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Kakaopreise eingebrochen – gilt das auch für Bio?

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


© Pixabay

Die Erzeugerpreise für Kakao sind innerhalb eines Jahres um 40 Prozent gesunken. Derzeit pendeln sie zwischen 1.800 und 1.900 US-Dollar je Tonne. Das sind 1.600 bis 1.700 Euro – zu wenig für die Kakaobauern, um davon leben zu können. Bekommen Bio-Erzeuger mehr? Bio-markt.info hat bei Bio-Kakao-Importeuren und -Anbietern nachgefragt.

Für den Preisverfall auf dem Kakaomarkt gibt es mehrere Gründe:

Die Lager der Händler und Verarbeiter sind voll. Die aktuelle Ernte in Westafrika war sehr gut und von dort kommen über 60 Prozent der Bohnen. Zudem ist die Nachfrage nach kakaohaltigen Produkten vor allem in Asien  nicht so stark gestiegen wie angenommen. Der Preisverfall trifft vor allem die Kleinbauern in Ghana und der Elfenbeinküste hart. Sie leben schon in Jahren mit guten Kakaopreisen weit unter der Armutsgrenze.

Zertifizierungen sorgen für höhere Preise

Ein wenig besser haben es Erzeuger, die ihre Bohnen als Fairtrade-zertifiziert verkaufen können. Denn im Fairtrade-System gibt es einen Mindestpreis beim Einkauf der Bohnen, der nicht unterschritten werden darf. Er liegt bei 2.000 US-Dollar je Tonne. Hinzu kommt der Fairtrade-Aufschlag von 200 Dollar je Tonne. Für Bio-Bohnen kommen noch einmal 300 Dollar je Tonne hinzu, so dass für eine Tonne biofairen Kakao mindestens 2.500 Dollar an die Erzeuger zu zahlen sind.

Für die Bauern in den Erzeugerländern reicht der Kakaopreis derzeit nicht zum Leben. © Pexels

Bio-markt.info hat Bio-Kakao-Importeure und -Anbieter von Bio-Schokis im Fachhandel gefragt, wie sie mit den massiv gefallenen Erzeugerpreise für Kakao umgehen. Das sind die Antworten:

NaturataNaturata-Geschäftsführerin Liane Maxion verwies darauf, dass die dargestellten Zahlen nur für Konsumkakao gälten, der vor allem aus Afrika stamme. „Die edleren Kakaosorten Trinitario und Criollo, welche vor allem in Lateinamerika angebaut werden unterliegen schon seit langem nicht mehr den Gesetzen der Börsen. Diese edlen Sorten, welche Naturata ausschließlich einsetzt, haben keine Preisänderung durchgemacht. Grundsätzlich verkaufen die Kooperativen in Südamerika nicht zu solch tiefen Preisen, da einerseits die Qualität um einiges höher ist als die des Börsenkakaos, zum anderen ist die Nachfrage nach Bio-Kakao aktuell sehr hoch, so dass die Kooperativen auch keinen Grund haben mit den Preisen zurück zu gehen.“

Tatsächlich wird in Westafrika kaum Bio-Kakao produziert. Er stammt zu 80 Prozent aus der Dominikanischen Republik in der Karibik, der Rest kommt vor allem aus anderen lateinamerikanischen Ländern: Ecuador, Bolivien, Peru und Panama. Die Ernte in der Dominikanischen Republik sei extrem schlecht ausgefallen, schreibt Liane Maxion, „weshalb ein großer Mangel an Bio-Kakao aus der Dominikanischen Republik herrscht und die Preise somit alle höher sind als im Vorjahr.“

Gepa

Das Fairhandelshaus Gepa bezieht den größten Teil seines Bio-Kakaos vom Kooperativen-Dachverband Coopproagro in der Dominikanischen Republik. „Die Gepa zahlt zurzeit für Bio-Kakao deutlich über 3.000 US-Dollar je Tonne“, heißt es in der Antwort des Unternehmens. Zudem habe man mehrfach die Kosten für die Naturland-Biozertifizierung übernommen. Die Gepa hat im Internet dargestellt, wie sich der Preis für die Schokoladen zusammensetzt.

RapunzelRapunzel bezieht seinen Kakao von den Kooperativen El Ceibo in Bolivien und Conacado in der Dominikanischen Republik. „Wir zahlen diesen Partnern immer einen Preis, der über dem Weltmarktniveau liegt. Der Preis beinhaltet eine Bio-Prämie für die Bauern, sowie eine Fair-Trade-Prämie, die der Gemeinschaft für öko-soziale Projekte zugutekommt“, heißt es in der Antwort von Rapunzel. Zusätzlich erhielten die Bauern noch „je nach Ursprung und Kakao-Qualität eine sogenannte Qualitätsprämie.“ Von Rapunzel gibt es im Netz eine ausführliche Darstellung der Wertschöpfungskette für eine Tafel Schokolade.

Ethiquable

Eine konkrete Zahl nennt der biofaire Importeur Ethiquable in einer Mitteilung: „Trotz sinkender Weltmarktpreise wird die Genossenschaft ihren Partnern weiterhin zwischen 4000 und 4300 US-Dollar pro Tonne Kakao zahlen.“

Mehr zum Thema:

Ausführlich berichtete Schrot&Korn im Heft 10/15 in dem Artikel „Bittere Bohne“ über den Kakaomarkt. Damals kostete das Kilo konventionelle Kakaobohnen an der Börse 2,78 Euro, derzeit sind es 1,60 Euro.

Der Kakao-Barometer berichtet alle zwei Jahre über den Kakaomarkt und die Situation der Kleinbauern.


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