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"Alnatura ist ein soziales Experiment"

(Kommentare: 1)


Bienen summen und Frösche quaken auf dem naturnahen Firmengelände von Alnatura in Bickenbach. Und auch im Gebäude geht es sehr lebendig zu. Dort entwickelt die „Arbeitsgemeinschaft“ Ideen für neue Markenprodukte, einen 3D-Online-Shop oder Konzepte für den Laden der Zukunft. Gründer Götz Rehn sieht dieses gemeinsame Arbeiten als „Experiment auf dem Weg zu einem sozial-organischen Modellunternehmen“.  

Garten der Unternehmenszentrale von Alnatura in Bickenbach

Sein Verständnis von Wirtschaft ist, für andere tätig sein zu wollen. Die anderen sind, dem Unternehmenszweck entsprechend, die Kunden. „Kundenorientierung sollte bei allem was wir tun der Maßstab sein“, sagt Götz Rehn. „Wir orientieren uns bei unseren Entscheidungen bezüglich des Sortimentes daher auch stets an den Qualitätserwartungen der Kunden an unsere Marke.“ Es gehe im Wirtschaftsleben darum, sinnvolle Entwicklungen zu ermöglichen, so sein Credo. Die Kunden seien Arbeit- und Kapitalgeber für sein Unternehmen: „die Arbeitsgemeinschaft Alnatura“, wie er sie gerne nennt.

Attribute einer echten Marke

Nach Ansicht von Rehn braucht ein Markenartikler vor allem Innovationskraft. Es müsse ein Vorteil und Mehrwert für einen Einzelhändler entstehen, wenn er Markenprodukte in sein Sortiment aufnimmt. Ziel einer innovativen Produktentwicklung müssen laut Rehn daher Artikel sein, „die es so noch nicht gibt. Es gilt vielmehr zu ahnen, was kommen könnte.“ In dieser Richtung entstünden immer mehr Produkte. Allerdings habe Alnatura nicht vor, sich einer Ernährungsrichtung zu verschreiben. „Wir haben rund zwei Drittel vegane Alnatura Produkte im Sortiment, aber wir führen auch neue Fleischprodukte ein. Denn wenn man weiß, wie biologischer Landbau funktioniert, kann man die Tiere nicht einfach ausgrenzen.“

 

Auf dem Firmengelände werden Bienen gehalten - eine Demeter-Imkerin unterstützt dabei 

Vorwärts in die Zukunft

Wie wird sich der Handel entwickeln? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Bickenbacher Unternehmen intensiv. Ohne Zweifel befinde sich der Handel in einer gigantischen Transformation durch die Digitalisierung, sagt Rehn. Dienstleistungen im Online-Handel wie auch im stationären müssten neu definiert werden. „Wenn man so bleibt, wie man ist, wird man in sehr überschaubarer Zeit seinen Laden schließen müssen“. Dabei denkt Rehn vor allem an die virtuelle Plattform im Internet. „Wir müssen auch im Online-Handel die Kunden begeistern.“

Das ist aus seiner Sicht mit den derzeit gängigen Systemen nicht zu erreichen. Deshalb bastelt die firmeneigene IT-Abteilung mit Hilfe von externen Partnern an entsprechenden Lösungen. „Wir haben einen eigenen Bereich dafür geschaffen, in dem Menschen arbeiten, die vierdimensional denken können.“ Eine ganze Reihe von Schritten sei jedoch noch notwendig. Ein 3D-Shop mit virtuellem Ladenrundgang und der Möglichkeit, Produkte dreidimensional zu betrachten, soll den Kunden aber bereits ab Sommer zur Verfügung stehen.

Die Bilanz der bisherigen Online-Aktivitäten fällt Rehn zufolge nicht schlecht aus. Alnatura sei beim Online-Handel „über den Plan hinaus“. Doch habe man noch nicht die Dimension erreicht, die möglich wäre, „wenn wir es richtig machen würden“. Es gebe also noch einiges zu tun.

 

Farbgebung, Gestaltung der Räume und Kunst sind anthroposophisch inspiriert

Arbeitsgemeinschaft Alnatura – ein sozial-organisches Unternehmen

„Auch im Bereich der Führung im Unternehmen sind wir in einem Transformationsprozess“, sagt Rehn. Das, was wir bisher überwiegend kennen, „eine tradierte, hierarchische Organisation und Führung, eine starre Arbeitsteilung“, werde in Zukunft nicht mehr funktionieren. Dafür gebe es zwei Gründe: „Die Menschen haben verstärkt Interesse daran, eigenverantwortlich im Sinne des Ganzen tätig zu sein. Das Tun soll insgesamt sinnvoll sein, und sie selbst wollen Teil dieser Entwicklung sein.“ Doch es sei gar nicht so einfach, das zu ermöglichen. Denn in der konsequenten Arbeitsteilung liege auch eine Beschränkung: Mitgestalten und Mitverantwortung übernehmen habe Konsequenzen, die man nur zum Teil überblicken kann.

Beeindruckt zeigt sich Rehn von den schnell wachsenden Internet-Konzernen wie Google, Facebook und Alibaba.  „Schauen Sie, welches Tempo diese jungen Unternehmen vorlegen und welches Führungsmodell diese Firmen haben“, erläutert Rehn. Alibaba nennt es die „sich selbst optimierende“ Organisation. Das treffe es schon ganz gut. „Wir sprechen lieber von einem sozial-organischen Unternehmen. Soll heißen, das Unternehmen wird als lebendiger Organismus, der sich ständig ändert, und nicht als hierarchisch starre Organisation gedacht.“ Die eigentliche Aufgabenstellung dabei sei, im Miteinander zu lernen, adäquat und schnell auf Marktveränderungen zu reagieren. „Das ist eines unserer Entwicklungsfelder, mit dem wir uns wahrscheinlich beschäftigen werden, solange wir existieren“, sagt Rehn.

 

Die Mitarbeiter von Alnatura - eine Tafel reicht bald nicht mehr aus

Initiative ergreifen und Hindernisse der Marktentwicklung aus dem Weg schaffen

Alnatura ist ein aktives Unternehmen. Viel Initiativkraft ist wahrnehmbar. Vor zwei Jahren wurde zum Beispiel die Alnatura Bio Bauern Initiative (ABBI) gegründet – ein langfristiges Projekt, das dem Umstand Abhilfe schaffen soll, dass zu wenig Bauern auf den ökologischen Landbau umstellen und die Nachfrage nach Bio seit Jahren stärker wächst als das Angebot. „Es macht nur wenig Sinn, auf der einen Seite den Absatz durch neue Läden und attraktive Angebote zu pushen und auf der anderen Seite nicht dafür zu sorgen, dass ausreichend Ware da ist und den Bio-Bauern eine sichere Existenz ermöglicht wird“, erklärt Rehn. ABBI soll Bauern für den Bio-Landbau motivieren und sie bei der Umstellung und Vermarktung ihrer Produkte unterstützen. Derzeit werden 25 Höfe (3600 ha) umgestellt, die ersten Produkte aus diesen Projekten sind auf dem Markt. Jährlich bewerben sich neue Höfe, aus denen ein Fachgremium unter Leitung von Prof. Vogtmann unter dem Dach des NABU die förderwürdigen Höfe auswählt. Alnatura hat weitere Initiativen gestartet und will damit Signale setzen für mehr Bioerzeugung.

Der Garten in Bickenbach und das Unternehmensgebäude

Initiative ergreifen

Mit eigenen Projekten will Alnatura die Bio-Lebensmittelwirtschaft stärken. Vor zwei Jahren gründete das Unternehmen die Alnatura Bio Bauern Initiative (ABBI) – ein langfristiges Projekt, das mehr Bauern dazu bewegen soll, auf Bio umzusatteln. „Wir können nicht auf der einen Seite den Absatz durch neue Läden und attraktive Angebote pushen, ohne dafür zu sorgen, dass ausreichend Ware da ist und Bio-Bauern eine sichere Existenz haben“, erklärt Rehn. ABBI unterstützt Landwirte bei der Umstellung und Vermarktung ihrer Produkte. Derzeit werden laut Rehn 25 Höfe (3600 ha) umgestellt, die ersten Produkte aus diesen Projekten seien auf dem Markt. Jährlich würden sich neue Höfe bewerben, aus denen ein Fachgremium unter dem Dach des NABU die förderwürdigen Höfe auswählt.

 

Götz Rehn im Garten bei Alnatura in Bickenbach

Eine weitere Initiative sind die Hühnermobile. Drei davon stehen im Ökodorf Brodowin. Vier Eier aus dieser Produktionsweise werden regional für 2,19 Euro verkauft. In der Nähe von Hamburg entstehe eine ähnliche Initiative mit der Zweitnutzungsrasse Les Bleus, von der auch die männlichen Küken aufgezogen werden. „Wenn wir den Kunden am konkreten Projekt einen Sachverhalt erklären, können wir die Ware auch zu einem höheren Preis absetzen“, so Rehn.

 Fühltöpfe: Erfahrungsfeld in der Lobby

 

Andere Beispiele sind das Lager aus heimischen Hölzern in Lorsch oder der geplante Alnatura Campus in Darmstadt in Lehmbauweise. „Solche Projekte sind auch immer mit Risiken verbunden und es bedarf eines gewissen Mutes, wenn man Dinge tut, die es vorher so nicht gab.“ Der Anspruch sei nicht nur, Bio zu machen, sondern sinnvoll zu wirtschaften und auf allen Ebenen nachhaltig zu sein. Im Unterschied zu Händlern oder Herstellern, die mit einem traditionellen Wirtschaftsmodell arbeiten, sei das Bemühen von Alnatura eher ein soziales Experiment, ein Modellunternehmen für „anders wirtschaften“.

„Wenn wir diese ungewöhnlichen Innovationen nicht mehr haben und als Gesellschaft nur noch auf das Erhalten, Stabilisieren und Festhalten von dem was ist, konzentriert sind, wird es schwierig“, befürchtet Rehn. „Wirtschaften heißt für mich, nicht immer das gleiche zu machen, sondern das, was notwendig ist“. Und die Aufgabe eines Bio-Unternehmers sei es, mehr Menschen Bio-Produkte zugänglich zu machen.

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Kommentar von Matthias Merholz |

die Kunden. „Kundenorientierung sollte bei allem was wir tun der Maßstab sein“, sagt Götz Rehn. Und:
Die Kunden seien Arbeit- und Kapitalgeber für sein Unternehmen: „die Arbeitsgemeinschaft Alnatura“, wie er sie
Das sagt er und versteht die Sache aber nur halb.
Die Kunden wissen wenig davon, was alles nötig ist, bis ein Produkt in Ihrem Einkaufskorb liegt. Das ist ein Manko. Denn diejenigen Menschen, die bewusste Entscheidungen treffen wollen und können, welche Erzeugnisse sie erwerben und verzehren, solche Menschen sind es, die unseren Biolandbau überhaupt entstehen lassen konnten und erhalten. Bewusste Entscheidungsfähigkeit! Das Gute zu kennen und danach zu handeln, das ändert die Welt.
Wenn wir also "nur" den Willen unserer Kunden erfüllen sollen, also das anbieten, was dem Menschen behagt und er aus Behaglichkeit und Einfachheit und Bequemlichkeit zu sich nehmen möchte, dann haben wir das erreicht, was die gesamte Handelstätigkeit in der Vergangenheit tat. Kundenwünsche erfüllen, nach Bequemlichkeit, Gier, (Billigstpreise, Verpackungswahn) und nicht nach der Maßgabe, was die Natur uns empfiehlt und anbietet. Biolandbau ist mal dazu angetreten, aus natürlichen Zusammenhängen zu handeln, also zu erzeugen und auch zu ernähren. Das darf sich konsequent weiterentwickeln, dazu gehören auch Rückschritte oder Fehlentwicklungen, aber es gehört Aufrichtigkeit und Maßgabe dazu. Also, nicht ALLEIN der Kundewille entscheidet. Wir sollten es leisten, dem Kunden die Vor- und Nachteile einer freien Wirtschaft aufzuzeigen.
Ich entdecke nicht, dass die großen Vermarkter das tun. Alnatura etwa? Milch im Tertapak, pseudo- Milch. „länger haltbar“ und viele obskure Artikel im Sortiment.. soll das zukunftsweisend sein?


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