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IFOAM EU: Visionen und Strategien bis 2030

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Wichtige Aufgabe des 9. Europäischen IFOAM Kongresses war es, an der Zukunft der Bio-Branche in Europa zu arbeiten und geeignete Strategien zu entwerfen, um die Vision der Bio-Bewegung bis 2030 Wirklichkeit werden zu lassen. Grundlage für die Arbeit in vier Gruppen war die Broschüre mit dem Titel „Transforming Food & Farming – An Organic Vision for Europe in 2030“. Sie ist das Ergebnis eines partizipativen Prozesses, der im November 2013 in Brüssel begann. Ziel ist es, bis 2030 in großem Umfang faire, umweltfreundliche und sozialverträgliche Systeme in die Erzeugung und den Handel zu implementieren und einen hohen Anteil an Öko-Fläche und Bio-Lebensmitteln in Europa zu realisieren.

Bild: Prof. Dr. Raffaele Zanoli, Università Politecnica delle Marche, Italien,  war maßgeblich an der Vorbereitung der Visionen bis 2030 beteiligt.

50 Prozent bis 2030

Seit Ende 2013 beteiligten sich im Vorfeld des Riga-Kongresses mehr als 300 Akteure aus der Branche in verschiedenen Workshops und in Internetforen an der Erarbeitung der Vision, die Ergebnisse aus 35 Studien flossen in die Arbeit ein. Eines der ambitioniertesten Ziele dürfte das Erreichen der 50-Prozentmarke bei der Bio-Fläche bis zum Jahr 2030 sein. „Das ist ein Traum, der sich womöglich in den nächsten 15 Jahren nicht in die Wirklichkeit umsetzen lässt, doch wir brauchen Träume“, betonte IFOAM EU-Präsident Christopher Stopes als er die auf 30 Seiten zusammengefassten Ergebnisse des „Visionsprozesses“ vorstellte. Diese Aussagen seien keine Vorhersage der Zukunft, sondern die Grundlage einer gemeinsamen Richtung, die von der Bio-Bewegung eingeschlagen werde, um große Ziele bis 2030 erreichen zu können. „Wir hoffen, dass diese Vision die Akteure der Branche inspiriert und uns alle motiviert, gemeinsam den zukünftigen Potenzialen entgegenzusehen“, heißt es im Vorwort der Broschüre.  

Bild: IFOAM EU-Präsident Christopher Stopes sprach von den Visionen und Träumen der Bio-Bewegung.

Bestandsaufnahme und weiter Richtung Zukunft: Mögliche Szenarien

Unter dem Begriff Organic 3.0 wird, ebenfalls seit 2013, die strategische Neuausrichtung des Öko-Sektors auf globaler Ebene diskutiert. Dies soll nun konkretisiert und auf die europäische Ebene heruntergebrochen werden. In den vergangenen 15 Jahren habe es eine Menge Wachstum und Entwicklung im Bio-Sektor gegeben, resümierte Stopes. In der Broschüre "Transforming Food & Farming – An Organic Vision for Europe in 2030“ sind einige der Erfolge aufgeführt: Unter anderem das Wachstum des europäischen Umsatzes mit Bio-Lebensmitteln um 138 Prozent, von 10,2 Mrd. Euro im Jahr 2004 auf 24,3 Mrd. Euro im Jahr 2013 und die Zunahme der Bio-Fläche in Europa um knapp 70 Prozent auf 11,5 Mio. Hektar zwischen 2005 und 2013.

Bild: Kurt Sannen, Vorsitzender des Bio-Verbandes BioForum Flandern und Bio-Bauer appellierte an die Bio-Bewegung, Visionen zu entwickeln und mit Leben zu füllen. (Video-Interview)

Die Erfolge hätten sowohl zu neuen Chancen als auch zu neuen  Herausforderungen geführt, so Stopes. Deshalb sei nun eine Bestandsaufnahme notwendig gewesen, um zu gewährleisten, dass die Bio-Branche auch weiterhin führend in der Entwicklung zukunftsfähiger Modelle und Systeme in der Landwirtschaft sowie für die Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln sei, sagte der IFOAM EU Präsident. In der Vorbereitungsphase wurden auf der vier unterschiedliche gesellschaftliche Szenarien im Hinblick auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung, das Verbraucherverhalten und den Sektor Energie, Technologie und Öko-Systeme entworfen, die Einfluss auf die Entwicklungsrichtungen des Öko-Sektors haben könnten. (Transforming Food & Farming S 22ff).

Bild: Klaus Arntz vom holländischen Lebensmittelhersteller Wessanen, der 2015 sein 250-jähriges Jubiläum begeht, stellte die Entwicklung des Unternehmen in Richtung Bio und Nachhaltigkeit dar.


Gleichzeitig wurden unwägbare Risiken in die Szenarien einbezogen, die sich beispielsweise durch Klimawandel, Bodenknappheit, Wassermangel, Gentechnik, Machtkonzentration in der Industrie, technischen Fortschritt, gesellschaftspolitische Entwicklungen, Wachstum der Weltbevölkerung usw. ergeben. In dieser Liste sind jedoch auch die möglichen Chancen bzw. Lösungen für die einzelnen Herausforderungen festgehalten.

Steffen Reese von Naturland erklärt im Video-Interview die Entstehungsgeschichte der IFOAM EU-Visionen, was er von der Konferenz in Riga mitnimmt und welche Themen für Naturland in diesem Zusammenhang auf der Agenda stehen.

Video-Interview mit Steffen Reese, Naturland
Best Practice Beispiele belegen erfolgreiche Strategien

Anhand von Best Practice Beispielen wird deutlich gemacht, dass es sehr erfolgreiche Strategien gibt, Bio in hohem Maße in Geschäftsmodelle einzubeziehen. Als Erfolgsmodell einer Kommune werden die öffentlichen Kantinen der Stadt Kopenhagen beschrieben. Anfang 2015 ist der Bio-Anteil dort auf 83 Prozent gestiegen. Der dänische Bio-Branchenverband Organic Denmark hat das ehrgeizige Ziel vorgegeben, mindestens 60 Prozent Bio-Anteil in allen öffentlichen Kantinen zu anzustreben. In Kopenhagen strebt das sogenannten Copenhagen House of Food sogar einen Anteil von 90 Prozent bis Ende 2015 an und ist auf dem besten Wege dahin! Weiteres gutes Beispiel für innovative Ansätze ist die CSA-Bewegung: Die Community-supported agriculture konnte 2013 bereits 400.000 Konsumenten und 4.000 bäuerliche Betriebe vereinen. In Finnland ist eine besondere Variante erfolgreich. Die Herttoniemi Kooperativen pachten Land und beschäftigen dort „Bauern“ für den professionellen Anbau. Es wird eine Mitgliedsgebühr bezahlt und jedes Mitglied leistet zudem zehn Arbeitsstunde pro Saison.

Bild: Raffaele Zanoli leitete selbst einen Workshop. Die Ideen für die Zukunft der Bio-Bewegung in Europa waren vielfältig und bilden nun die Basis, die Visionen mit Leben zu füllen und konkrete Strategien zu entwickeln.

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