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Bauck Naturkost: Lösungen für Zöliakiekranke - Glutenfrei erfolgreich

von Redaktion (Kommentare: 0)


Der Getreidespezialist Bauck Naturkost baut eine neue Produktrange auf. Das glutenfreie Sortiment hat den Anspruch, Komplettlösungen für die Betroffenen anzubieten, gleichzeitig jedoch sollen die Back- und Müslimischungen auch Normalessern schmecken. Die Strategie geht auf, die Produktlinie kommt hervorragend an. Um den Zöliakiekranken garantiert glutenfreie Ware zu bieten, hat die Firma ein Kontrollsystem, eine eigene Mühlenanlage und eine separate Abpackung angeschafft. (Bild: Susan und Jan-Peter Bauck)
Jeder dreihundertste Bundesbürger leidet unter der Unverträglichkeit des Getreideklebereiweißes Gluten. Die einzige Behandlungsmöglichkeit von Zöliakie ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung, heißt es auf der Homepage der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG). Nach der Diagnose der Krankheit sind die meisten Betroffenen total überfordert, ihre Ernährungsweise umzustellen. Sie dürfen die üblichen Brotgetreide Weizen, Dinkel und Roggen nicht mehr essen. Auch Pasta oder Müsli, Hafer und Gerste sind tabu. Für viele bedeutet es eine große Herausforderung, die richtigen Getreideprodukte zu finden. In einer Brotesskultur wie in Deutschland sehnen sich viele nach einem frisch gebackenen, knusprigen Brot. Zwar gibt es bereits eine Reihe von Herstellern für glutenfreie Ware (Werz, Schär, Rosengarten /Hammermühle, 3Pauly etc), doch offensichtlich ist der Bedarf noch nicht gedeckt. Susan und Jan-Peter Bauck sind überrascht über das große Interesse und das sehr positive Feedback auf ihr Sortiment, das seit dem Herbst letzten Jahres in den Geschäften ist oder online bestellt werden kann. Im Backsegment gab es bereits eine Reihe von Basisprodukten, die im Angebot sind, allerdings mangelte es an Komplettlösungen, fand Susan Bauck.

"Täglich erreichen uns Anrufe, Mails und Briefe, in denen sich Zöliakiekranke bei uns bedanken. Wir haben das Gefühl, dass diese Menschen schon lange auf Produkte gewartet haben, die einfach zuzubereiten sind und schmecken". Dieser Leitgedanke – einfach und schmackhaft – hat für Susan und Jan-Peter Bauck seit langem oberste Priorität bei der Entwicklung von Backmischungen und Halbfertiggerichten; egal, ob es sich dabei um Lebensmittel für Zöliakiekranke oder für Normalesser handelt. In der Warengruppe Halbfertiggerichte belegt Bauck Naturkost, laut Biovista-Daten, Platz drei im Naturkostfachhandel. Deutschland ist in Europa, nach Großbritannien und Italien, der drittgrößte Absatzmarkt für glutenfreie Lebensmittel.

Die ersten glutenfreien Produkte hat das Unternehmen aus Rosche bei Uelzen im Herbst 2007 auf den Markt gebracht. Es war ein kleines Sortiment von Monomehlen: Buchweizen, Braunhirse, Kichererbsen, Mais, Reis und Soja, sowie Puffer und Falafel. Ziel war, die Marktgröße festzustellen und Erfahrungen zu sammeln. Schnell war klar, der Bedarf ist da, obwohl bereits mehrere Mitbewerber mit Angeboten in dieser Nische etabliert sind. Die Rückmeldungen aus dem Handel, von Selbsthilfegruppen und einzelnen Betroffenen haben Mut gemacht, weiteres Geld und Zeit in die Produktentwicklung zu investieren. Angefangen von der Sicherung glutenfreier Ausgangsware und Lagerung, über die Einrichtung eines eigenen Labors bis hin zur separaten Vermahlung und Abpackung. Eine Mühle aus der Schweiz wurde in einem entsprechend vorbereiteten, angemieteten Gebäude aufgestellt (Bild), daneben eine einfache Abpackstraße. Einen großen Teil der Abfüllung erledigen Betreute der nahen sozialtherapeutischen Einrichtung Bauckhof Stütensen. Im geplanten neuen Gebäude, das Abpackung und Lager auf rund 2800 m² verdoppelt, ist eine separate Abpacklinie für das glutenfreie Sortiment fester Bestandteil.

Das glutenfreie Sortiment umfasst mittlerweile 19 Produkte, Mehle, Frühstückscerealien, Backmischungen, Pudding und Waffeln sowie Puffer und Falafel. „Ausschlaggebend ist, dass wir nicht einfach nur auf von Natur aus glutenfreie Getreidearten setzen, sondern durch eine Reihe von Maßnahmen vom Acker bis in die Packung kontrollierte Glutenfreiheit garantieren können. Denn auch glutenfreie Getreidearten können auf dem Acker, beim Dreschen, bei Transport und Lagerung sowie bei der Verarbeitung mit Glutenstäuben verunreinigt werden und bei Zöliakiekranken Reaktionen auslösen“, sagt Susan Bauck. „Wichtig beim Sortiment war auch, die Hemmschwelle im Kopf sowohl der Händler als auch der Verbraucher zu durchbrechen, denn glutenfrei hat das Image, dass es nicht schmeckt.“ Das Glutenfrei-Zeichen ist daher eher klein und unauffällig auf den Packungen aufgebracht. Betroffene finden es, aber Normalesser greifen ebenfalls zu den Brownies-, Mini-Pizza- und Waffel-Backmischungen. „Die Mischungen ergänzen unser herkömmliches Sortiment, es gibt kaum Doppelungen“, so Susan Bauck. Die Produkte stehen ganz normal in der Warengruppe Backzutaten und Mischungen, eine Zweitplatzierung im separaten Allergiker-Regal sei freilich ideal.

Auf der BioFach 2008 hatte Bauck die damals nur wenige Produkte umfassende Range vorgestellt und dann zügig ausgebaut. Derzeit wird der Markt gründlich analysiert, um festzustellen, was im Angebot noch fehlt und welche Artikel am besten ankommen: Testpakete mit Fragebögen gehen an Betroffene, die häufig in Selbsthilfegruppen organisiert und gut vernetzt sind. „Es macht Spaß und ist sehr aufschlussreich, mit den Menschen, die auf diese Produkte angewiesen sind, ins Gespräch zu kommen“, sagt Maike Eisenberg, zuständig für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit im Unternehmen. „Wir werden enorm viel kontaktiert, außerdem wird über unsere Produkte in Foren diskutiert.“ Die Hersteller aus der Heide haben den Eindruck, dass der Bedarf an glutenfreien Lebensmitteln riesig ist. Kürzlich auf dem Zöliakietag in Dortmund haben die Produkte reißenden Absatz gefunden „Wir kommen kaum mit der Produktion nach“, erklärt Susan Bauck. „Das ist ein Zeichen dafür, dass die Zöliakiekranken total gierig auf leckere Produkte sind. Aus diesem Grund soll zum Herbst hin das Sortiment um zehn Spezialprodukte ergänzt werden. Ein absoluter Renner sind das Schnellbrot und die drei Knusperfrühstücksvarianten (glutenfreie Müslis).

Bauck ist bestrebt, den glutenfreien Mischungen einerseits einen echten Convenience-Status zu verleihen, andererseits den Zöliakiekranken das Gefühl zu nehmen, dass sie eine Sonderernährung brauchen. „Wir wollen, dass die Produkte ganz normal daherkommen und für die ganze Familie tauglich sind“, sagt Susan Bauck. Sie kann sich hinein versetzen, wie kompliziert es ist, die Küche gleichzeitig für einen Zöliakiekranken und Normalesser zu führen. „Die Betroffenen sind schon genug geschlagen. Sie sollen mit unseren Mischungen möglichst wenig ihre Außenseiterrolle zu spüren bekommen“, ergänzt Maike Eisenberg. Auf der Packung sind immer noch Rezeptabwandlungen aufgedruckt, um die Mischungen vielseitig einsetzbar zu machen. Alle Rezepte sind auch ohne Milch und Ei umzusetzen. Mittlerweile gehen auch Anfragen von Bäckern für Sackware der glutenfreien Mischungen bei Bauck ein.

Der Naturkostfachhandel muss aus Sicht von Susan Bauck in Bezug auf das glutenfreie Sortiment und eine kompetente Beratung noch eine Menge dazu lernen. Für den Reformhandel sei die Beratung in Sachen Nahrungsunverträglichkeiten Routine. Schulungen sollen dazu beitragen, dass Ladner und Personal die Produkte kennen lernen, damit kochen, wahrnehmen, wie einfach sie zu handhaben sind und sie dann weiter zu empfehlen. Ein erstes Seminar hat beim Großhändler Terra in Berlin stattgefunden. Weitere sollen folgen. Alle Artikel entsprechen den Vorschriften der Deutschen Zöliakie Gesellschaft und sind dort angemeldet.

Die kontrollierte Glutenfreiheit zu erreichen (laut EU-Verordnung unter 20 ppm) ist bei Mischprodukten mit vielen Zutaten eine Herausforderung. Nicht nur die Getreidemehle, sondern auch die Saaten und alle anderen Zutaten müssen absolute Glutenfreiheit aufweisen und werden deshalb größtenteils separat eingekauft. „Den Mitarbeitern ist die Sensibilität des Sortiments inzwischen klar, den Erzeugern und den Vorlieferanten manchmal noch nicht“, sagt Susan Bauck. Doch sind die Endprodukte für die Zöliakiekranken durch die strengen Laborkontrollen (Bild) absolut sicher.

Das Sortiment ist bereits bei vielen Naturkost- und Reformgroßhändlern gelistet, läuft aber auch über den Bauckhof-Internetshop gut, da die Zöliakiekranken gewöhnt sind, Nahrungsmittel in allen Vertriebskanälen zu kaufen. Die Homepage wird in den nächsten Monaten überarbeitet und soll dann für User noch übersichtlicher und attraktiver werden.

Info: Das Glutenfrei-Symbol bietet den Betroffenen Sicherheit beim Einkauf und Konsum. Die EU-Kommission im Januar 2009 eine Verordnung zur Kennzeichnung von Lebensmitteln erlassen, die für Menschen mit Glutenunverträglichkeit geeignet sind (Verordnung EG Nr. 41/2009). Dieser einheitliche Standard schafft einen Rahmen, in dem eine Kennzeichnung erfolgen darf. Als "glutenfrei" dürfen Lebensmittel gekennzeichnet sein, wenn sie beim Verkauf an den Endverbraucher höchstens 20 mg Gluten pro Kilogramm enthalten. Die Verordnung gestattet die "glutenfrei"-Kennzeichnung auch bei Produkten, die keine Zutaten aus Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Kreuzungen enthält, wenn der Glutengehalt 20 mg/kg nicht übersteigt. Hierbei handelt es sich nicht um eine Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Eine Kennzeichnung als Produkt mit dem Hinweis "sehr geringer Glutengehalt" ist dagegen nur für Produkte zugelassen, die entweder glutenhaltiges Getreide oder Hafer enthalten.
Die Kennzeichnung "sehr geringer Glutengehalt" dürfen Produkte tragen, die beim Verkauf an den Endverbraucher einen Glutengehalt von höchstens 100 mg/kg aufweisen. Sie können aus einer Zutat oder mehreren Zutaten aus Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Kreuzungen bestehen oder diese enthalten. Zudem können sie zur Reduzierung ihres Glutengehalts in spezieller Weise verarbeitet worden sein.
Das Zeichen, die durchgestrichene Ähre, zur Kennzeichnung von glutenfreien Lebensmitteln, wird von der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V. verwaltete "Glutenfrei"-Symbol: eine durchgestrichene Triticum-Ähre. Es kann für alle glutenfreien Produkte eingesetzt werden, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und für die zudem regelmäßige Analysen durchgeführt werden. Nutzer des Warenzeichens müssen eine einmalige Grundgebühr bezahlen, zusätzliche Lizenzen fallen nicht an.

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