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Kommentar von Georg Rieck |

Sehr geehrter Dr. Gerber,
mit Ihren Bemühungen Absatzkanäle für demeter Produkte im deutschen LEH zu öffnen, haben Sie, wie auch Ihre Kollegen der anderen Anbauverbände, von Anfang an die Mitglieder gespalten. Auf der einen Seite die Anhänger der Konventionalisierung, die die ökologische Landwirtschaft den „Gesetzen“ des Raubtierkapitalismus unterwerfen – Wachstum, Effizienz und Innovation. Und denjenigen, die der Ursprungsidee folgen, die die ökologische Landwirtschaft als Gegenmodell begriffen haben und den Gesetzen der Ökologie folgen - Kleinteiligkeit, Vielfalt und Vernetzung fördern.
Das könnte man natürlich als Ausdifferzierung des Marktes ansehen, wäre da nicht die Furcht vor den vier deutschen Lebensmittel – Oligopolisten und deren Macht.
Auch wenn diese z.Zt. Kreide gefressen und den grünen Schafspelz umgelegt haben, zeigen sie aktuell auf dem Markt für fair Trade Bananen schon nach kürzester Zeit ihr wahres Gesicht: Lidl selbst setzte erst kürzlich den Preis für Fairtrade-zertifizierte Bananen auf 1,09 Euro herab. Das entsprach dem noch 2018 marktüblichen Preis für konventionelle Bananen ohne entsprechende Zertifizierung. Für Banafair sind 1,65 € die Untergrenze. Die Preisspirale für Fairtrade-Bananen wird nach unten getrieben und dabei der Wert des Siegels nachhaltig beschädigt. In Deutschland gibt es seitdem also neuen Preisdruck am Markt. Es ist schockierend, dass sofort mit Preissenkungen gearbeitet wird.
Die Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel prägt das Geschäft. In Deutschland vereinen mittlerweile die vier Einzelhandelsriesen Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe 85 Prozent des LEH-Umsatzes. Damit geben sie den Ton in der Preispolitik an und tragen eine besondere Verantwortung. In letzter Zeit häufen sich Vorwürfe, wie der des Kampagnenleiters Braßel von Oxfam: „Die Supermärkte sollten ihre Marktmacht nutzen, um sich für einen Lebensmittelmarkt ohne Ausbeutung einzusetzen. Stattdessen zahlen sie Lieferanten und Erzeugern ruinöse Preise und diktieren ihnen unfaire Konditionen in die Verträge.“ Während bei Lidl die günstigste Banane 1,09 Euro pro Kilogramm (Fairtrade – konventionell) kostet, sind bei Aldi Süd Bananen schon für 0,99 Euro pro Kilogramm (Rainforest Alliance) zu haben, bei Aldi Nord sind es 1,09 Euro (Rainforest Alliance). Edeka unterbietet die Preise derzeit sogar mit 0,88 Euro pro Kilogramm (Rainforest Alliance – Gut & Günstig). Laut Aussage des Unternehmens handelt es sich hierbei um eine kurzzeitige Aktion mit nur kleinem Anteil an den insgesamt im Verbund gehandelten Bananen. Bei Rewe ist eine Banane ab 0,99 Euro pro Kilogramm (Rainforest Alliance) zu haben. (Quelle: Lebensmittelpraxis).
Liebe Vertreter der deutschen Anbauverbände, wenn auch im Zuge der Erschließung des Biomarktes durch das Oligopol – kann man auch so herum sehen – zur Zeit noch Verträge geschlossen werden, die den Preisdruck auf die Erzeuger ausschließen, werden die „Verbandswaren“ direkt schon zur Profilierung über den Preis benutzt. Jan Bock von Lidl erklärt das erste Grundgesetz des Discounts: „der Verkaufspreis hat mit dem Einkaufspreis nichts zu tun!“ Folglich steht Bioland Milch jetzt für 1,04 € im Regal und die 0,99 € sind da nicht weit. Und auf diesem Weg kommen zwangsläufig die Erzeugerpreise doch unter Druck. Wenn die Bauernmolkerei Absatz verliert, weil Lidl billiger verkauft, wird sie ihren Lieferanten erklären, dass der Preis nicht zu halten ist … und die Abwärtsspirale kommt in Gang – die fair Banane lässt grüßen!
Niemals wird der deutsche Discount seine DNA verändern, einfach weil es ihn dann nicht mehr geben könnte! „Wir sind auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“ sagt Lidl – nur die Frage, was sie damit meinen!
Nachsatz: Wie schlau die sind, kann man auch an dem Coup erkennen, einen Mindestlohn von 12,50 € zu verkünden. Prompt fällt Verdi darauf herein und verklärt Lidl zum fair Partner – wie doof kann man eigentlich sein!? Das sind Sklavenhalter, denn die Arbeit machen weltweite Sklavenheere und die outgesourcten Regaleinräumer, Putzfirmen und LKW-Fahrer etc. -

Mit hochachtungsvollen Grüßen
Georg Rieck


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