Anzeige

organic-market.info | Mediadaten | Impressum | Datenschutz

IFOAM-Weltkongress und Generalversammlung: Inspirationen und Ergebnisse

von Redaktion (Kommentare: 0)


Der Abschlussveranstaltung des 18. IFOAM-Weltkongresses in Istanbul, am 15. Oktober 2014 wohnten rund 350 Kongressteilnehmer bei. IFOAM- Geschäftsführer Markus Arbenz zog ein positives Resümee. Gleichzeitig forderte er jedoch zum Ende des zweitägigen internationalen Events, dass Bio- Produkte in Zukunft für alle verfügbar sein sollen. Auch die Hauptredner, der Landwirtschaftminister Bhutans und der Sekretär der IFAD zeigten Perspektiven auf. An den Kongress schloss sich die zweitägige Generalversammlung mit wichtigen Entscheidungen und den Wahlen zum Vorstand und für das Amt des IFOAM-Präsidenten an. Sehen Sie auch die Video-Interviews mit Heike Kirsten, Rapunzel und Gebhard Rossmanith, Bingenheimer Saatgut AG.

Bild: Ein Teil der über 800 Teilnehmer des IFOAM-Weltkongresses versammelte sich für ein Gruppenfoto vor dem Istanbuler Kongresszentrum
Zum Ende des IFOAM-Weltkongresses (wir berichteten) hob Geschäftsführer Markus Arbenz die positiven Entwicklungen im Bio-Sektor hervor. Er unterstrich jedoch auch die Forderung nach Ernährungsicherheit für die Weltbevölkerung mit gesunden Nahrungsmitteln aus nachhaltiger, biologischer und fairer Erzeugung mit konkreten Vorschlägen: Lokale Produktionseinheiten, kurze Transportwege und innovative Methoden in der Landwirtschaft seien der Schlüssel zu einer guten regionalen Versorgung, die faire Preise ermögliche. (Bild: Das Publikum folgte der Abschlussveranstaltung aufmerksam)

An die Politik adressiert sagte er, es sei notwendig und an der Zeit, dass endlich alle Umweltkosten, die durch die konventionelle Industrie erzeugt werden, auf die Preise der Nahrungsmittel umgelegt werden. Dann erst würden Preise vergleichbar, und Bio-Produkte würden nicht mehr als elitär wahrgenommen. Bhutans Landwirtschaftsminister Lyonpo Yeshey Dorji berichtete über die Anstrengungen des Königreichs, den Anbau bis 2020 100% biologisch zu gestalten. Das bhutanische Projekt, das Bruttosozialprodukt am Glück der Einwohner zu messen, ist weltweit bekannt. Der Schritt, die Landwirtschaft einem umfassenden Wandel zu unterwerfen, ist hingegen weniger geläufig, findet in der Bio-Bewegung bzw. in indischen Bundesstaaten jedoch bereits Nachahmung – beispielsweise in den südlichen Bundesstaaten Kerala und in Karnataka und im Norden in Sikkim.

Rasit Pertev, Sekretär der UN-Organisation IFAD (International Fund for Agricultural Development) ermunterte die Bio-Bewegung, sich noch intensiver in die politische Arbeit einzubringen und mehr Lobbying zu betreiben. Außerdem forderte er, die Bio-Zertifizierung kostenfreundlicher für Kleinbauern zu gestalten, dann würde er sich keine Sorgen über die Zukunft der Bio-Bewegung machen. "Wir müssen fortfahren, das Konzept Bio 3.0 weiterzuentwickeln und umzusetzen", sagte er. Nach zwei Tagen intensiver Diskussionen, zahlreicher Info-Veranstaltungen, einer kleinen Bio-Ausstellung und viel Networking während der Pausen ging das Treffen der weltweiten Bio-Familie, das unter dem Motto "Building Bridges" stand, zu Ende. (Bilder: Bhutan`s Landwirtschaftsminister berichtete vom ambitionierten Ziel des Landes, die Landwirtschaft bis 2020 zu 100% auf bio umgestellt zu haben. Die beiden Redner nahmen Fragen des Publikums entgegen)

(Video: Interview mit Heike Kirsten, Rapunzel)



Zur IFOAM-Mitgliederversammung (General Assembly) am 16. und 17. Oktober 2014 kamen 292 Wahlberechtigte aus rund 40 Nationen im Anschluss an den Weltkongress zusammen. Nach der Begrüßung berichtete IFOAM-Präsident Andre Leu über Schwerpunkte der Vereinstätigkeit. Die Präsenz des Weltverbandes wurde insbesondere im Internet ausgebaut. Um die Außenwahrnehmung zu stärken, wird der Weltverband künftig den Namenszusatz Organics International tragen. Im Laufe des Jahres nahmen Vertreter des Weltverbandes an Veranstaltungen und Messen rund um den Globus teil.

IFOAM-Geschäftsführer Markus Arbenz gab einen Überblick über den Haushalt, der dieses Jahr voraussichtlich ein Defizit von rund 100.000 € aufweisen wird. Dazu und zur Haushaltsplanung bis 2017 gab es Diskussionen und eine Reihe von Fragen. Dank einiger großer Projekten und entsprechender Sponsoren wird das Budget voraussichtlich von derzeit 1,6 Mio. € auf der Einnahmeseite (Ausgaben 1,7 Mio. €) im Jahr 2017 auf 2,86 Mio.€ steigen, die Ausgaben auf 2,80 Mio. €.

(Bild: An den beiden Tagen der General Assembly hatten KatherineDi Matteo, USA, und Helmy Abouleish, Ägypten den, Vorsitz inne)


Insbesondere im Vergleich zur ausgesprochen positiven Entwicklung der weltweiten Bio-Märkte seien die der IFOAM zur Verfügung stehenden Mittel sehr gering, bedauerte Arbenz. Außerdem machte er darauf aufmerksam, dass zunehmend Geld von Organisationen kommt, die eine Dienstleistung dafür erwarten und der Bio-Bewegung das Geld nicht für die Vertretung ihrer eigenen Anliegen zur Verfügung stellen. Die Generalversammlung entlastete nach Klärung aller Fragen die Geschäftsführung einstimmig.
(Bild: Markus Arbenz stellte den Haushalt und die Planung bis 2017 vor)

Der neue Advocacy Manager stellte laufende und geplante Aktivitäten vor: Die Arbeit fokussierte im laufenden Jahr auf die Stärkung der politischen Arbeit im internationalen Kontext (z.B. UN) und auf die Kommunikation der Wichtigkeit der Arbeit der Familienbetriebe im Internationalen Jahr der Familienbetriebe 2014. Die Präsidenten und Vertreter der Ländergruppen berichteten von ihren Herausforderungen und Erfolgen. Die IFOAM EU-Gruppe, die mit 17 Mitarbeitern unter der Leitung von Marco Schlüter und Christopher Stopes (Bild) viele, die Bio-Branche betreffenden Entscheidungen in der DG Agri und im Europäischen Parlament zu beeinflussen hat (mehr Infos hier).
(Bild: Das IFOAM World Office und Verantwortliche von Ländergruppen)

Immer wieder bilden sich neue nationale IFOAM-Gruppen. So geschehen nach der Weltkonferenz in Südkorea, wo sich die IFOAM-Gruppe Asien konstituiert hat und bereits mit 100 Mitgliedern aufwarten kann. Ambitionierte Pläne haben auch die neu gebildete Gruppe des russisch-sprachigen Teils von Asien, eine noch junge Gruppe im Iran und eine Gruppe in Südafrika. Alle Ländergruppen haben das gemeinsame Ziel, die Bio-Bewegung weltweit zu promoten und Brücken zu bauen. Im Anschluss an die Vorstellung der neuen Ländergruppen berichteten zwei Bauern aus der Region Fukushima über ihre Anstrengungen, die Folgen der Katastrophe zu bewältigen. Der Vertreter einer Universität, der zum Thema forscht, steuerte ebenfalls einen Beitrag zu diesem Thema bei.
(Bilder: Marco Schlüter und Christopher Stopes von der IFOAM-EU-Gruppe, Thomas Cierpka, IFOAM Head Office Bonn. Die Kandidaten für das World Board stellten sich vor)

Einer der wichtigsten Tagesordnungspunkte war die Wahl des neuen Weltvorstandes (wir berichteten). Für das World Board bewarben sich 17 Vertreter aus aller Welt: Dr. M. Reza Ardakani (Iran), Marian Cioceanu (Rumänien), James Cole (Ghana), Frank Eyhorn (Schweiz), Ulrich Hoffmann (Frankreich), Matthew Holmes (Kanada), Matthew John (Indien), Andre Leu (Australien), Peggy Miars (USA), Liu Qingdong (China), Gerold Rahmann (Deutschland), Juan Pablo Sciurano (Italy), Manjo Smith (Namibia), Gabriela Soto (Costa Rica), Eva Torremocha (Spanien), Roberto Ugas (Peru) und Zhou Zejiang (China). Im neuen Board sind für die nächsten drei Jahre vertreten (Bild von links oben) Markus Arbenz, Roberto Ugas, Gabriela Soto, Zhou Zejiang, Frank Eyhorn (Vize-Präsident), Manjo Smith (Vize-Präsidentin), Eva Torremocha, Peggy Miars, Gerold Rahmann, Matthew John und Andre Leu (Präsident) (Bilder: Das neue World Board wurde von der Mitgliederversammlung gewählt, der Präsident Andre Leu vom Vorstand)

Roberto Ugas stellte die IFOAM-Strategie der nächsten dreijährigen Periode vor. In zwei wichtigen Projekten geht es um die Entwicklung von Bergregionen, die Fokusländer sind: Nepal, Pakistan, Kirgisien, Äthiopien und Peru. Beide Projekte werden von Entwickungsorganisationen finanziert. Sie gehen in eine neue strategische Richtung, die bereits während des Kongresses vielfach diskutiert wurde, nämlich über den Fokus auf 100 % Bio hinaus in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen und mit Organisationen zu kooperieren, deren Ziele mit denen der IFOAM in Einklang stehen.

Am Abend des ersten Tages der Vollversammlung stellten sich die Bewerber für die Ausrichtung des IFOAM-Weltkongresses 2017 vor: Brasilien, China, Indien und Russland. Die Wahl der IFOAM-Generalversammlung fiel am nächsten Tag auf Indien. Der nächste IFOAM Organic World Congress wird in Neu Delhi stattfinden.

(Bilder: Vertreter aus Indien, China und Russland stellten die Möglichkeiten ihrer Länder für die Ausrichtung des IFOAM Weltkongresses 2017 vor)












Insgesamt wurden während der Generalversammlun am 16. und 17. Oktober elf Anträge diskutiert und im einzelnen abgestimmt (Anträge hier). Unter anderem ging es darum, zum Jahr des Bodens 2015 mit Aktionen und Statements auf diese existentielle Grundlage der Landwirtschaft aufmerksam zu machen. Außerdem gab es einen Antrag zur Einrichtung einer Expertengruppe zu gefährdenden Pflanzenzüchtungstechniken (siehe Video-Interview) und zur Entwicklung eines Positionspapiers zu Gentechnik, um Recyclingkreisläufe und Kriterien für die Verwertung von Abfallstoffen sowie um die Öffnung für und Kontaktaufnahme zu Organisationen, die ähnliche Ziele wie die IFOAM vertreten. Die Motions 51 – 55 wurden von der Mitgliederversammlung mehrheitlich angenommen und stehen auf der Agenda des Weltvorstandes und der Organisation für die Periode bis 2017.

(Video: Interview mit Gebhard Rossmanith, Bingenheimer Saatgut AG)


Nach den Anträgen des Vorstandes hatten die Mitglieder die Möglichkeit, ihre Anträge einzubringen (Motion 61 – 67): Mit den “Motions” 61 und 62 votierte die Volllversammlung für verstärkte Aktivitäten der IFOAM zum Thema Öko-Saatgut und Züchtung, vor allem im Zusammenhang mit Gentechnik, Zellfusions- und anderen den Ökolandbau gefährdenden Züchtungstechniken. (Siehe ). Im Weiteren ging es um eine aktualisierte Stellungnahme der IFOAM zu Atomkraft und erneuerbaren Energien, der Bildung einer IFOAM-Imker-Arbeitsgruppe und der Neuordnung der Mitgliederbeiträge.


Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!



Anzeige

Anzeige