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OrganicDataNetwork: Diskussion mit Marktforschern und Behördenvertretern

von Karin Heinze (Kommentare: 0)


Im Rahmen des OrganicDataNetwork Projektes wurde der zweite europäische Workshop organisiert, der sich mit praktischen Lösungen für die Probleme bei der Erhebung von Bio-Marktdaten beschäftigte. Das Mediterranean Agronomic Institute of Bari (CIHEAM-IAMB) in Valenzano war am 10. und 11. Juli 2014 Tagungsort für die Veranstaltung. Der Workshop war der letzte von zwei Treffen, die organisiert wurden, um Experten für Datenerhebung aus der EU, aus EU-Kandidatenstaaten und EFTA-Staaten zusammenzubringen. Eingeladen waren vor allem Vertreter von Ministerien, statistischen Behörden und Marktforschungsinstituten aus ganz Europa und aus außereuropäischen Staaten. 
Bild: Rund 30 Teilnehmer aus 20 Ländern beschäftigten sich beim OrganicDataNetwork-Workshop in Valenzano/ Bari mit der Methodik der Datensammlung zu den Bio-Märkten in Europa Das Projekt erreicht nun seine letzte Stufe und die Arbeitsgemeinschaft arbeitet intensiv daran, den "Code of Practice for the Initiation and Maintenance of good Organic Market Data Collection and Publication Procedures" (OrMaCode), zu erstellen. Dieser wird auf dem IFOAM World Congress von 13.-15. Oktober 2014, in Istanbul, präsentiert. Beim ersten Workshop, der am 13. März 2013, am Organic Research Center Elm Farm, Newbury, Großbritannien, stattgefunden hatte, waren die Probleme bei der Datensammlung im Bio-Markt identifiziert worden (wir berichteten). Der jetzige, zweite Workshop konzentrierte sich auf das Finden praktischer Lösungen für diese Probleme z.B. Maßnahmen zur Verbesserung der Datenqualität und die Entwicklung von Modellen zur Implementierung von Methoden zur Sammlung von Bio-Marktdaten. Der Workshop wurde von der Università Politecnica delle Marche, Italien, dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Schweiz und dem Mediterranean Agronomic Institute of Bari (IAMB) organisiert.

Neben den Vertretern der 15 beteiligten Projektpartner waren zum zweiten Mal Vertreter des Bio-Marktdaten-Sektors zu diesem Workshop eingeladen worden, um ihre Erfahrungen einzubringen und die Ergebnisse des OrganicDataNetwork-Projektes zu diskutieren. Die anderthalb Tage beim Gastgeber, dem Mediterranean Agronomic Institute of Bari (CIHEAM-IAMB), in Bari, dienten auch dem gegenseitigem Kennenlernen und dem Erfahrungsaustausch mit europäischen Datenexperten. Sie boten eine einzigartige Gelegenheit zum Netzwerken und um eine künftige Plattform für einen Informationsaustausch zu schaffen. Aus Brüssel war als offizieller Vertreter der Generaldirektion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (DG Agri) Ivica Karas angereist, um sich ein Bild vom Fortgang des EU-Projektes und den Problemen bei der Datenerfassung im Bio-Sektor zu machen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Marco Schlüter, Leiter der IFOAM-EU-Gruppe in Brüssel. (Bild: Im Plenum erhielten die Teilnehmer viele Informationen über die bisher erarbeiteten Fakten und Lösungsansätze)

Vor allem Vertreter von Ministerien, Behörden, aus der Marktforschung und von Organisationen des Bio-Sektors  nahmen an dem zweiten und letzten Workshop teil. Es kamen Vertreteter aus rund 20 Ländern, unter anderem aus den skandinavischen und baltischen Staaten (Finnland. Norwegen, Schweden, Estland, Litauen), aus Großbritannien, Frankreich, Belgien, Österreich, Deutschland, der Schweiz, Polen, Tschechien sowie aus Albanien, Bulgarien Libanon, Marokko, Tunesien, der Türkei und natürlich dem Gastgeberland Italien. Viele Länder sind hauptsächlich Exporteure von Bio-Produkten und haben ein Interesse daran, die starken Bio-Märkte in der EU besser einschätzen zu können. Aber auch die Daten zur Entwicklung beispielsweise der Bio-Flächen und die Verfügbarkeit von Produkten sollen den Marktteilnehmern aus allen Ländern schneller und aktueller zugänglich gemacht werden, um den Handel zu beleben. Die Vertreter wiesen in ihren Beiträgen besonders auf die Probleme mit der bisherigen Datenaufbereitung hin. (Bild: Tagungsort war das renommierte Institut für mediterrane Agrarwissenschaft, das sich auch mit Fragen des Öko-Sektors beschäftigt)

Insgesamt geht es dem Projekt OrganicDataNetwork darum, die Transparenz des Bio-Lebensmittelmarktes zu verbessern und mit einheitlichen Methoden mehr Transparenz und Aktualität herzustellen, aber auch darum, die Bio-Märkte international mit harmonisierten Daten aus verlässlichen Quellen besser darzustellen. Weitere wichtige Ziele sind der Aufbau einer langfristigen Zusammenarbeit bei der Datensammlung und –analyse mit der Zielsetzung, den Wettbewerb fairer und letztendlich auch für die Verbraucher transparenter zu machen. Das vorrangige Ziel des Workshops war, das Handbuch mit Verhaltensregeln weiter zu verbessern, das Datensammlern bei ihrer Arbeit helfen soll. Außerdem wurde diskutiert wie der Informationsaustausch zwischen den Datensammlern nach dem Ende des Projektes weitergehen kann. Es fand auch ein Übungsseminar zur statt OrganicDataNetwork-Datenbank statt.

(Video: Interview mit Prof. Dr. Raffaele Zanoli zum Status quo und zu den Perspektiven des ODN)


Neben Vorträgen einzelner Projektpartner zu den erreichten Ergebnissen gab es vier Stationen mit sehr konkreten Fragestellungen zu den Themen "Institutionelles Umfeld", "Statistische Methodik 1 und 2" und "Statistischen Ergebnissen". Alle Teilnehmer durchliefen an den beiden Tagen die vier Gruppen und brachten dort ihre Fragen und Vorschläge ein. Sowohl die Projektpartner als auch die unabhängigen Teilnehmer zogen ein positives Fazit. „Unsere Idee war, Erfahrungen und Meinungen zu sehr konkreten Fragen, an denen wir im Projekt gearbeitet haben, von diversen Marktteilnehmern einzuholen. Das ist aus meiner Sicht gut gelungen, und gleichzeitig konnten wir Multiplikatoren mit unserem Projekt bekannt machen“, resümiert Michal Lošták von der Czech University of Life Sciences Prague (CULS), Faculty of Economics and Management, Prague. Projektpartner Burkhard Schaer, Ecozept, Frankreich, (Bild oben: Workshop-Leiter) plädierte dafür, Daten, die bereits erfasst werden, aber auf den Festplatten von PCs und in Datenbanken schlummern, für die Analyse verfügbar zu machen. Voraussetzung dafür sei zum einen eine harmonisierte Erfassung, zum anderen aktuellere Veröffentlichungszeiten und vor allem ein Dialog zwischen den Datensammlern.
(
Bilder: Die Teilnehmer brachten sich an vier Stationen ein)

Helga Willer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FibL, Frick/ Schweiz hat viel Erfahrung mit dem Sammeln von Daten, weil sie jährlich die weltweiten Bio-Landwirtschaftsdaten erhebt und zusammenstellt. Sie war sehr zufrieden mit der Tagung: „Wir sind durch diesen zweiten Workshop einen großen Schritt weitergekommen. Es ist enorm wichtig, die Fragen der Akteure aus verschiedenen Zusammenhängen zu berücksichtigen. Sie werden in unser finales Konzept Eingang finden. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis dieser beiden Tage.“

Für Martin Timmermann vom Rohstoffportal Organic Trade Exchange otx, Deutschland, war die Teilnahme am Workshop wertvoll, wie er sagt: „Neben dem immer nützlichen Networking war es für mich wichtig, einzelne Aspekte der harmonisierten Datensammlung und -auswertung kennenzulernen, da ich selbst viel mit Daten arbeite. Mir wurde klar, wie wichtig eine gemeinsame Methodik ist. Das bringt die Bio-Branche weiter.“ Auch Karin Lösch von der Kommunikationsberatung Klaus Braun, Deutschland konnte Erkenntnisse und Inspirationen von der Tagung mit nach Hause nehmen. (Bilder: Intensive Arbeit und entspanntes Networking beim Dinner)

Projektkoordinator Raffaele Zanoli von der Università Politecnica delle Marche in Ancona fasste zum Ende der Veranstaltung den Status Quo und die weiteren Perspektiven der Tagung zusammen: „Mit einem kleinen Budget haben wir einiges erreicht. Wir haben uns mit wichtigen Detailfragen beschäftigt und konnten sogar eine Reihe von Nicht-EU-Ländern in Fragestellungen zur Entwicklung der Methodik einbeziehen. Nun geht es darum, die Methodik anzuwenden und weiterzuentwickeln sowie die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet in langfristige Kooperationen umzuwandeln.“
(Bild v.l.: Ivica Karas von der Europäischen Kommission DG Agri im Gespräch mit Prof. Dr. Raffaele Zanoli, Università Politecnica delle Marche und Marta Romeo von SINAB, dem italienischen Informationssystem für Öko-Landbau)

Auf dem IFOAM Weltkongress im Oktober in Istanbul wird das Projekt ausführlich dargestellt werden. Bis dahin wird auch das Webportal zum OrganicDataNetwork mit Daten zu den Bio-Märkten in der EU gefüllt und abrufbar sein sowie der Leitfaden OrganicMarketCode (OrMaCode) und das Handbuch mit Grundsätzen zur Datenerhebung. Offiziell werden die Ergebnisse bei der EU-Kommission in Brüssel vorgestellt, und auch auf der BioFach 2015 wird es Gelegenheit geben, die Ergebnisse bekannt zu machen. (Bild v.l.: Martin Cottingham, Soil Association, Großbritannien, im Gespräch mit Marco Schlüter, IFOAM-EU-Gruppe,  Brüssel.

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