse für wirtschaftliches, soziales und ökologisches Wohlergehen deckt und im Laufe der Zeit die Verbesserung der Bedingungen ermöglicht.“

Zu diesen Bedingungen zählen Faire Preise ebenso wie Investitionen in Gesundheit oder Bildung. Dieser nachhaltige Lebensunterhalt geht weit über die reine Existenzsicherung (genug zu essen) hinaus. Die Preise sollennicht nur ein menschenwürdiges Leben sichern, sondern auch den Schutz der Umwelt ermöglichen. „Die gesamte Wertschöpfungskette sollte so aufgebaut sein, dass die tatsächlichen Kosten eines umweltverträglichen Wirtschaftens sich in den Preisen und Handelsbedingungen wiederspiegeln“, steht deshalb in der Charta.

Fairtrade Circle
Grafik aus der Internationalen Charta des Fairen Handels

Langfristige Handelspartnerschaften und Zukunftsperspektiven

Die Charta betont die Wichtigkeit „langfristiger Handelspartnerschaften, die beiden Seiten durch Informationsaustausch und gemeinsame Planung erlaubt, zu kooperieren und daran zu wachsen.“ Herausgehoben werden auch die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf gemeinsame Lohnverhandlungen, das Verbot von Diskriminierung und Zwangsarbeit,  Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz und die Stärkung von Frauen- und Kinderrechten.

Die Charta spricht desweiteren ein Problem an, das viele ländliche Gemeinden haben: Die nächste Generation will nicht in der Landwirtschaft oder im Kunsthandwerk arbeiten. „Fair-Handels-Organisationen bieten besonders jungen Menschen in der Landwirtschaft die Perspektive einer besseren Zukunft in der Nähe ihrer Familie und als Teil ihrer Gemeinschaft, indem sie ihnen eine Ausbildung für ihr zukünftiges Berufsleben ermöglichen“, heißt es dazu in dem Papier.

Quelle: Facebook

Untrennbar mit dem Fairen Handel verbunden ist das politische Engagement für veränderte Handelsbeziehungen hierzuland und die Information der Verbraucher. Die Charta betont, wie wichtig in diesem Zusammenhang ein funktionierendes Kontrollsystem ist und eine glaubwürdige Evaluation der Ergebnisse: „Im Fairen Handel haben alle Beteiligten das Recht, ein höchstmögliches Maß an Integrität, Transparenz und Verantwortlichkeit von allen Fair-Handels-Akteuren zu erwarten.“

Fairer Handel – Definition

Laut Charta: „Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzent*innen und Arbeiter*innen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Fair-Handels-Organisationen engagieren sich (gemeinsam mit Verbraucher*innen) für die Unterstützung der Produzent*innen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.“

Fairer Handel – Vision

Laut Charta: „Die Bewegung des Fairen Handels teilt die Vision einer Welt, in der sich Handelsstrukturen und –praktiken an Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und nachhaltiger Entwicklung orientieren, so dass alle Menschen durch ihre Arbeit einen angemessenen und würdigen Lebensunterhalt aufrechterhalten und ihr Potenzial voll entfalten können.“

Quelle: Facebook


Stichworte:

Naturkostfachhandel


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