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Naturkosmetik made in Brasilien

von Karin Heinze (Kommentare: 0)



Brasilien ist reich an Land und an Natur. Der flächenmäßig fünftgrößte Staat der Erde besitzt verschiedenste Klimazonen und eine enorme Biodiversität. Das macht Brasilien nicht nur zu einem großen Exporteur von landwirtschaftlichen Produkten, sondern auch zu einem wichtigen Lieferanten für Kosmetik-Rohstoffe und zur Heimat von international aktiven Unternehmen im Bereich Pflanzenkosmetik. Neben den dominierenden naturnahen Marken erfreuen sich immer mehr Firmen, die zertifizierte Naturkosmetik herstellen, einer wachsenden Nachfrage. Karin Heinze traf Jens Schmitt, der in Brasilien gemeinsam mit seinen Partnern von Labophyto Italien Bio-Make-up und zertifizierte dekorative Naturkosmetik für Binnenmarkt und Export produzieren will. (Mit Video-Interview)

Bild: Brasilien gehört zu den Ländern mit der weltweit größten Biodiversität. Eine ganze Reihe exotischer Pflanzen werden in Naturkosmetik verarbeitet
In der Naturkosmetik-Branche ist Jens Schmitt schon lange tätig: Als Exportleiter und dann als Geschäftsführer hat er viele Jahre die Firma Alva begleitet. Doch er hat auch vielfältige Beziehungen zu Brasilien, spricht die Sprache perfekt und hat seine Frau hier kennengelernt. Die Möglichkeit, den sich gerade recht dynamisch entwickelnden Naturkosmetik-Markt mitzugestalten und hier Akzente zu setzen, hat ihn gereizt.

(Bild: Deutsche Naturkosmetik-Marken in einem Bio-Fachmarkt in Florianopolis)


Mit seiner Familie ist Jens Schmitt nach Palhoça bei Florianopolis im Bundesstaat Santa Catarina gezogen. Im nahen, auf Nachhaltigkeit ausgelegten Gewerbegebiet hat er eine neu erbaute Halle (800 m2) gepachtet. Hier werden im Laufe des Jahres die Maschinen und Abfüllanlagen aufgebaut. Im Herbst wird die in Brasilien eingetragene Firma LabPhyto, die er zusammen mit seinen italienischen Partnern Andrea und Stefano Tunesi gegründet hat, beginnen, zertifizierte Naturkosmetik, Make-up und Deko-Kosmetik für Marken und private Label herzustellen. Gespräche mit Interessenten und Zertifizierern finden bereits statt.
(Bild: Brasilien ist ein Land der vielen Möglichkeiten. Die moderne Stadt Palho
ça ist der Firmensitz des neu gegründeten Naturkosmetik-Herstellers Labphyto Brasil) 

„Hier in Brasilien sehe ich eine Menge Potenzial für zertifiziertes Natur-Make-up und dekorative Naturkosmetik“, erklärt Schmitt. Zusammen mit dem italienischen Mutterunternehmen LaboPhyto will Schmitt einen Full Service anbieten. Der große Erfahrungsschatz von Andrea und Stefano Tunesi, LaboPhyto Mailand, ist dabei die beste Referenz. Sie produzieren unter anderem für die französische Deko-Kosmetikmarke Couleur Caramel und die russische Marke Natura Siberica. Der Service von LabPhyto Brasilien wird von Markenberatung und individuellen Formulierungen nach Wunsch über Herstellung, Abfüllung und Konfektionierung bis zur Auswahl und Beschaffung der Verpackung reichen. Schmitt möchte damit z.B. den bio-engagierten filialisierten Lebensmitteleinzelhandel wie Pão de Açúcar (wir berichteten) oder die lokale Kette Hippo in Florianopolis überzeugen, dass die Zeit reif ist, das Bio-Lebensmittelangebot durch eigene Handelsmarken für Naturkosmetik-Make-up zu ergänzen. (Bild: Der Supermarkt Hippo in Palhoça führt viele Bio-Produkte und legt Wert auf Nachhaltigkeit. Ein Bio-Kosmetikangebot fehlt noch)




Der brasilianische Markt für kontrollierte Naturkosmetik und vor allem naturnahe Kosmetik hat laut Kline & Company Marktforschung einen Anteil von rund 18 % am weltweiten Umsatz von ca. 29,5 Mrd. US-Dollar (2013). Das Interesse an echter Naturkosmetik und die Nachfrage sind in Brasilien zweifelsohne vorhanden und seit einigen Jahren auf Wachstumskurs. Das zeigt der Erfolg diverser Marktakteure in diesem Bereich. Die junge Unternehmerin Ananda Boschilia e Santos importiert seit 2010 die deutsche Naturkosmetik-Marke Alva nach Brasilien und vermarktet sie  mit überwältigendem Erfolg. In den Jahren 2010 bis 2012 wuchs Alva Brasil 180 %. Die Produkte werden über den eigenen Online-Shop und im stationären Handel verkauft. Mit viel Enthusiasmus, aktiver Pressearbeit und Aktivitäten in den sozialen Medien  hat Ananda (26) die Marke in kurzer Zeit bekannt gemacht. Da die Vegetarier- und Veganer-Bewegung auch in Brasilien sehr stark ist, kommt die Ecocert- und vegan-zertifizierte Marke aus Deutschland gut an.
(Bild oben: Webshop von Alva Brasil. Die Tochterfirma von Alva Deutschland wird sehr erfolgreich von Ananda Boschilio e Santos geführt und bietet die einzige zertifizierte Deko-Naturkosmetik in Brasilien an)

Herbia heißt die Marke, die Sebastian Schlossarek und Rafael Krause seit wenigen Jahren in Brasilien aufbauen. Gestartet sind sie mit dem Anbau, der Verarbeitung und der Forschung zu Aromapflanzen. Das daraus entstandene Unternehmen für Naturkosmetik und ätherische Öle in der Nähe von Joinville im Bundesstaat Santa Catarina entwickelt sich sehr gut. „Brasilien ist der beste Markt für Naturkosmetik, den man sich derzeit vorstellen kann“ schwärmt Sebastian Schlossarek. Die Produkte von Herbia und die Importmarken Natracare und Wiona (Windeln) sind derzeit im stationären Handel (Drogerien) und online zu haben. „Sowohl die Auswahl an Markenprodukten aus Europa wie die Zahl der brasilianischen Geschäftspartner soll ausgebaut werden, denn Produkte aus Europa sind hier supergefragt“, so Schlossarek.
(Bild: Herbia-Stand auf der Bio Brazil/ BioFach America Latina in Sao Paulo)

Von den brasilianischen Naturkosmetik-Herstellern sind die Firmen Surya, Ikove und Cativa Natureza am bekanntesten. Clélia Angelon, Gründerin und Geschäftsführerin von Surya, hat es in nicht einmal zehn Jahren geschafft, ein weltweit agierendes Unternehmen aufzubauen. Die Firma begann 1995 mit Henna-Produkten und ist in diesem Bereich heute Marktführer in Brasilien. Die Range wurde ausgebaut und umfasst heute Ecocert-zertifizierte Gesichts-und Körperpflege sowie Männerpflege.
(Bild: Neben dem Schwerpunkt Haarpflege bietet Surya Körperpflegeprodukte mit Rohstoffen aus dem Amazonas an)

Ikove Organics, gegründet 2002, ist ebenfalls international vertreten (Video) und gehört seit 2012 zum ursprünglich italienischen Unternehmen Poli Oléos, einem Rohstofflieferanten von Pflanzenölen und Presskuchen für die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie. In Brasilien ist Poli Oléos spezialisiert auf Öle aus dem Amazonas, die auch die Marke Ikove prägen. Fabio Magnani, der seit rund 15 Jahren in Brasilien lebt, ist Inhaber der beiden Firmen. Wichtiger und international bekanntester Lieferant für Rohstoffe ist die Firma Beraca (wir berichteten). 
(Bild: Messe-Präsentation der Ikove-Produkte)

Sehr aktiv im brasilianischen Markt ist die Firma Cativa Natureza: Hersteller zertifizierter Naturkosmetik und Betreiber der ersten Naturkosmetik-Ladenkette in Brasilien. Entstanden in Curitiba, wo 2008 das erste Geschäft eröffnete, sind in den vergangenen sechs Jahren elf weitere Shops in verschiedenen Städten des Landes entstanden, und das Sortiment wurde auf rund 100 Produkte erweitert. Produziert wird Cativa Natureza seit 2007. "Seit etwa drei Jahre wächst die Nachfrage stark", sagt Geschäftsführerin Rose Becekry und freut sich, dass die Marke bereits nach Spanien und Polen exportiert wird.
(Bild: Cativa Natureza Geschäftsführerin Rose Becekry ist sehr zufrieden mit der zunehmenden Nachfrage)

Der Markt für naturnahe Kosmetik wird von zwei großen Firmen beherrscht, O Boticário und Natura Brasil. Beide haben zwar ein grünes Image, insbesondere weil sie sich für Umweltschutz und Nachhaltigkeit engagieren (Stiftungen), doch entsprechen die Formulierungen kaum den Anforderungen zertifizierter Naturkosmetik. Beide Firmen sind sowohl fest in Brasilien verankertum  als auch international gut aufgestellt. Boticário ist die größte brasilianische Kosmetikfirma und das weltgrößte Franchiseunternehmen im Kosmetiksektor (lt. Wikipedia ca. 3750 Geschäfte, 22.000 Angestellte, 3,3 Mrd. USS$ Umsatz). Natura wird in erster Linie über ein riesiges Netz von ca. 1,2 Mio. Wiederverkäufern vor allem in Lateinamerika vertrieben.

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