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Hofgut Hagenbach: Öko-Zentrum in Schwaben

von Redaktion (Kommentare: 0)


„Wohlfühlen und Bleiben“, heißt das Konzept von Mathias Wurche, das zunehmend mehr Verbraucher aus Backnang und Umgebung anzieht. Dabei entwickelt der 44-Jährige das 1996 übernommenem Gelände, 30 km nordöstlich von Stuttgart, immer mehr in Richtung Öko-Zentrum. Zum Bio-Supermarkt gesellen sich immer mehr ökologisch orientierte Dienstleistungen, was den Erfolg seines Konzepts ausmacht. Im Oktober soll noch ein Kochstudio auf der Galerie über dem Bio-Supermarkt mit Blick in den Laden eröffnet werden.
(Bild: Hofgut Hagenbach zieht Familien aus der weiteren Umgebung an)
Beim ersten Anblick reibt man sich verwundert die Augen und fragt: „Nanu, ein 450 m² Bio-Supermarkt mitten auf dem Land, wie kann das funktionieren?“ Immerhin kaufen im Durchschnitt 200 Kunden pro Tag in dem Markt ein, der im Jahr über eine Million Umsatz erzielt. Ein so breites Bio-Sortiment findet der Kunde in dieser Gegend sonst nur in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Besonderes Highlight im Bio-Supermarkt ist die Frischetheke mit Käse, Fleisch und Wurstwaren (Bild). Dabei kann das Käsesortiment in Qualität und Umfang durchaus den Vergleich mit einem Bio-Supermarkt in der Großstadt aufnehmen und übertrifft so manchen mit seinen 220 präsentierten Sorten. Inzwischen haben sich die Investitionen in diesen Bereich durchaus gelohnt, die Kunden honorieren Wurches Idee, sie mit einem weit überdurchschnittlichen Frischesortiment in den Laden zu locken: 19 % des Umsatzes werden inzwischen mit Käse, Fleisch und Wurst generiert.

Dabei war der studierte Betriebswirt Wurche (Bild rechts) 2006 in einer schwierigen Lage. Er hatte seit 1998 den Bio-Markt an die Bio-Kette "1000-Körner-Markt" aus Kiel vermietet. Aufgrund zunehmend schwieriger finanzieller Lage des Filialisten aus Schleswig-Holstein wurde der Markt auf Sparflamme gefahren. Die Kunden sprangen ab. Wurche war gezwungen zu handeln, bevor das Gesamtunternehmen 1000-Körner-Markt Konkurs ging. Kurz entschlossen entschied er sich, den Markt in Eigenregie zu übernehmen. Seine Idee war, mit Frische und Regionalität die Kunden wieder neu vom Bio-Supermarkt auf Hofgut Hagenbach zu überzeugen. Statt von einem bezieht er nun gleich von vier Bäckern frische Brötchen, Kuchen, Brot und andere Backwaren (Bild). Außerdem setzt er mehr auf Verbandsware, damit die Kunden über ihn die regionalen Bioland- und Demeterbetriebe unterstützen können. Insgesamt 4300 Artikel umfasst das Gesamtangebot.

Beschäftigt sind im Markt 15 Vollzeit-Mitarbeiter und Aushilfskräfte (Bild unten rechts). Marktleiter und Organisationstalent für den Eventbereich ist Volker Hardung. Im Marktleiterteam ist Manuela Giljum ebenfalls für den reibungslosen Ablauf im Laden zuständig. Nach der Übernahme des Marktes und der Entwicklung des neuen Konzepts konnte der Umsatz zwischen 2006 und Ende 2008 verdoppelt werden.

Zunehmend entwickelte sich über die Jahre ein weiteres Zugpferd auf Hofgut Hagenbach: die Gastronomie, die seit kurzem bio-zertifiziert wurde. Musikveranstaltungen, Ausstellungen (z.B. zum Öko-Landbau), Theater, Kunsthandwerkermärkte, aber auch private Feste wie Hochzeiten oder Familienfeiern ziehen jedes Jahr 40.000 Gäste hierher. Das Ambiente ist ideal. Im Sommer stehen Stühle, Tische und Sonnenschirme im 1000 m² großen Innenbereich der ehemaligen Hofreite. An der zur Landschaft hin offenen Seite ist ein Teich (Bild unten links) mit dahinter gelegener Naturquaderwand angelegt. Im Teich blühen Seerosen. „Wenn abends die Frösche anfangen zu quaken, ist das herrlich“, schwärmt Wurche. Hinter den Gebäuden springen Ziegen herum, picken Hühner im Gras und fühlen sich einige Mini-Schweine sichtlich wohl auf ihrer Weide. Ein richtiger Streichelzoo für Kinder. Hier fangen die 6 ha des landwirtschaftlichen Betriebs an, die zu Hofgut Hagenbach gehören.

Außer auf Feste und Feiern, wofür eine ehemalige Werkstatt mit 120 m² sowie ein Gewölbekeller zur Verfügung stehen, ist man in Hagenbach auch auf Seminare eingerichtet. Ein stilvoll renovierter 120 m² großer Raum steht für bis zu 110 Teilnehmer zur Verfügung und bietet von der Terrasse eine wunderbare Aussicht über die historische Ortslage von Backnang hin zum Stadtturm. Da wo früher Hühner im ersten Stock des Gebäudes ihr Leben fristeten, hören nun Seminarteilnehmer aufmerksam ihren Referenten zu. Bei der Renovierung wurden viele ursprüngliche Details und Baumaterialien berücksichtigt und wie die Holzbretter der Hühnerstallungen wieder aufgearbeitet. Rund 1000 Veranstaltungen konnten in den vergangenen zehn Jahren durchgeführt werden, schätzt Wurche, zu denen meist 50 bis 150 Menschen kommen. Bisweilen wird auch für besondere Events ein Zelt für 500 Gäste aufgestellt.

Jeweils im Juli findet beispielsweise ein Handwerkermarkt statt. Die zwei Open-Air-Konzerte (Bild) mit bis zu 500 Besuchern und die acht Indoor-Veranstaltungen des örtlichen Kulturvereins sind immer frühzeitig ausverkauft. Der Biergarten wird ebenfalls sukzessive auf bio umgestellt. Noch gibt es herkömmliches Paulaner-Bier, das Kultgetränk von Wurche. Mit den Bio-Bieren konnte er sich noch nicht so anfreunden. Dafür stehen gut 15 verschiedene Bio-Weine verschiedener Provenienzen zu Verfügung. „Zwischen Mitte April bis Ende September ziehen wir pro Jahr rund 30.000 Gäste an, weitere 1000 kommen noch über die Seminare und Tagungen hinzu“, freut sich Mathias Wurche. Trotz der großen Besucherzahl ist es Wurche gelungen, den Eindruck einer persönlichen Atmosphäre aufrecht zu erhalten.
(Bild: Blick von der Galerie in den Bio-Supermarkt)

1991 und 2005 konnte ein neues baubiologisches Gebäude (Bild rechts) an der Stelle eines 1990 durch einen Kurzschluss abgebrannten Schweine- und Rinderstalls des ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebes errichtet werden. Seither wird dort ein modernes Dienstleistungszentrum mit verschiedenen Ärzten aufgebaut. Neben dem Vater von Mathias Wurche, der hier als Chiropraktiker tätig ist, konnten noch ein Schmerztherapeut, ein Sportmediziner, eine Akupunktur- und eine Physiotherapiepraxis angesiedelt werden. Ein weiterer Dienstleister ist direkt über der Käse- und Wursttheke angesiedelt. Dort kommen täglich Kunden in den Naturfriseur Haargut (Bild unten links). Er bietet neben den üblichen Damen- und Herrenschnitten auch Haareschneiden unter freiem Himmel, Haaranalysen und Färben mit Pflanzen oder Lebensmittelfarben an. Zur Entspannung gibt es auf Wunsch eine Bürstenmassage oder eine Handmassage der Kopfhaut.
(Bild rechts: Neubau des 1990 abgebrannten Gebäudeteils)

Das Handwerk vertritt Elke Gassen. Sie fertigt in ihrer Spezialweberei Knotenpunkt individuelle Altar- und Kanzleibehänge (Paramentik), Talare, aber auch Textilkunst für den privaten und öffentlichen Raum und beliefert vom Hofgut Hagenbach aus ihre Kundschaft bundesweit.

An weiteren Ideen für Projekte mangelt es Mathias Wurche nicht. Er möchte die Eigenproduktion, die derzeit vegetarische und fleischhaltige Maultaschen, Spätzle, Dressings, Eier, Apfelsaft und Honig umfasst, künftig erweitern. Außerdem könnte sich der Öko-Unternehmer gut vorstellen, ein Bio-Hotel anzusiedeln sowie eine kleine Bio-Brauerei. Platz für Neubauten gäbe es noch genug, eine Baugenehmigung wäre auch kein Problem. Eher schon das Kapital und die richtigen Partner zu finden. Aber: kommt Zeit, kommt Rat.

Tipp: www.hofgut-hagenbach.de







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