Anzeige

organic-market.info | Mediadaten | Impressum | Datenschutz

Tradin baut Sourcing in Afrika aus

von Redaktion (Kommentare: 0)


Das holländische Unternehmen gehört zu den weltweit führenden Händlern für Bio-Rohstoffe und Grundstoffe. Tradin Organic Agriculture B.V. setzt seit drei Jahrzehnten auf eigene Projekte in aller Welt. Ziel: Jeglichen verfügbaren Bio-Rohstoff in höchstmöglicher Qualität bieten und den Wunsch der Kunden nach Rohstoffen zu fairen Preisen befriedigen. Die Bauern in den Anbauländern kommen dabei ebenfalls nicht zu kurz. In Afrika werden seit einigen Jahren in diversen Ländern Projekte aufgebaut. In Äthiopien folgt einem Kaffee- nun ein Sesam Projekt. (Bild: Junger Sesambestand)
„Angefangen hat das Engagement von Tradin in Äthiopien vor ungefähr fünf Jahren“, erzählt Precious Mugazda (Bild), Projektleiterin für die Amsterdamer Firma im ostafrikanischen Land. Die ehemalige Tradin-Schwesterfirma Trabocca B.V. begann 2005 mit einem Kaffee-Projekt in den berühmten Anbauregionen Harar, Sidama und Yirgacheffe im äthiopischen Hochland im Süden des riesigen Landes (mehr als dreimal so groß wie Deutschland, rund 70 Mio. Ew.). Der ersten Ernte der Kaffeebohnen gingen Schulungen und die Zertifizierung der Kleinbauernbetriebe voraus. Zudem wurde mit Hilfe der niederländischen Regierung die entsprechende Infrastruktur, Trocknung, Reinigung und Lagerung aufgebaut. Trabocca-Chef Menno Simons kümmert sich um die weltweite Vermarktung der bio- und fairtrade-zertifizierten Kaffees. Das Trabocca-Kaffee-Projekt hat sich hervorragend entwickelt. Nach Auskunft von Heiko Grobecker, Tradin Deutschland, sind rund 1500 Kleinbauernbetriebe in das Projekt involviert. „Die Familien sowie Saisonarbeiter mit ihren Familien, insgesamt rund 30.000 Menschen, profitieren von dem Projekt“, erklärt er.

Mittlerweile haben sich die Besitzverhältnisse bei der niederländischen Firmengruppe geändert: Sowohl das Traditions-Unternehmen Tradin als auch Trabocca gehören nun zur kanadischen Firmengruppe SunOpta (wir berichteten), die erstmals in Europa investiert hat. Die unveränderte Geschäftsführung bei Tradin durch Wim Rabbie und Gerard Versteegh hat sich jedoch weitgehende Handlungsfreiheit erhalten. Weil das Kaffee-Projekt so erfolgreich verläuft und weil Tradin bereits auf Markterfahrung sowie einen qualifizierten Personalstamm in Äthiopien zurückgreifen konnte, wurde vor etwa zwei Jahren überlegt, ein weiteres Rohstoff-Projekt im ostafrikanischen Land aufzulegen.

„Die Wahl fiel aus mehreren Gründen auf Sesam“, erläutert Heiko Grobecker. „Äthiopien hat ausgezeichnete milde Sesamsorten.“ Der Humera-Typ (Bild) ist groß, weiß, mit süßem Aroma. "Alle Japaner versuchen, äthiopischen Sesam zu bekommen, weil es sich um Topqualität handelt“, so Grobecker. Andererseits, und das sei der vielleicht noch wichtigere Grund, habe man in der Vergangenheit zum Teil große Schwierigkeiten mit der Sesamqualität aus den bisherigen Lieferländern gehabt. Nicht selten habe es Probleme mit Rückständen gegeben. Häufig rühre das von der Lagerhaltung her, wo gegen Schädlinge begast wird. Ein weiterer kritischer Punkt beim Sesam sei die Reinigung . „Wir wollen 99,95 % saubere Ware erreichen. Was wir bekamen und bekommen, liegt meist weit darunter und macht uns Probleme“, so Grobecker. „All diese Faktoren führten uns zur Entscheidung, ein eigenes Sesam-Projekt zu starten. Hier können wir Lösungen für die Schwierigkeiten finden.“ Neben dem Anbau wird auch die Verarbeitung in Äthiopien stattfinden.

Nächster Schritt nach der grundsätzlichen Entscheidung und der Recherche für geeignete Standorte in Äthiopien: Tradin bewarb sich für ein Partnerprojekt in einem Entwicklungsprogramm der niederländischen Regierung -  und, bekam den Zuschlag. Mit finanzieller Unterstützung aus dem Entwicklungsprogramm entstand die Joint-Venture-Firma Selet in Äthiopien und das Sesamprojekt. Tradin Organic Agriculture B.V. und die äthiopische Firma Kaleb Services Farmer´s Houses PLC sind Partner dieses Zusammenschlusses, wobei sich Tradin mit 35 % für eine Minderheitsbeteiligung entschieden hat. Sogar der äthiopische Staat ist an dem Projekt beteiligt: Er hat Land für den Sesamanbau zur Verfügung gestellt. Die Anbauer im Distrikt Humera, in der nordwestlichen Region Tigray, liefern ihre Ernten in die Fabrik von Selet, nach Addis Abeba, wo etwa 50 Angestellte die Weiterverarbeitung wie das Reinigen und Schälen übernehmen. Für den schwierigen Prozess des Schälens kommt eine neue Technologie zum Einsatz, das Trockenschälen. „Mit der Verarbeitung vor Ort gewährleisten wir die Wertschöpfung im Land. Außerdem ist es uns ein Anliegen, Kompetenz sowohl auf dem landwirtschaftlichen Level als auch in der Verarbeitung aufzubauen, um Topqualität zu garantieren“, erklärt Grobecker. (Bild: Projektmanager Cor Jan Zee mit Anbauern)

Das Management für die derzeit 500 Kleinbauern liegt in den Händen von Cor Jan Zee, einem Holländer, der schon lange Landwirtschaft in Afrika (Zimbabwe) betreibt und nun das Projekt in Äthiopien mit aufbaut. Ein weiterer niederländischer Staatsbürger, Roel Engelen, ist für die Fabrik zuständig. Schon bis 2010 soll die Zahl der Bauern auf 1500 steigen. „Die Kleinbauern der Region haben große Erfahrung im Sesamanbau. Sie haben es auch bislang schon nahezu ohne synthetische Dünge- und Spritzmittel geschafft“, berichtet Precious Mugazda. Das Problem sei bislang mehr die Behandlung nach der Ernte gewesen. „Hier setzen wir an, beraten und schulen die Bauern (Bild) und entwickeln so sowohl die Anbaumethode als auch die Verarbeitung weiter“, so die 28-jährige Agraringenieurin, die ursprünglich aus Zimbabwe kommt. Vor drei Jahren hat sie angefangen, für Tradin zu arbeiten. Sie sagt, die Bauern würden schnell einsehen, dass bessere Qualität zu besseren Preisen und mehr Lebensstandard führt. Die erste Ernte ungeschälter Sesam ging diesen März per Schifffracht nach Holland, nach Fertigstellung der Fabrik in Addis Abeba, im Sommer, sollen die geschälten Qualitäten folgen. „Die Proben sind bereits in europäischen Laboren untersucht und für gut befunden worden“, erzählt Heiko Grobecker. „Soweit, so gut. Wir sind auf dem richtigen Weg“.

Im Distrikt Humera gibt es eine Anbausaison für Sesam pro Jahr, weiß Precious Mugazda. Der Norden, an der Grenze zum Sudan, sei sehr heiß und trocken (Bild links), was optimal für den Anbau von Sesam ist, zumal zur Aussaatzeit, Anfang des Jahres, genügend Feuchtigkeit (Bild rechts unten)zum Keimen und Wachsen vorhanden ist. Aber nach der Ernte ist wegen der Trockenheit keine zweite Aussaat möglich. Die Kultur benötigt nur eine Vegetationszeit von 90 Tagen. Derzeit ernten die Bauern rund 500 kg vom Hektar, während in anderen Anbaugebieten das Doppelte üblich ist. Das soll sich durch die Verbesserung der Anbaumethoden und Trainings ändern. Mugazda hebt noch einen anderen positiven Effekt des Sesam-Projektes hervor: Er bietet den Menschen in den dünn besiedelten Low-Lands Erwerbsmöglichkeiten und unterstützt die Regierung bei ihren Plänen, Bewohner des Hochlandes dort anzusiedeln. Zur Erntezeit braucht das Projekt bereits jetzt etwa 3000 Saisonarbeitskräfte, da eine zügige Ernte wichtig ist. Denn überreifer Sesam fällt zu Boden und ist verloren.

„Im ersten Jahr erwartet Selet eine Ernte von 2000 t. Die Kapazitäten der Fabrik sind auf 10.000 t pro Jahr ausgelegt“, so Mugazda. Sesam ist in Bio-Zusammenhängen überall auf der Welt gefragt. Die Kapazitäten des Sesam-Projektes sind für die Nachfrage weltweit geplant: Europa, USA, Japan werden wohl die Hauptabnehmer werden. „Das Projekt wird in den nächsten Jahren neue Wachstumsrekorde für Tradin setzen“, ist Heiko Grobecker überzeugt. 2000 t zu handeln, sei kein Problem, aber die Vermarktung von bis zu 10.000 t, sei eine Herausforderung. „Da müssen wir mitwachsen.“ Doch eine Not, das Wachstum zu stemmen, sieht Grobecker nicht. „Die Japaner sind verrückt nach der Qualität.“

Äthiopien bietet noch viele Möglichkeiten. Als nächstes sollen Hülsenfrüchte, diverse Bohnen und Linsen in den Anbau kommen. Mungbohnen werden beispielsweise schon im Fruchtwechsel mit Sesam angebaut. Hülsenfrüchte sind traditionelle Feldfrüchte in Äthiopien, und das Land war schon einmal eine starke Exportnation dafür. Normalerweise diente in dieser Gegend Hirse als Folgefrucht auf Sesam, in anderen Gegenden ist es Mais und das äthiopische Urgetreide Tef (darf nicht exportiert werden), erklärt Mugazda. Sie hat das Sesamprojekt mit implementiert. Ihre Aufgabe ist es, für Tradin neue Projekte in Afrika zu entwickeln, nicht nur in Äthiopien. Für weitere Bohnen- und Linsensorten denkt sie zum Beispiel bereits wieder an neue Standorte und Projekte, die in Zukunft aufgebaut werden könnten.

Precious MugazdaDie junge Agraringenieurin hat sich für den Bio-Sektor entschieden, weil sie im ökologischen Anbau die Chance sieht, den Lebensstandard der vielen armen Kleinbauern und ihrer Familien zu erhöhen. Zudem ist sie überzeugt, dass die Zukunft der Welt in einer Landwirtschaft ohne Chemie liegt. Der Schritt von der traditionellen Anbauweise zur Bio-Landwirtschaft sei in Afrika in vielen Fällen klein, das Potenzial jedoch, gesünder und umweltfreundlicher zu produzieren, mit den richtigen Methoden die Erträge zu steigern sowie durch die besser bezahlte Bio-Ware das Einkommen zu erhöhen, sei groß. Das nächste bereits geplante Projekt, das Precious Mugazda für Tradin in Afrika realisieren soll, wird Erdnuss-Anbau in Sambia sein. Wegen des Bio-Baumwollbooms ist Tradin auch interessiert, sich in diesem Sektor zu engagieren. Möglicherweise ist Baumwolle als Fruchtwechselpflanze auch auf den Sesamfeldern einsetzbar.

Tradin setzt weltweit auf eigene Projekte

Das Unternehmen wurde Ende der 70er Jahre von Wim Rabbie und Gerard Versteegh gegründet und handelt ausschließlich mit zertifizierten Bio-Roh- und Grundstoffen. Das Netzwerk des Amsterdamer Unternehmens spannt sich mit eigenen Firmen von China und Thailand über Äthiopien und Serbien bis Mexiko. Außerdem gibt es Farmprojekte unter dem Management von Tradin unter anderem in Bulgarien, Ghana, den Philippinen und Vietnam. Rund 70 % der von Tradin gehandelten Ware stammt aus diesen Projekten. Allein in China sind etwa 8.000 landwirtschaftliche Betriebe und zahlreiche lokale Verarbeitungsstandorte für Tradin tätig. Die weltweite Beschaffungsstrategie garantiert eine sehr hohe Qualität und gute Verfügbarkeit sowie faire Preise ohne Zwischenhandel. Tradin konzentriert sich auf das Sourcing und den Handel und hat kein Interesse an Weiterverarbeitung, Abfüllung oder Markenpolitik. Die Vielfalt der Produkte, die Tradin anbietet, ist enorm. Sie reicht von Getreide, Saaten und Hülsenfrüchten, Ölen und Fetten über Nüsse und Trockenfrüchte aller Art bis zu Kakao, Kaffee, Zucker, Süßungsmitteln, Pürees, Säften sowie tiefgefrorenem Obst und Gemüse. Mit Büros ist Tradin neben Holland in Deutschland, Frankreich, den USA, Thailand und China vertreten.
www.tradinorganic.com

Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!



Anzeige

Anzeige