Anzeige

organic-market.info | Mediadaten | Impressum | Datenschutz

Dünge-VO: 20 Prozent weniger Gülle in Risikogebieten

von Horst Fiedler (Kommentare: 1)


Belastung für Gewässer: Gülle aus der Massentierhaltung © By Bildagentur Zoonar GmbH shutterstock

Statt die Massentierhaltung perspektivisch so zu begrenzen, dass die Güllemenge zur jeweiligen Agrar-Fläche passt, haben Landwirtschafts- und Umweltministerium nur das Ausbringungsvolumen in Risikogebieten neu geregelt. Wo bleibt die Gülle?

Wegen einer EU-Klage, nach der Deutschland die Vorgaben zum Gewässerschutz nicht erfüllt und mit hohen Strafen zu rechnen hat, mussten sich die zuständigen Ministerien zusammen mit den Bundesländern auf eine Lösung verständigen und die Dünge-Verordnung verschärfen.

Ergebnis für Gebiete mit besonders hohen Nitratwerten (sogen. Rote Gebiete):

  • Reduzierung der Düngung um 20 Prozent im Betriebsdurchschnitt
  • Mengen-Obergrenze in Höhe von 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar und Jahr
  • eine um bis zu vier Wochen verlängerte Sperrfrist, in der das Düngen nicht erlaubt ist

„Um betriebs- und anbauspezifischen Besonderheiten Rechnung zu tragen, sollen Betriebe flexibel entscheiden können, welche Kulturen weiter nach maximalem Bedarf gedüngt werden. Im Gegenzug muss auf anderen Flächen in den besonders belasteten Gebieten weniger gedüngt werden, um die Mengen-Obergrenzen einzuhalten“, so der Vorschlag.

Außerdem sollen größere Abstände zu Gewässern beim Düngen eingehalten werden:

  • 10 Meter bei einer Hangneigung über 15 Prozent
  • 2 Meter bei einer Hangneigung zwischen 5 und 10 Prozent

Bislang mussten pauschal 5 Meter in hängigem Gelände eingehalten werden.

Der BÖLW hatte im Vorfeld des Treffens gefordert, dass auch die Kontrolle mit dem neuen Düngerecht verbessert werden müsse: „Jede Regel ist nur so gut, wie sie kontrolliert wird.“ Dazu gibt es in den neuen Vorgaben, die der EU-Kommission vor dem offiziellen Rechtssetzungsverfahren vorgelegt werden sollen, jedoch keinen Hinweis.  

Ausnahmen für Biobetriebe

Für extensiv wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe und Ökobetriebe, die so nachhaltig und ressourcenschonend düngen, dass sie nicht zur Gewässerbelastung beitragen, gelten Ausnahmen. So sollen Betriebe, die durchschnittlich auf ihren Landwirtschaftsflächen weniger als 160 Kilogramm Stickstoff je Hektar und Jahr und davon maximal 80 Kilogramm mineralisch düngen, von der Reduzierung der Düngung und der Mengen-Obergrenze freigestellt werden.

Wiesen und Weiden als „Gülle-Endlager“

Auch auf Dauergrünland soll die Düngung nicht reduziert werden müssen, da hier das Auswaschungsrisiko niedriger sei. Außerdem soll eine Herbstdüngung von Raps möglich sein, wenn mit einer Bodenprobe nachgewiesen wird, dass der Düngebedarf nicht aus dem Bodenvorrat gedeckt werden kann. Für den Naturschutzbund (Nabu) sind die Ausnahmen für das Grünland katastrophal: „Denn artenreiche Wiesen und Weiden sind geschützte Lebensräume und notwendig für das Überleben vieler Arten. Nun drohen Wiesen und Weiden zum Endlager für Gülle zu werden – und zu einer Graswüste ohne Insekten."

Der Nabu habe bereits in Brüssel Beschwerde gegen das Verschwinden des Grünlands eingelegt. Die Bundesregierung riskiere mit ihren Vorschlägen nun also nicht nur eine neuerliche Klage zum Düngerecht, sondern auch ein Verfahren zum Naturschutz.

Kommentar

Ultimo for Groko

Kanzlerin Merkel will in der Klimapolitik kein Pillepalle mehr. Doch mit der „verschärften“ Dünge-Verordnung wird deutlich, dass der Agrarsektor beim Klimaschutz außen vor bleiben soll. Statt die Gelegenheit zu nutzen und die Massentierhaltung per Verordnung flächenkonform zu reduzieren, wird die Gülle nur anders im Land verteilt oder länger zwischengelagert. Und weil für die verlängerten Sperrzeiten Güllelagunen fehlen, wird am Ende doch alles zeitnah verklappt. Oder will Ministerin Klöckner etwa ihren Swimmingpool als Zwischenlager zur Verfügung stellen? Aber es gibt ja noch Grünland, das nach dem Willen der Groko weiter mit Gülle getränkt werden soll und den Insekten endgültig den Garaus machen wird.

Perspektivisch wird es so weder gelingen, den Gewässerschutz zu gewährleisten, noch die Klimaziele einzuhalten. Und weil sich die Groko bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt festklammern will, wird offensichtlich auch die Pillepalle-Politik fortgesetzt. Deshalb muss eine neue Bürgerbewegung her: Statt Fridays for Future Ultimo for Groko!                                                                                                                                                                  Horst Fiedler

Lesen Sie auch:

Ökolandbau siegt im Leistungsvergleich

Deutsche Wissenschaftler haben die bisher umfangreichste Studie zu den ökologischen und sozialen Leistungen des Ökolandbaus vorgelegt. Das Ergebnis ist klar: In fünf von sieben Bereichen lag der Ökolandbau vorn.

Neue Studie: Biolandbau schützt das Klima

Biologisch bewirtschaftete Böden geben deutlich weniger Treibhausgase ab als konventionelle. Das belegt ein einmaliger Langzeitversuch.

Umweltschutz in der Landwirtschaft muss besser werden

Das Umweltbundesamt hält in einem Bericht zu Umwelt und Landwirtschaft die massiven Umweltprobleme fest, die von der konventionellen Landwirtschaft ausgehen.

Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!


Kommentar von Hermann Heldberg |

Die Informationen der BÖLW zu der Düngeverordnung unterscheiden sich deutlich von der Aussage hier. Dort wird gesagt, das die Düngung der Zwischenfrüchte in Zukunft verboten ist. Hier steht das es eine Ausnahme für die Biobetriebe gibt, wenn sie bestimmte Mengen nicht überschreiten. Was stimmt denn nun?
Grüße
Hermann Heldberg

Antwort von Redaktion

Die Kritik des BÖLW richtet sich gegen einen weiteren Vorschlag, der in einer zweiten Pressemitteilung offenbart wurde. Danach soll die Sperrfrist bei Festmist von Huf- oder Klauentieren und Kompost in den mit Nitrat belasteten Gebieten um vier Wochen (1.12. – 31.01) verlängert werden (derzeit flächendeckend vom 15.12. – 15.01.). Dafür ist keine Ausnahme für Bio-Betriebe vorgesehen.

Hier die BÖLW-Kritik zum Nachlesen:

„Kontraproduktiv ist es jedoch, den Bio-Bauern die Düngung ihrer Zwischenfrüchte im Herbst zu verbieten. Zwischenfrüchte wie Wickroggen oder Winterrübsen, die zwischen der Ernte im Sommer und der Aussaat im nächsten Frühjahr angebaut werden, sind wichtig, um Nährstoffe zu binden und zu verhindern, dass diese ins Grundwasser sickern. Die Zwischenfrüchte halten die Nährstoffe für die nächste Hauptfrucht fest. Wer also Bio-Bauern – für die schnell löslicher Kunstdünger tabu ist – die Herbstdüngung mit Mist oder Kompost untersagt, verhindert, dass ihre Zwischenfrüchte ordentlich aufwachsen und ihre Funktion erfüllen können. Ein gut entwickelter Zwischenfruchtbestand hilft auch dabei, Erosion durch Abschwemmung zu verhindern. Und der Humusaufbau wird gefördert, was gut ist, um mehr Kohlenstoff aus überschüssigem CO2 dauerhaft festzulegen. Die geplante Regelung konterkariert also Gewässer-, Erosions- und Klimaschutz und muss zurückgenommen werden.

Ziel der Dünge-Verordnung ist es, Wasser wirksam zu schützen. Die nach Einschätzung aller Wissenschaftler wirksamste Maßnahme gegen schädliche Nitratüberschüsse wären Regeln, nach denen nur so viele Tiere auf der Fläche gehalten werden, wie Böden und Gewässer verkraften. Weil das nicht Bestandteil der vorgesehenen Regelungen ist, lassen Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium weiter zu, dass Höfe, die bereits wasserschützend wirtschaften, die Probleme ausbaden müssen, die Betriebe verursachen, die zu viele Tiere halten. Mithaften werden übrigens alle Bürger, falls die Vorschläge von der EU-Kommission abgelehnt werden und hohe Strafzahlungen auf die Bundesrepublik zukommen. Entscheidend ist deshalb, in Zukunft darauf hinzusteuern, die in der Mehrzahl der kritischen Regionen zu hohen Viehdichten abzubauen.“


Anzeige

Anzeige