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IFOAM EU-Kongress: Roadmap für mehr Bio in Europa

von Karin Heinze (Kommentare: 0)


Elisabeth Backtemann Deputy Secretary of the Ministery for Rural Affairs of Sweden explained that there is a historical chance to make Europe more organic. Foto © Karin Heinze

Elisabeth Backtemann (Deputy Secretary of the Ministery for Rural Affairs of Sweden) erklärte, dass sie die aktuelle Situation für eine historische Chance für mehr Bio und Nachhaltigkeit in Europa hält. Ihre Kollegen Flavio Coturni (Mitte, Head of the Unit Agricultural Policy Analysis and Perspectives, DG AGRI, European Commission) und Toomas Kevvai (Deputy Secretary General for Food Safety, Research and Development, Ministery of Rural Affairs of the Republic of Estonia) stimmten ihr zu. Foto © Karin Heinze

Eine große Zahl vom IFOAM EU-Mitglieder aus ganz Europa sowie Gäste aus der Bio-Branche und Politiker trafen sich vom 5. bis 6. September auf den 11. Europäischen Bio-Kongress in Tallinn. Die wichtigsten Themen des ersten Tages betrafen die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) und die Möglichkeiten, in diesem Rahmen das ambitionierte Ziel der IFOAM (Organic Vision 2030) für 50 Prozent Bio-Fläche in Europa bis 2030 umzusetzen. Die „Organic Roadmap“ soll als Inspiration und als Fahrplan dienen. Sie wurde auf dem Kongress vorgestellt und in Workshops mit vielen Beispielen und inspirierenden Ideen mit Leben gefüllt.

The participants from all over Europe listened the interesting discussions. Foto © Karin Heinze

Die Teilnehmer aus ganz Europa hörten interessante Diskussionen und spannende Vorträge. Foto © Karin Heinze

Die „Organic Roadmap“ geht an den Start

Der Veranstaltungsort wurde ausgewählt, weil Estland die EU-Ratspräsidentschaft bis zum Ende dieses Jahres innehat. Der Der IFOAM-Kongress (EOC) folgte dem informellen Treffen der EU-Landwirtschaftsminister. Auch dort ging es um die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2020. IFOAM EU-Präsident Christopher Stopes eröffnete den Kongress und führte in wichtigsten Themen des ersten Tages ein. Vor allem die Organic Roadmap, die in den vergangenen zwei Jahren in einem gemeinsamen Prozess von IFOAM-Mitgliedern auf Basis des Bio 3.0 Programms und der "Organic Vision 2030" entwickelt wurde. Die UN-Nachhaltigkeits-Entwicklungsziele (SDGs) spielen in der Roadmap eine wichtige Rolle. Der Agrar- und Ernährungssektor steht auch dort im Fokus.

In the workshops many ideas and proposals to make the vision 2030 happen were discussed. Foto © Karin Heinze

In den Workshops wurden viele Ideen und Vorschläge diskutiert, die die Vision 2030 für 50 Prozent Bio-Fläche in Europa Wirklichkeit werden lassen. Foto © Karin Heinze

„Unsere Roadmap zeigt, wie die ökologische Landwirtschaft weiterhin eine wichtige Rolle bei der Herstellung von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln spielen kann, indem sie tragfähige Geschäftsmöglichkeiten schafft und die Umwelt schützt. Das Bio-Modell bietet einen bewährten Weg, um die UN-SDGs zu erreichen", sagte Stopes. Er erklärte, dass die Strategie der IFOAM EU darauf abzielt, mit Hilfe der Organic Roadmap die Vision 2030 umzusetzen und zu mehr echter Nachhaltigkeit zu kommen, wie sie weite Teile der Gesellschaft forderten, deren Steuergelder in die EU-Agrarpolitik fließen. Und er fuhr fort: „Die jüngste öffentliche Konsultation der Kommission hat deutlich gezeigt, dass ein neuer Deal zwischen Landwirten und Bürgern erforderlich ist. Um das Potenzial von Bio zu nutzen, müssen die EU und die nationalen Regierungen die SDGs vollständig in die EU-Politik integrieren, einschließlich der GAP ", betonte er.

Video Interview mit IFOAM EU Vize-President und Bioland-Präsident Jan Plagge zur GAP

 

New Deal zwischen Bauern und Gesellschaft

Jan Plagge, Bioland-Präsident und IFOAM EU-Vizepräsident für Politik sagte: „Die aktuelle Debatte über die GAP-Reform zeigt deutlich, dass eine Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), die für die Zukunft geeignet ist, ein faires Einkommen für die Landwirte sicherstellen muss und nicht mit der Bereitstellung öffentlicher Güter (Anm. d. Red.: sauberes Wasser, saubere Luft, gesunde Böden etc) im Konflikt stehen darf.“ Risikomanagement-Tools wie Versicherungsprogramme förderten nur die Überproduktion und würden die Förderung des Umweltschutzes untergraben. Eine Agrarpolitik, die öffentliche Güter priorisiert, habe die größte Chance, die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu verwirklichen, zu fairen Einkommen beizutragen und gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden, so Plagge.

Panel on the topic of the EU Common Agricultural Policy (CAP). Foto © Karin Heinze

Podiumsdiskussion Gemeinsamesn Agrarpolitik der EU (GAP): (von links) Pekka Pesonen (Secretary General, Copa-Cogeca), Jeremy Wates (Secretary General, The European Environmental Bureau) und Jan Plagge (President, Bioland, IFOAM Board Member). Foto © Karin Heinze

Die Frage der fairen Preise, die auch eine der drei Hauptsäulen der Roadmap ist (Fair Play – Fair Pay), wurde mehrfach von Jan Plagge aufgeworfen: „Die gesamte Nahrungsmittelkette muss reale faire Preise erzielen und dabei die externen Kosten integrieren." Das bedeutet, dass öffentliche Güter wie Biodiversität, sauberes Wasser und Luft, Tierschutz, Klima etc. auch im Rahmen der GAP berücksichtigt werden müssen. Nachhaltigkeitslösungen sind nicht nur auf der landwirtschaftlichen Ebene gefragt, sondern auch die wachsenden städtische Gesellschaft pocht auf deren Umsetzung in der Produktion und im Handel.

Auch Copa Cogeca-Generalsekretär Pekka Pesonens sah die Notwendigkeit eines fairen Entgelts für Landwirte, der Bio-Sektor dürfe dabei keine Ausnahme sein. Die Marge des Groß- und Einzelhandels dürfe die Landwirte nicht unter Druck setzen, sagte Pesonen. Einem Bio-Markt, der sich immer mehr vom Nischenmarkt in Richtung Mainstream-Markt entwickelt, komme mehr Verantwortung zu. Doch betonte er gleichzeitig, dass die Agrarpolitik eine demokratische und evolutionäre Entwicklung sei und niemand eine Revolution erwarten dürfe.

Bio ist Teil der Lösung

Elisabeth Backteman, Staatssekretärin aus dem schwedischen Landwirtschaftsministerium warf einen optimistischen Blick auf die Entwicklung. Sie erklärte bei der Podiumsdiskussion: “Bio ist Teil der Lösung“, und brachte ein Beispiel wie Schweden auf die wachsende Nachfrage nach Bio-Produkte reagiere. „Die Regierung hat sich verpflichtet, bis 2030 60 Prozent Bio-Anteil in öffentlichen Großküchen zu erreichen.“ Das habe zur Folge, dass nun die Förderung und der Ausbau des Öko-Landbaus mit entsprechenden Geldern unterstützt werden müsse, sagte sie. Durch die Vereinbarungen von Paris zum Klimaschutz sei ein historisches Abkommen geschlossen worden, im Zuge dessen man jetzt die Verantwortung wahrnehmen müssen und alles nur Mögliche tun müsse, um diese Ziele zu erreichen. Es sei höchste Zeit, auf die Zweite Säule umzuverteilen.

Auch Flavio Conturni, Leiter der Abteilung Agrarpolitik und Perspektiven, DG AGRI, Europäische Kommission war der Ansicht, dass der aktuelle Entwurf der GAP die Lösung von Umwelt- und Klimaproblemen nicht ausreichend berücksichtigt. „Es liegt im Interesse aller Stakeholder, ökonomische, ökologische und soziale Fragen ins Gleichgewicht zu bringen. Die öffentlichen Güter müssen entsprechend berücksichtigt werden, um eine erfolgreiche GAP-Reform zu erreichen", war seine Aussage.

Jan Plagge Foto © Karin Heinze

Jan Plagge forderte, dass Öffentliche Güter wie Biodiversität, sauberes Wasser, saubere Luft, Tierwohl, Klimaschutz im Rahmen der GAP ihren Platz finden müssten. Foto © Karin Heinze

Jeremy Wates, Generalsekretär des Europäischen Umweltbüros sagte, aus seiner Sicht sei die GAP-Reform 2020 bereits gescheitert, weil die Instrumente des derzeitigen Entwurfs ineffizient seien. „Die Forderung des Bio-Sektors, öffentliches Geld für öffentliche Güter auszugeben, wurde bisher nicht genügend gehört. Wir brauchen einen völlig neuen Ansatz, der mehr Nachhaltigkeit ermöglicht." Bereits bei der vorigen Reform sei statt dem angestrebten „Greening“ nur „grau-grün“ herausgekommen. Die Verbraucher müssten endlich die realen Kosten des Essens bezahlen. Er bat um mehr ambitionierten Einsatz dahingehend im weiteren Prozess der GAP-Reform und darum, dass IFOAM dabei eine führende Rolle übernimmt.

Lively workshop discussions on the topics of the Organic Roadmap: Foto © Karin Heinze

Lebendige Diskussionen in den Workshops über die Ausführung der Organic Roadmap: "Organic on every table", "Improve, inspire, deliver" and "Fair play, fair pay".  Foto © Karin Heinze

Workshops, um die Roadmap mit Leben zu füllen

Die "Organic Roadmap" soll als Inspiration dienen und wurde während des Kongresses in drei Workshops mit vielen Beispielen und Ideen lebendig gemacht. Die Präsentationen und Ergebnisse der Workshops und mehr Ideen zur Vision eines fairen, umweltbewussten, gesunden Lebens- und Landwirtschaftssystems werden auf der neuen IFOAM EU-Website Euorganic2030 veröffentlicht. Die Präsentation der Ergebnisse von Kristin Karlsson, Kommunikationsleiter, Concord Schweden, sehen Sie im Video.

Kristin Karlsson presented the results of the workshops. Foto © Karin Heinze

Kristin Karlsson, Concord, Sweden, präsentierte die Ergebnisse der Workshops. Foto © Karin Heinze


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