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Future Fashion Day zeigt nachhaltige Mode

von Redaktion (Kommentare: 0)


Die studentische internationale Initiative Oikos organisierte Mitte Mai einen Future Fashion Day in Konstanz. Workshops, Vorträge, eine kleine Ausstellermesse sowie Modenschau und Party vermittelten nachhaltige Themen auf junge Art und zogen vor allem studentisches Publikum an. Der Future Fashion Day spiegelte auch die Dynamik der wachsenden Nachhaltigkeitsbewegung am Bodensee wider.  Der Future Fashion Day wurde federführend von Leyla Kazimova und weiteren Mitgliedern der Initiative Oikos im Konstanzer Kongresshaus Konzil organisiert.  
(Bild: Gute Stimmung kennzeichnete das Event)

Das vorwiegend studentische Publikum besuchte die Veranstaltung mit Workshops, Vorträgen, kleiner Ausstellermesse sowie Modenschau und Party. Unterstützt wurde der Future Fashion Day von einem neuen, grün orientierten CDU-Oberbürgermeister, der engagierten Hochschule sowie einem großen Kreis ehrenamtlich Tätiger und professioneller Einrichtungen. Die Veranstaltung war Ausdruck der dynamischen und wachsenden Nachhaltigkeitsbewegung in der Bodensee-Region.

Nur wenige der AusstellerInnen haben bereits eine GOTS- oder Bio-, respektive Fair Trade-Zertifizierung. Alle Akteure sind jedoch getragen vom Anliegen, nachhaltige Aspekte im Fashion Bereich attraktiv umzusetzen. Dies trifft auf die von der UN-Weltdekade ausgezeichnete Donaueschinger Schülerfirma Ajantha mit ihren kunsthandwerklichen Textilien aus Sri Lanka ebenso zu wie auf die transparente indische Herstellungskette für T-Shirts des pfiffigen Rheinfeldener Unternehmens 3Freunde, die z.B. ein Peta-T-Shirt mit der Aufschrift „100 % Werder, 110 % Anti-Wiesenhof“ anbieten. Hier ist die Fair-Zertifizierung (FLO) bereits vorhanden, der Bio-Begriff wird noch ohne Zertifizierungshinweis verwendet.

Ein weiteres regionales Unternehmen bringt mit der Marke be lake Textilien mit Bodenseebezug („Seesternchen“, „Bodenseeräuber“) auf den Markt und versucht, deren Wertschöpfung größtenteils in der Region zu generieren. Die Werbung gibt hier ebenfalls einen nicht-zertifizierten Bio-Hinweis, der sich aus dem Nachhaltigkeitsverständnis „fair, sozial, umweltbewusst und regional“ erschließt.
Das junge St. Galler Unternehmen einStoffen zeigte Brillen mit Holzgestell (demnächst aus Schweizer Holz) sowie die „Hemden für Helden“. Hier wird Nachhaltigkeit vor allem durch die Verarbeitung hochwertiger Materialien und den direkten Kontakt mit den Herstellern in der Türkei, Asien und Schweiz definiert.

Bei den veganen NOAH-Schuhen im italienischen Design ist auf den ersten (Laien-)Blick kaum erkennbar, dass sie aus synthetischem Material gefertigt wurden. Die engagierte Argumentation soll neben den klassischen VeganerInnen auch Menschen ansprechen, die aus umweltpolitischen Gründen die konventionelle bzw. industrielle Fleisch- und Ledererzeugung und -verarbeitung nicht mehr unterstützen wollen. So wird auf die Problematik „Food for Feed“ hingewiesen, die Umweltbelastung durch die eingesetzten Mikrofasen wird hingegen eher wenig beleuchtet. Den krönenden Abschluss der Ausstellerreihe bot das schicke Ethnohandwerk der Berliner Marke Piage der jungen Pilch-Schwestern.

Durch die finanzielle Förderung,z.B. von Stadt und Hochschule, war es möglich, drei fachlich hochkarätige Vorträge zu bieten. Der englischsprachige Vortrag der St. Galler Expertin Dr. Kim Poldner, Mitbegründerin des ersten Fair Fashion Stores in Holland "Fashioning the future" und Gründerin der Eco Fashion World, ging anschaulich und anregend auf das Paradox nachhaltiger Textilien ein. Der Labelschule der seit vielen Jahren von Konstanz aus tätigen Textilberaterin Katharina Schaus kann man weiterhin nur viele aufmerksame ZuhörerInnen (bzw. Web-LeserInnen) wünschen, seien es junge Startups oder alt erfahrene Branchenerfahrene. Die Gründerin von Sekundär-Schick, Sigrid Münzberg, zeigte auf, wie man das hausgemachte Problem „Mode macht Müll“ nachhaltig und noch dazu kreativ lösen kann. In mobilen Arbeitsstätten wird durch die TrägerInnen selbst aus ihren gebrauchten Kleidern eigene Designermode hergestellt. Die Termine dieser Gestaltungswerkstatt finden mittlerweile regelmäßig z.B. im berühmten KaDeWe in Berlin statt.

Kommentar:

Angesichts der weltweiten Empörung über die inakzeptablen Bedingungen in Textilfabriken stellen solche kleinen Veranstaltungen wichtige Bausteine dar. Veranstaltungen, bei denen transparent auf die aktuellen kritischen Themen der Textilbranche eingegangen wird, sind notwendig. Konsumenten müssen die Herstellungsbedingungen in den Fabriken und die umweltzerstörenden Anbaumethoden auf Acker und Feld vor Augen geführt werden. Es gilt, darauf aufmerksam zu machen, dass es selbst bei namhaften Öko-Anbietern im europäischen Markt Greenwashing-Tendenzen gibt, die versuchen, mit konventionellen Methoden Bio-Mode bekannter zu machen. Kim Poldner wies darauf hin, dass es darauf aufmerksam zu machen gelte, dass es selbst bei namhaften Öko-Anbietern wie Hess Natur im europäischen Markt Greenwashing-Tendenzen gäbe, die versuchen, mit konventionellen Methoden Bio-Mode bekannter zu machen. Dass es noch viel zu tun gibt, zeigt eine DPA-Meldung vom 23.05.13 zu einer Stern-Umfrage vom Mai 2013 (Forsa-Institut): Die meisten wollten keine ausbeuterische Herstellung bei Kleidung. Doch lediglich 12 % würden bei solchen Ketten ohnehin nichts kaufen, “aber 22 % würden weiter kaufen“. 22 % zu viel.

So bleibt zu wünschen, dass der nächste regionale Termin auch hohen Zulauf erfährt.
Die Radolfzeller Modenacht unter dem Motto „Wandel in Zeit, Geist und Wesen“ bietet am 20.07.2013 lokalen Nachwuchsdesignern eine weitere Chance.

Autorin: Sigrid Alexander, Beratung Nachhaltige Lebensmittel und in dem Zusammenhang auch im Bildungsbereich als Referentin nachhaltiger Themen in der Bodensee-„Plattform Nachhaltiges Lernen“ engagiert.

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