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Honig im Visier des ZDF

von Astrid Wahrenberg (Kommentare: 1)


Nelson Müller vor Bio-Honig
In der Berliner Markthalle lud Nelson Müller zur Verkostung ein. © obs/ZDF
  • Das ZDF nahm Honige aus LEH, Discounter und Bioladen unter die Lupe.
  • Kritisiert wurde u.a. die intransparente Deklaration der Herkunft bei Mischhonigen
  • Kritisch bewertet wurde vor allem der Bio-Akazienhonig von dennree aus China.
  • Unerwähnt blieb, dass sämtliche Honige im Test qualitativ einwandfrei waren und der dennree-Honig aus einer seriösen Quelle stammt.

„Der Essens-Experte reist zu den Ursprungsorten der Lebensmittel, besucht Felder und Fabriken und zeigt, wie die Hersteller arbeiten. Er prüft Qualitäts-Versprechen und stößt auf dreiste Marketing-Maschen und handfeste Verbrauchertäuschung.“ So kündigt das ZDF den Lebensmittelreport an. Mitte September lief die vierte Folge dieses Formats mit Nelson Müller. Dieses Mal beschäftigte sich der Sternekoch neben Rindfleisch, Tomaten und Schokolade mit Honig. 

Zehn Honige im Glas und im Spender  nahm der Sender genauer unter die Lupe: Vom günstigen Blütenhonig für 0,50 Euro pro 100 Gramm bis zu einem Bio-Akazienhonig von dennree für 1,60 pro 100 Gramm. Ein Stein des Anstoßes: Die heimelige Aufmachung mit Blümchen, Wiesen und Bienchen auf dem Etikett täusche den Verbraucher über die Herkunft, die oftmals nicht in Deutschland liegt. Das zeigte ein Blick aufs Etikett, wo die legale, aber wachsweiche Deklaration „Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ unter anderem auch auf dem Bio-Akazienhonig von dennree zu finden ist.  

Mischungen sind keine Panscherei

Hintergrund: Das Mischen von Honigen aus verschiedenen Ländern ist im konventionellen wie im Bio-Handel zum Beispiel bei günstigen Produkten gängige Praxis. Neben der Verfügbarkeit spielt der Preis eine Rolle. Honige von außerhalb der EU kosten um ein Vielfaches weniger als deutscher Honig, der unseren Bedarf aber nur zu rund 30 Prozent deckt. Mit Tricksereien, wie das im Beitrag anklingt, hat das nichts zu tun, auch nicht mit Panscherei oder dem Strecken von Honig. Gepanscht oder gestreckt wird Honig mit Zucker oder Sirup. Das ist ein weltweites Problem. Laut EU-Kommission erfüllt jeder fünfte Import-Honig Import nicht die gesetzlichen Standards. Daher gibt es umfangreiche Kontrollen. 

Denn grundsätzlich muss importierter Honig den Vorgaben der Deutschen Honigverordnung und den Leitsätzen für Honig des Deutschen Lebensmittelbuchs entsprechen. Rund 88 000 Tonnen Honig importierte Deutschland 2017 und liegt damit europaweit auf Platz 1. Rund 30 Prozent davon stammen aus EU-Ländern, vor allem aus Ungarn, Bulgarien, Spanien und Rumänien. Die restlichen 70 Prozent kommen aus Nicht-EU-Ländern, allen voran Argentinien, Mexiko, der Ukraine sowie China und Kuba. Auch Bio-Honig wird rund um den Globus gehandelt. Die Walter Lang GmbH kauft und verkauft beispielsweise Honigspezialitäten aus fünf Kontinenten.     

Herkunftsländer sollen benannt werden

Während aber bei Sortenhonigen im Bio-Handel die Herkunft fast schon ein Qualitätsversprechen ist – Lavendelhonig aus der Provence,  Waldhonig aus dem Piemont, Eukalyptushonig aus Brasilien – schreiben nur wenige die Herkunftsländer der Mischhonige explizit aufs Etikett. Das ist nicht nur Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Das EU-Parlament fordert in einer Resolution aus dem Frühjahr 2018 die explizite Benennung der Honig-Herkunftsländer und Sortenanteile auf dem Etikett.  Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einem entsprechenden Gesetzentwurf.  

Auch das ZDF wollte genauer wissen, wie sich die Honigmischungen genau zusammensetzen und schickte sie zur Analyse ins international renommierte Bremer QSI-Labor. Das Ergebnis: Ein Großteil  der Honige mit der Angabe „Mischung aus EU- und Nicht-EU-Länder“ enthielt prozentual hohe Anteile (preisgünstigen) Honig aus Ländern außerhalb Europas. Der dennree-Bio-Akazienhonig fiel gänzlich aus dem Rahmen. Laut Nuclear Magnetic Resonance (NMR)-Analyse lag die geografische Herkunft des Bio-Akazienhonigs in China ausschließlich. Bei dieser Methode wird eine Art genetischer Fingerabdruck erstellt, der mit Tausenden von Honigproben aus mehr als 50 Ländern abgeglichen wird. Stellungnahme von dennree: „Aufgrund der mikroskopischen Eigenschaften ist die Herkunftsangabe noch gerechtfertigt, wenn auch nur grenzwertig wegen des geringen europäischen Anteils.“  

Ralf Schwarz, der Leiter des Warenmanagements bei dennree, sagt auf Nachfrage von bio-markt.info: „Wir haben mit unserem Hersteller vereinbart, dass zukünftig, ab der kommenden Produktion, eindeutig erkennbar die Herkunft des Honigs direkt auf dem Glas aufgedruckt wird, um für den Kunden noch mehr Transparenz zu schaffen“. 

Bio-Honig aus China – Hui oder pfui? 

Die grenzwertige Herkunftsdeklaration des dennree-Honigs ist eine Sache. Eine andere ist die im Beitrag pauschal suggerierte Minderwertigkeit von (Bio)-Honig aus China. Zwar sind Erzeugnisse aus China – konventionell wie Bio – generell mit Vorsicht zu genießen und erfordern vom Importeur  höchste Sorgfalt. Wer Honig verfälscht, fälscht unter Umständen auch Zertifikate.   

Interessant ist an dieser Stelle, was der Sternekoch Nelson Müller den Zuschauern in dem Fernsehbeitrag nicht sagt, sondern Gudrun Beckh vom QSI-Labor auf Nachfrage von bio-markt.info: „Alle Honige, einschließlich des chinesischen Biohonigs waren qualitativ einwandfrei und nicht verfälscht.“ Dass diese Information nicht erwähnt wurde, findet sie höchst ärgerlich. Grundsätzlich werden Waren, die in deutschen Supermärkten stehen, mehrmals analysiert. Das gelte auch für Bio-Honige. Die großen Discounter hätten in der Regel sehr klare Vorgaben an die Abfüller, welche Untersuchungsumfänge geprüft werden müssen.  Daher könne der Verbraucher in Deutschland sicher sein, dass er guten Honig – auch für einen kleinen Preis – bekommt, versichert sie.  

Prüfung vor Abfüllung

Wie aufwendig solche Kontrollen sind, weiß auch Karin Lang, die mit ihrem Mann die Walter Lang GmbH führt. „Unsere Rohhonige werden nach einem strengen und sehr umfassenden Prüfplan untersucht und erst dann für die Abfüllung frei gegeben, wenn die Qualität einwandfrei bestätigt wurde. Für das Screening nutzt das Unternehmen zwei bis drei Methoden, mehr als ein Dutzend Parameter vom Pollenspektrum über Handelsanalyse bis zur Rückstandsproblematik werden gecheckt.  „Über den unvollständigen Beitrag und die pauschalen Verurteilung von Rohstoffen und Herkünften habe ich mich sehr geärgert“, sagt Karin Lang. Das Unternehmen hat mit eigenen Bio-Honigprojekten in China gute Erfahrungen gemacht. „Sie müssen den Menschen dort nur genau sagen, was sie möchten und einen fairen Preis bezahlen, dann bekommen Sie auch aus China einen Qualitätshonig“, sagt sie.  

Aus dieser Bio-Initiative stammt nach Auskunft von dennree auch der getestete Bio-Akazienhonig in der Spenderflasche. Regelmäßige Besuche des Importeurs vor Ort, intensive Betreuung und Schulungen gehören zur Qualitätssicherung, außerdem ein Rückverfolgbarkeitssystem, das den Warenstrom lückenlos dokumentiert. 

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Kommentar von Marc Schmitt |

Die Deklaration als "Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern" sollte eigentlich auch ein Bio-Honig erfüllen, sprich es kann eigentlich im Sinne der Verbraucher kein reiner Bio-Honig aus China sein.
Die Aussage "Aufgrund der mikroskopischen Eigenschaften ist die Herkunftsangabe noch gerechtfertigt, wenn auch nur grenzwertig wegen des geringen europäischen Anteils." erscheint da doch selbst mehr als grenzwertig.
Es ist noch nicht lange her, dass das Brat-Olivenöl von Dennree bemängelt wurde, weil zwar die Deklaration formal korrekt aber doch zusammen mit der Aufmachung für den Verbraucher tendenziell irreführend war.
Eigentlich wissen wir doch: Alles hat seinen Preis. Auch bei Dennree.