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Mymuesli auf neuen Wegen

von Redaktion (Kommentare: 0)


Kaum eine Unternehmensgründung dürfte in den vergangenen zwei Jahren mehr Furore gemacht haben als das Bio-Müsli-Mix-Portal Mymuesli. Die Passauer Jungunternehmer ziehen alle Register der modernen Mediengesellschaft, um ihr Produkt unter die Leute zu bringen. Jetzt starten sie eine Retailschiene und einen Pilotladen.
(Bild v. li: Max Wittrock, Hubertus Bessau , Philipp Kraiss, )
Der Bekanntheitsgrad, den das Passauer Start-up innerhalb von zwei Jahren erreicht hat, ist umwerfend: Von Bild und Gala, über SZ und Lebensmittelzeitung bis zu den Lifestylemagazinen U-mag, Tomorrow, Men´s Health oder Brandeins, allen war Mymuesli einen Bericht wert. Im ersten Jahr gab es zudem bereits drei Preise für das weltweit erste Online-Bio-Individualmüsli: Den enable2start-Preis der Financial Times Deutschland, die Auszeichnung Startup des Jahres von ds media und den Bayern-online-Preis. 2008 folgten der Gründerwettbewerb „Mit Multimedia erfolgreich gründen“ und der Young Business Award vom Bundesverband des deutschen Versandhandels. 2009 ist die GmbH ausgesuchter Ort im Bundeswettbewerb Deutschland - Land der Ideen (Bild). Doch dem Trio ist die steile Karriere nicht zu Kopf gestiegen. Die Freunde produzieren weiter kreative Ideen und wollen jetzt mit dem Retailprodukt Mymuesli2go und einem Mymuesli-Pilotladen der virtuellen Ebene ein weiteres Standbein hinzufügen. Das web2.0-Erfolgskonzept bleibt natürlich am Netz.

Im April 2007 ging Mymuesli mit einer einfachen Botschaft online: „Bei uns kann sich jeder sein Müsli selbst mixen und übers Internet bestellen.“ Die Nachricht war simpel, aber sie zündete, als hätten alle darauf gewartet. Hubertus Bessau (28) aus Emden und Philipp Kraiss (28) aus Sigmaringen hatten seit 2000 Betriebswirtschaftslehre, Max Wittrock (26) aus München Jura und Journalistik studiert, alle in Passau. Die Studienfreunde hatten 2005 die Idee für das customer-mixed Müsli. Bis zum Start dauerte es noch bis zum Ende des Studiums im Frühjahr 2007. Aber dann wurde die Sache mit 3000 Euro Anfangskapital durchgezogen. Die Seite www.mymuesli.com wurde selbst programmiert, Angestellte gab es damals noch keine. Innerhalb kürzester Zeit sprach sich die gute Idee in der Blogosphäre herum, und der Stein kam ins Rollen. Die Bestelllawine konnte bald nicht mehr im angemieteten 40 m²-Raum in der Passauer Altstadt abgewickelt werden, im November 2007 mietete Mymuesli Lager-, Produktions- und Büroräume (1500 m²) in einem Gebäudekomplex im Gewerbegebiet Sperrwies (Bild rechts) an der Stadtgrenze. Heute arbeiten über 70 Teilzeitkräfte und 10 Vollzeitkräfte bei Mymuesli.

Immer wieder wird das junge Unternehmen als Vorzeigebeispiel für web2.0-Marketing genannt. „Das Internet ist tatsächlich die tragende Säule unserer Firma. Blogs und Foren waren die treibende Kraft, und das hat einen Jojo-Effekt erzeugt“, erklärt Max Wittrock (Bild links). „Blogger sind auf uns aufmerksam geworden, über die Blogs wiederum Journalisten, das ging Hand in Hand. Aber dass es ein Erfolg wird, stand in den Sternen.“ Das Geheimnis vermuten die Jungunternehmer in der mehrgleisigen Produktpromotion, aber auch in der Einfachheit der Produktidee.

„PR war und ist krass wichtig, in allen Medien.“ Da lässt sich der PR-Verantwortliche Wittrock mit seinen Geschäftspartnern und Freunden einiges einfallen. Er betreut den Company Blog, der auch allen Mitarbeitern offen steht. Die Bloggerszene und Internet-User sind - ohne Altersbegrenzung, wie Wittrock betont - nach wie vor die wichtigsten Communities für das Unternehmen. Google Deutschland spuckt bei der Eingabe Mymuesli in 0,21 Sekunden 79.200 Ergebnisse aus. Als wichtigstes Medium, neben dem Blog, bezeichnet Wittrock das Fernsehen. Mit selbstgedrehten Spots ist Mymuesli auf D-Max, Pro 7 und Sat 1 vertreten, und zwar in Deutschland und in Österreich, wo die Werbung auch noch auf RTL 2 läuft. Nach den Kosten für die TV-Werbung befragt, meint Wittrock nur: „Es kommt auch viel zurück, das lohnt sich.“ (Bild: Müslirollen und MyMuesli2go)

Bewegte Bilder von der Müsli-Firma gibt es zudem auf YouTube und Sevenload. Meist sind es Eigenproduktionen mit einfachsten Mitteln, etwa eine Art Müsli-Kochkurs, der beim Frühstück in der WG entstanden ist, oder von Kunden eingestellte Videos. Facebook und Twitter sind weitere bewährte Seiten für das Mymuesli-Marketing. Der "Customer" wird auch unverblümt um Hilfe gebeten und in die Werbestrategie eingebunden unter dem Motto: Bitte, sagt uns eure Meinung und empfehlt uns weiter. Vom Consumer zum Prosumer, nennt man das. „Wir lernen viel durch das Feedback unserer Kunden“, findet Wittrock. Dennoch ist der Kunde nicht transparent: „Wir wissen nur soviel, wie der Kunde bereit ist, uns zu sagen.“ Die Kehrseite der Medaille: Der Input vom Kunden muss verarbeitet werden – was bei 1500 Mails pro Tag in Spitzenzeiten eine Herausforderung darstellt. Die drei Jungs von Mymuesli halten nichts von teuren Agentur-geschneiderten Werbetools. „Wir setzen auf street credibility“, sagt Wittrock. „Eine Marke bekommt dadurch ein Gesicht, dass sie authentisch ist.“ Aber Vorsicht, wenn man selbst nicht in der Szene zu Hause ist, merken das die anderen schnell. Gehört man jedoch zur Community, wird manches verziehen, auch wenn es mal nicht so glatt läuft. (Bild: Nie um witzige Ideen verlegen)

Die drei Firmengründer haben die Aufgaben verteilt: Hubertus Bessau hat Marketing und IT übernommen, Philipp Kraiss ist "Finanzminister" und Einkäufer, Max Wittrock ist zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Das Werbebudget wird nicht verraten, aber es dürfte über dem anderer Bio-Firmen liegen, besonders bei dem jungen Alter der GmbH. Auch die TV-Werbung, die das Budget am stärksten belasten dürfte, und die meisten anderen Werbe-Maßnahmen sind selbst gebastelt. Der Spot wurde bei einem Freund im Garten gedreht. Neben der Erzeugung von nationaler und internationaler Aufmerksamkeit ist den Jungunternehmern besonders die regionale Einbindung der Firma wichtig. Deshalb sponsern sie unter anderem den Eishockeyclub Passau – dazu gibt es natürlich ein entsprechendes Eishockey-Müsli. Darüber hinaus haben die Mymueslis ein Faible für soziale Projekte: Aus der neuen Kindermüsli-Serie ist eine Mischung der Hänsel & Gretel Stiftung gegen Kindesmissbrauch gewidmet. Ein Betrag X (mehr als 10 Cent) von jeder Packung geht an die Stiftung. Diverse Kindergärten und Schulen werden immer mal wieder mit Müsli versorgt. „Solche Win-Win-Situationen sind häufig ein Antriebsgrund für uns, etwas Neues zu kreieren. Wenn soziales Engagement auch noch wirtschaftlich Sinn macht, haben wir einen Idealzustand erreicht“, sagt Max Wittrock. (Bild: Crossmarketing: Andechser ist Werbepartner auf dem Versandkarton)

Alle diese Maßnahmen und Tools fruchten offensichtlich und greifen ineinander: Im ersten Jahr stieg der Umsatz bereits über die Millionengrenze. Den aktuellen Umsatz verrät Wittrock nicht, nur soviel: „Die Wiederkäuferrate ist hoch“. Die Idee hat sich auch im nahen Österreich herumgesprochen. In Binningen bei Basel existiert gar eine Zweitniederlassung von Mymuesli. Den Abpackbetrieb, der aus zolltechnischen Gründen im Ursprungsland des Müslis gestartet wurde, leitet Sarah Kraiss, die Schwester des Firmenmitgründers Philipp Kraiss. Selbst nach Großbritannien werden die Tennisballdosen mit den Individualmischungen verschickt.

Für weitere Anfragen aus dem Ausland sei man offen. Der Versand – klimaneutral, mit DHL gogreeen. Die Mehrkosten werden von den Kunden akzeptiert. Das gilt auch für die Müslipreise, je nach Zutaten von 3,90 bis über 25 Euro, wenn jemand nur Gojibeeren, Makadamianüsse und weitere edle Ingredienzien möchte. Aber das ist noch nie vorgekommen. Der Standard liegt zwischen 4 und 7 Euro für 575 Gramm, plus Versand. Interessanterweise nutzen die Kunden die 566 Billiarden Möglichkeiten, ein Müsli zu mischen. 100.000 analysierte Bestellungen ergaben nur 42 Mal den 100%ig identischen Mix – es lebe die Individualität! Bio ist ein wichitges Thema: Alle Zutaten waren von Anfang an bio-zertifiziert, Mymuesli ist Mitglied beim Anbauverband Biokreis, der in Passau seinen Hauptsitz hat. (Bild: Julia Körffer, Verantwortlich für das Store-Konzept)

Wichtiges Standbein der Firma sind Firmen- und Themenmischungen. Für Fußballer-, Läufer, - Marathon- oder Triathlonmüsli arbeiten die Passauer mit Experten zusammen. So hat z.B. das Läufermüsli fachlichen Input von Experten der Runners World bekommen. Drei Sorten, eine Basis-, eine Power- und eine Regenerationsmischung wurden entwickelt. Auch mit dem renommierten Institut für Sporternährung in Bad Nauheim besteht eine Zusammenarbeit. Tipps für die Rezepte und ernährungsphysiologische Analysen holen sich die Müslimischer von Oekotrophologen und anderen Fachleuten. Brandneu sind drei Fit for Fun-Kreationen low fat  (Bild), high carb und best protein, die nicht nur im Internet, sondern auch über die Einzelhandelsschiene vertrieben werden sollen.

Das Retail-Konzept ist bereits auf der BioFach mit großem Interesse bedacht worden. Müsli to go soll dem Fachhandel, Kiosken, Convenience-Läden, Coffeeshops etc. angeboten werden. Die Becher mit Sichtfenster sind fertig, eine Verschlussmaschine angeschafft, Design und Mischungen konzipiert. Alles ist unter Dach und Fach. Anfragen sind schon vorhanden. Möglichkeiten für Mixmuesli2go sehen die Mymuesli-Gründer auch im Naturkostfachhandel. Weitere neue Projekte stehen ebenfalls in Kürze an: Dazu gehört ein schön gestaltetes Müsli-Kochbuch mit Rezepten von Kunden, das bis zur Frankfurter Buchmesse fertig sein soll. (Bild: Mymuesli Store inside)

Das größere Projekt ist jedoch ein eigener Pilotladen, ein Mymuesli-Shop in der Passauer Fußgängerzone (Bild). Der Laden in der Rosengasse (20 m²) ist eine Mischung aus Coffeeshop „mit dem besten Kaffee der Stadt in coolem Ambiente“, O-Ton Max Wittrock und Mymuesli2go, zum Da-Essen oder zum Kaufen. Andere Spezialgetränke wie das Neumarkter Now und den Dr. Martins Coco-Drink sind in dem Laden zu haben. Unter dem Motto „Ich gönn mir mal ein Müsli“ hoffen die Freunde auf ein weiteres Erfolgskonzept und gehen auf die Vervielfältigung der Idee zu. Ende Mai ging der Pilotladen an den Start. Julia Körffer (Bild oben), intern „Worldwide Storemanager Mymuesli“ genannt, freut sich schon auf ihre Aufgabe. Vor Nachmachern und Wettbewerbern hat Mymuesli keine Angst. „Wir sind die Besten“, sagt Wittrock selbstbewusst.

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