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Bohlsener Mühle: Vom Korn zum Wert vollen Keks

von Redaktion (Kommentare: 0)


Vom Studentenkollektiv zum erfolgreichen mittelständischen Naturkostunternehmen mit 140 Mitarbeitern – das ist nur ein Aspekt, den die Bohlsener Mühle mit dem diesjährigen 30jährigen Jubiläum feiert. Inhaber Volker Krause (im Bild links, rechts Bäcker Aiyathurai Nageswaran) hat von Anfang an auf Verarbeitungskompetenz gesetzt und die Wertschöpfung sukzessive durch eine durchgehende eigene Prozesskette erhöht. Damit nicht genug: Neben dem Mühlenbetrieb, dem Backen von Brot, Keksen, Crackern, Crunchies sowie dem Handel mit Getreide und Saaten sind ihm noch ganz andere Dinge wichtig. Die Ökologisierung der Gesellschaft heißt eines seiner Ziele. Daran orientieren sich sein Tun und die Ausrichtung der Firma. (Bild: Inhaber Volker Krause hat ein sehr persönliches Verhältnis zu seinen MItarbeitern)

Im kleinen niedersächsischen Dorf Bohlsen ist Mühlentradition zu Hause: Der Standort der Wassermühle ist 1265 erstmals erwähnt. Die heutige Mühle (Bild) wurde 1851 erbaut und tut – als einzige von etwa 30 historischen Mühlen im Landkreis Uelzen - noch ihren Dienst. Dieses Überleben eines traditionellen, handwerklichen Betriebes in einem von zunehmender Industrialisierung und Konzentration geprägten Wettbewerb liegt in der zeitgemäßen Geschäftsidee zweier engagierter Unternehmer begründet. Volker Krause hat Anfang der 80er Jahre die Zeichen des beginnenden Bio-Zeitalters erkannt, und mit Helmut Vollmer hat er einen Bäckermeister gefunden, der ihm seitdem zur Seite steht.
(Bild: Die Mühlengebäude im alten Dorfkern von Bohlsen)

Die Bohlsener Mühle deckt mit ihren vier Standbeinen alle Bereiche der Prozesskette der Getreideaufbereitung und -verarbeitung ab und bietet insgesamt rund 1000 Produkte an. Der Mühlenbetrieb übernimmt die Veredelung des regionalen Getreides (Reinigung, Schälen, Flocken, Mahlen etc.), der Rohwarenhandel liefert Getreideprodukte, Saaten, Trockenfrüchte und andere Zutaten an Bäckereien. Die eigene Bäckerei, nahe der Mühle im alten Dorf, stellt eine breite Palette an Brot, Backwaren und Kuchen für die tägliche Auslieferung an ca. 200 Naturkostläden her. Dauerbackwaren und Müsli (Crunchy, Kekse, Cracker, Snäckebrot) für die Marke Bohlsener Mühle und private Label werden im 2004 eingeweihten Neubau (Fläche ca. 5.400 m²) auf der 100 m langen Backstraße (Bild) mit zwei Durchlauföfen und vier entsprechenden Abfüllanlagen, außerhalb des alten Bohlsener Ortskerns, produziert und verpackt. Der Markenname ist dabei eng mit dem Thema Regionalität verknüpft. Die Bohlsener Mühle setzt konsequent auf Getreide von fast ausschließlich Bioland-Betrieben aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein. 2008 belief sich der Umsatz des Unternehmens, das mittlerweile auf 140 Mitarbeiter angewachsenen ist, auf rund 22 Millionen Euro.
(Bild: Modernste Technik : Backstraßen, Durchlauföfen und Abfüllanlagen) 

Wenn Backstraßen schmackhafte Kekse und Cracker liefern sollen, geht das noch lange nicht vollautomatisch, und modernste Technologie reicht nicht aus. Sie sind auf hochwertige Zutaten und handwerkliche Fachkenntnis angewiesen. Für Know-how und Erfahrung sorgen Helmut Vollmer und drei weitere Bäckermeister. Für immer wieder neue Ideen und Rezepturen ist Maike Osterkamp in der Produktentwicklung zuständig. Auch der Einkauf und der Vertrieb sind mit Juliane Eichler, Johannes Herbert und Helmut Vollmer mit „Personen besetzt, die die Geschicke des Unternehmens schon jahrelang begleiten und auf derselben Wellenlänge sind“, sagt Volker Krause. In Bohlsen greift ein Rad ins andere, auch wenn die Produktionsstätten etwa einen Kilometer voneinander entfernt sind. Mittags trifft man sich in der Kantine auf einen „Schnack“. (Bild: Abfüllung und Verpackung)

Die Bohlsener Mühle liefert viel Geschichte und viele Geschichten – die oft zitierten Productstories, die Naturkostkunden so wichtig sind. Wer steht hinter der Ware, wie ist sie hergestellt, wo kommen die Rohstoffe her. Im Gegensatz zu No-Name-Artikeln ist die Marke Bohlsener Mühle randvoll mit Inhalten. Neben Historie und Tradition kann Volker Krause mit Werten punkten, die er seit den Anfängen mitgeprägt und der Marke mitgegeben hat. „Die Ökologisierung der Industriegesellschaft“ nennt er das und führt vier Schwerpunkte seiner Aufgabenstellung an: Den ökologischen Landbau, die Herstellung hochwertigster, ökologischer Lebensmittel in umweltverträglichen, möglichst CO2-neutralen Betrieben, angepasster Größe, in der Region und die gesellschaftliche Integration der Unternehmen sowie lebenswerte Arbeitsplätze.
(Bild: Crunchy-Rezeptur wird gemischt)

Die Regionalarbeit ist eine der obersten Prioritäten. Sie schlägt sich in einer engen Zusammenarbeit mit der Erzeugergemeinschaft Ökokorn Nord und dem direkten Kontakt zu vielen Getreideanbauern nieder. Insgesamt etwa 200 Landwirte liefern nach Bohlsen. Positiver Nebeneffekt der kurzen Wege: Die CO2-Bilanz fällt günstig aus. „Unser Ziel ist ein CO2-neutraler Betrieb in absehbarer Zeit“, sagt Volker Krause. Dazu kommen die Nutzung von Naturstrom im ganzen Unternehmen sowie in Zukunft die Nutzung von Mühlenabfällen wie Dinkelspelzen zu Heizzwecken. (Bild: Die Bohlsener Sonne schmückt alle Säcke)

Der Regionalaspekt wirkt sich auch auf das soziale Gefüge des Unternehmens aus, 140 Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region zu schaffen, ist anerkennenswert. Außerdem übernehmen die Bohlsener mit der Unterstützung diverser Projekte in der Gegend immer wieder Vorbildfunktion. Die ökologische Getreidezüchtung in Darzau ist zu nennen oder das Museumsdorf Hösseringen. Backwaren aus historischen Getreiden und Saaten wie Einkorn, Emmer und Leindotter bzw. der biologisch-dynamischen Neuzüchtung Lichtkornroggen verhelfen diesen wertvollen Sorten zu neuer Präsenz und dienen der Artenvielfalt. Der mehrdeutige Slogan „Werte voller leben“ fasst all diese Tatsachen prägnant zusammen.
(Bild: Das neue Firmengelände aushalb des alten Dorfes Bohlsen)

Die Marke Bohlsener Mühle konnte ihr Sortiment in den vergangenen Jahren mit etlichen innovativen Produkten (Bilder) aufwerten: Nach der Premium-Müslireihe Matinée, der Knäckebrot-Variation Snäckebrot und neuen Kekssorten stehen dieses Jahr zwei Projekte auf dem Programm: Produkte für Kinder und die saisonale Premiumschiene GenussReich. Kindermüsli und -crunchies ergänzen die bestehende Produktlinie mit dreierlei Keksen für Kinder. Bei beiden Linien hat Maike Osterkamp darauf geachtet, die Süße zu reduzieren und ausschließlich Reissirup sowie Honig als Süßmittel einzusetzen, um der viel diskutierten Übergewichtsproblematik zu begegnen. Die Müsli-Kompositionen mit Holundercrispies und Vanillesternen haben bei einem Test mit Grundschulklassen sehr gut abgeschnitten. Ab August sind sie im Handel. Premiere werden sie aber auch bei der bundesweiten Bio-Brotbox-Aktion für Schulanfänger haben, für die 60.000 Tütchen zur Verfügung gestellt werden. Im Herbst startet die Serie GenussReich: In edler Geschenkverpackung werden Vanillekipferl, softe Nusskekse, Mandelspekulatius und Stollenkonfekt für vorweihnachtlichen Absatz sorgen. (Bild: Die preiswerte Jumbotüte für Familien)

„Nur die Marke hat Zukunft.“ Hier sieht Krause die größten Potenziale. Die rund 200 Produkte der Marke Bohlsener Mühle machen die Hälfte des Umsatzes mit Verbraucherprodukten aus. Dabei konnten die Bäcker aus Bohlsen mit den Segmenten Frisch- und Dauerbackwaren 2008 jeweils einen Zuwachs von 20 % (nur in der Frische!) verbuchen. Die Wachstumsaussichten im Handel beurteilt Krause als weiterhin gut. Unverständlich und kurzsichtig findet Krause, dass der Facheinzelhandel manche Produktangebote zu wenig nutzt, obwohl sie gerade auf seine Bedürfnisse zugeschnitten sind, so beispielsweise die Jumbo-Kekstüten zum familienfreundlichen Preis oder die Range der „ethnic“-Halbfertiggerichte Batirik (Bulgur-Salat), Falafel und Taboulé (Couscous-Salat). Trotzdem der Fachhandel manche Produktangebote zu wenig nutzt, obwohl diese auf seine Bedürfnisse zugeschnitten sind, ist er sehr zufrieden mit der Entwicklung bei Snäckebrot und der Matinée-Serie, von denen es jeweils neue Geschmacksrichtungen gibt bzw. in Kürze geben wird. (Bild: Bäcker Aiyathurai Nageswaran aus Sri Lanka ist schon lange bei der Bohlsener Mühle)  

Die Marke Bohlsener Mühle wird nicht nur in Deutschland geschätzt – „das Exportgeschäft macht derzeit 7 % aus“, gibt Mira Becker Auskunft, und es könnte bald viel mehr werden. Auf der BioFach erlebten die Bohlsener einen Ansturm von interessierten ausländischen Händlern. Mit über 90 Kontakten im Gepäck kehrte Mira Becker zurück. „Das Potenzial ist groß, vor allem Asien erscheint spannend und vielseitig interessiert“, urteilt sie. Neben den europäischen Ländern mit Schwerpunkten in Slowenien, Norwegen, Schweden und Griechenland, gehen die Produkte aus Bohlsen an so exotische Adressen wie Bahrain, Dubai, Korea, Japan und auch nach China. (Bild: Hochregallager: Platz für Rohware und fertige Produkte)

„Im Rohstoffgeschäft heißt die Perspektive spezialisieren, ein Vollsortiment mit überwiegend standardisierten Produkten ist nicht zukunftsweisend“, erklärt Krause. Auf der Agenda steht deshalb, nach und nach alle Sortimentsbereiche unter dem Aspekt der Differenzierung und Spezialisierung auf den Prüfstand zu stellen. Die historischen Getreidearten werden dabei sicherlich weiterhin im Fokus bleiben, denn sie vereinen verschiedene interessante Gesichtspunkte: Einen speziellen Geschmack, die Erhaltung wichtigen Kulturgutes, Biodiversität und spannende Produktgeschichten. Denkbar sind Einkorn, Emmer, Kamut und Co. nicht nur im Brot, sondern sowohl als Basis für Kekse als auch als Delikatess-Getreide für die Zubereitung zu Hause. Lokal bringt Hedwig Herbert, die die Betriebskantine führt, diese Gesichtspunkte interessierten Verbrauchern bereits in Koch -und Backkursen näher. Im Blick behalten wollen die Bohlsener im Zusammenhang mit der Spezialisierung auch die Herkunftskennzeichnung der Rohstoffe. (Büro: Bürogebäude mit der Kantine unten)

Im Übrigen behält Volker Krause von seinem Büro aus die ganze Wertschöpfungskette im Blick: Er sieht zum einen das Getreide auf den umgebenden Feldern wachsen, gleichzeitig hat er den Blick auf die 200 Meter lange Halle, in der die Backstraßen jede Minute Hunderte von Crackern und Keksen produzieren. Seine Anliegen und Ziele sind seit 30 Jahren ein und dieselben: der Gesellschaft Umweltparameter näher bringen. Er ist froh darüber, dass dies mittlerweile in breiteren Kreisen angekommen ist. Mit den Worten von Bundespräsident Horst Köhler geht er deshalb ganz konform, der in seiner Berliner Rede am 24. März 2009 von einer „ökologischen industriellen Revolution“ sprach und damit die ökologische Umgestaltung von Industrie und Gesellschaft meinte. Krause: „Um die langfristige Überlebensfähigkeit eines Unternehmens zu sichern, gehört es heute dazu, die ökologischen Parameter weitest möglich in die Planung einzubeziehen. Vor fünf Jahren wurde das noch nicht erwartet, heute lassen sich durch solche Maßnahmen sogar Standort- und andere Nachteile kompensieren.“ Die konventionellen Firmen kommen erst jetzt auf diese Ideen, die von Naturkostherstellern vor über 30 Jahren mit in die Welt gesetzt, vor allem aber mit Leben gefüllt worden sind. (Bild: Neue Serie GenussReich geht im Herbst an den Start)

 

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