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Budni kommt bundesweit mit Bio

von Horst Fiedler (Kommentare: 2)


Die Hamburger Drogeriemarkt-Kette Budnikowsky (Budni) vergrößert die Zahl ihrer Filialen mit Hilfe von Edeka bundesweit. Wir besuchten zwei Geschäfte in Bamberg mit hohem Bio-Anteil.

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Kommentar von Georg Rieck |

Von Budni lernen
Werter Horst Fiedler,
„um so bessere Ergebnisse bei den Preisverhandlungen mit den internationalen Konzernen zu erzielen. Dadurch will man konkurrenzfähig bleiben und kein Übernahmekandidat werden.“
Unsere Kunden bezahlen uns seit 40 Jahren gerade dafür, dass wir es anders machen! Dafür, dass wir fair bezahlen und eben nicht die Preise drücken! (Es soll da zwar Kollegen geben...)
Mit internationalen Konzernen verhandeln … ? Hallo ??? Wir verhandeln mit regionalen Partnern!
Und die Shareholder, die unsere Aktien halten, sind Gießener Bürger, jung und alt. Die Aktie heißt „Vertrauen“
„Statt Kooperationen einzugehen und so effizienter und damit preisgünstiger zu werden, verharren sie meist in der Individualität.“
Die Individualität wird bei REWE und EDEKA als Erfolgsgarant gefeiert.
Und Kooperationen zum Zwecke der Marktmacht, die missbraucht wird, um weltweit Menschen dazu zu zwingen, ihre Produkte und ihre Arbeit unter Wert abzugeben, brauchen wir genauso wenig, wie Zahnschmerzen!
Warum nur schielen Sie immerzu nach BUDNI und den anderen Playern des LEH???
Die werden das Richtige nie lernen – und warum – z.T. - sollten wir derweil das Falsche von denen lernen???
Kooperationen sind gut, aber keine vertikalen zum Zwecke Macht zu akkumulieren – das ist das falsche Ziel. Ein wirklich gutes Beispiel für gelungene Kooperationsmodelle ist die EVG-Landwege. Wir müssen Netzwerke und Partnerschaften in unseren Regionen schaffen - so müssen wir das machen – nicht wie dieser BUDNI, der im Netz des Kapitals zappelt!
„Kein Wunder also, dass die meisten Läden keinen Nachfolger finden, denn von außen betrachtet sind die Alleingänge ein Risiko. Jüngere lassen da lieber die Finger von.“
Ein Laden, der an einem schlechten Standort sitzt, Investitionsstau von über 10 Jahren hat, nicht attraktiv und modern ist, kein überzeugendes Frischesortiment hat – ja, der wird es schwer haben einen Nachfolger zu finden – das ist allerdings schon immer so gewesen. Fraglich, ob das für „die meisten“ zutrifft.
Und ganz sicher wird er seine Probleme nicht lösen können, indem er eine „vertikale Kooperation“ eingeht … ganz sicher nicht, wenn er „günstiger“ würde und ganz bestimmt nicht, indem er seine letzten Aktien „das Vertrauen“ auch noch verspielt.
Lieber Horst Fiedler, wäre es nicht besser, die Kollegen, die in der Klemme stecken, mit wirklich konstruktiven Vorschlägen zu unterstützen, statt ihnen zum Hohn das Mantra des Großkapitals zu repetieren?

Antwort von Horst Fiedler

Werter Georg Rieck,

es hilft manchmal, etwas zu abstrahieren. Natürlich gibt es bei Budni andere Voraussetzung, weil das Hauptgeschäft mit Wasch-und Reinigungsmitteln sowie mit Kosmetika gemacht wird, die von internationalen Konzernen produziert werden. Im Naturkostfachhandel stehen allenfalls die Großhändler und großen Filialisten vor diesem Marktmachtproblem, wenn sie Marken führen wollen, die Unilever, L’Oreal oder Danone gehören.

Ein Bioladen dagegen, der seine Geschicke allein meistert, muss erstmal eine bestimmte Umsatzmenge erwirtschaften, um von seinem Großhändler einen Jahresbonus zu erhalten. Damit fängt es doch schon an. Und diese Läden haben eben kein attraktives Frischesortiment, weil mangels Kooperation in der Branche ihr Großhändler maximal zweimal in der Woche Ware liefert. Die Klagen von Bioläden, die in den vergangenen Monaten schließen mussten, sind lang und enden damit, dass sie allein nicht wettbewerbsfähig waren, weil es ringsherum überall Bio und Verbandsbio gibt ‒ und zwar frischer und zum günstigeren Preis.

Deshalb ist die vertikale Kooperation im Fachhandel der richtige Weg. Vertikal deshalb, weil man partnerschaftlich zum Wohl aller Kooperierenden miteinander umgehen sollte, so wie bei EVG-Landwege. Natürlich kann man dadurch auch günstiger einkaufen, ohne seine Marktmacht zu missbrauchen: Mengenrabatt und logistische Effizienz helfen oft schon weiter. Und darüber hinaus ist vieles durch Kooperation möglich, zum Beispiel Abnahme-Garantien. Die Individualität des Ladens soll, wie bei Budni, natürlich erhalten bleiben – so steht es auch in meinem Kommentar. Der Großhändler Bodan baut zur Förderungen der individuellen Laden-Marken gerade ein „Zukunftslabor“ auf – ein Projekt, das auch durch gemeinschaftliches Handeln entstanden ist und weiter entwickelt wird.

Sie schwingen ja gern die antikapitalistische Keule. Ich weiß nicht, ob Sie Ihren Kunden damit gerecht werden. Ist nicht die Frau eines Investors, der gerade ein erfolgreiches Cum-Ex-Geschäft abgewickelt hat, diejenige, die bei Ihnen den höchsten Bon macht? Oder die Bankersfrau? Oder der Immobilien-Hai, der gerade in einem Wohnblock die Mieten kräftig erhöht hat und dafür eine Runde Bio-Sekt springen lässt? Oder der Shareholder, der nicht nur auf die Aktie „Vertrauen im Biomarkt“ setzt. Auf der anderen Seite müssen womöglich die eigenen Mitarbeiter*innen nach Feierabend im Discounter konventionelle Ware kaufen, damit sie finanziell über die Runden kommen.

Solange man zahlungskräftige Kapitalismus-Kunden hat, ist es natürlich leicht zu sagen, man muss nicht preisgünstiger werden. Man kann dann auch öfter renovieren, attraktiv und modern sein – eben der Partyservice fürs (Groß)kapital. Wäre es Ihren Ansprüchen zufolge nicht konsequent, solchen Kunden die Tür zu weisen und ihnen zu empfehlen, in den eigenen Strukturen (Aldi, Lidl) einzukaufen, statt mit deren finanzieller Hilfe das hohe Lied von einer heilen antikapitalistischen Bio(laden)-Welt zu singen?                                                                                                    

Horst Fiedler

Kommentar von Georg Rieck |

Lieber Horst Fiedler,
na – da haben Sie mir jetzt aber einen eingeschenkt – da danke ich doch!
Neinnein – Keulen schwingen kann ich als kleiner Gemüsehändler in der Mittelhessischen Provinz nicht – höchstens vielleicht mit der Schleuder aufs Auge zielen…denn ich bin fest davon überzeugt, dass wir den Goliath überwinden müssen, um eine enkeltaugliche Zukunft hinzukriegen – wenn auch die Chancen klein sind.
Es geht mir überhaupt nie und niemals darum, abzugrenzen, Kunden auszuschließen, Fürstenknecht zu spielen, Party-Service fürs Großkapital– oder was auch immer. Wir versuchen lediglich gute Arbeit zu leisten, indem wir täglich 700 bis 1000 Kunden bedienen, mit 10 Leuten pro Schicht, mit einem kleinen, innenstadt-typischen Bonwert. Bestimmt sind auch solche Exemplare aus Ihrer illustren Auswahl unter den Kunden, aber nicht einmal in Hamburg gäbe es so eine Verdichtung reicher Leute. Schon gar nicht in Gießen, einer Stadt mit schwacher Kaufkraft. OK – diesmal haben sie vielleicht ein wenig übertrieben…?!
Es ist allerdings doch sehr bedauerlich, dass mein Sprachvermögen nicht ausreicht, Ihnen mein Anliegen verständlich vorzutragen.
Nein – ich singe nicht „das hohe Lied der heilen antikapitalistischen Bioladen-Welt“ (den Text hätte ich gerne mal, bei Gelegenheit) und schon gar nicht mit „finanzieller Hilfe zahlungkräftiger Kapitalisten“.
Die Bioläden haben den Kunden immer mehr versprochen, als nur Öko-Lebensmittel. Es ging und geht darum, Wirtschaft anders zu denken und anders zu machen! Alles, was die Marketing – Abteilungen des Lebensmittel-Oligopols sich heute auf die Fahnen schreiben – und nicht halten – sind Themen, die von den Bioläden vor 40 Jahren auf den Tisch gebracht wurden.
Aber – das wissen Sie doch alles …! Ich frage mich nur tatsächlich immer wieder, warum sie partout die Kollegen dazu bringen wollen, die zerstörerischen Systeme des LEH zu übernehmen.
Wir wissen doch, dass die Arbeit mit dem Preis, Preismarketing mit Aktionitis, den Playern des LEH dazu dient, den Gegner zu vernichten. Dabei werden die „Kollateralschäden“ billigend in Kauf genommen. Wissen Sie doch alles! Warum wollen Sie unbedingt, dass wir diese Methoden „lernen“???
Klaus Braun sagt, dass es blauäugig sei, die Diskussion um den Preis nicht führen zu wollen. Mag sein – aber dann müssen wir in dieser Diskussion den fairen Preis in seiner vollen Höhe verteidigen!
Der niedrige Preis war noch nie dazu da, um armen Leuten zu helfen! Solch ein altruistisches Motiv ist nicht systemimmanent!
Die Sichtweise, dass der Billigste der Gute sei, Wohltäter der Massen, Heilbringer für eine glänzende Zukunft, ist doch wirklich nicht mehr haltbar – stammt wohl noch aus stalinistischen Zeiten …? Die Folgen dieses Denkens fallen gerade auf uns zurück!
Uns gibt es nur, weil wir es anders machen (wollen). Deshalb kann es uns nicht um Billigpreise gehen, sondern um alle anderen Themen – und den jeweils dafür angemessenen Preis!
Ach – wenn ich mich doch verständlich machen könnte ...

Antwort von Horst Fiedler

 

Lieber Georg  Rieck,

ich glaube das grundsätzliche Missverständnis rührt daher, dass Sie beim Stichwort Preis immer nur an die Übervorteilung von Handelspartnern und die Vernichtung von Wettbewerbern denken. Zugunsten des Kunden muss der Preis kaufmännisch nüchtern und ideologiefrei betrachtet werden. Es gilt, unnötige Kosten aufzuspüren, die ihn in die Höhe treiben. Durch Kooperationen lassen sich bestimmte Kosten minimieren, darum geht es. Und da gibt es viele Ansatzpunkte.

Hermann Heldberg hat in seinem Kommentar zur Logistik Folgendes geschrieben:  „Die Logistik der Naturkostbranche ist sehr CO² intensiv. Viele der Naturkostläden werden nicht nur von einem Großhändler beliefert. Neben mehreren Großhändlern liefert dann auch noch der eine oder andere Hersteller (z. B. Rapunzel oder Biogarten) über eine Speditionslogistik. Dazu kommen dann noch die direkt Belieferungen von den Erzeugern. Bis heute hat es keine Initiative gegeben unter den Großhändlern sich an einen Tisch zu setzten und zu überlegen ob es nicht möglich ist, eine gemeinsame Logistik zu betreiben. Es ist ja kein Geheimnis wer wen beliefert. Es wäre ein großes Aushängeschild für die Branche wenn sie sich dahin gehend einigen könnte. Würde dann noch mit Umwelt freundlichen Fahrzeugen geliefert, umso besser. In Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen wird es jetzt ein Projekt für die Stadt Bremen geben. In diesem Projekt soll die Belieferung der Bio Branche in Bremen und Umland gebündelt werden.“

Das  CO² lässt sich durch Kosten ersetzen, also ist die Logistik nicht nur CO²-intensiv, sondern auch kostenintensiv. Und das schlägt sich im Preis nieder. Die Bioladen-Kunden denken, sie zahlen den Mehrpreis, um arme Bauern in Übersee fair zu entlohnen. Wenn die Kunden wüssten, dass ein hoher Kostenanteil vor ihrer Haustür entsteht, weil die Branchenakteure trotz gleicher Werte nicht auf naheliegenden Feldern zusammenarbeiten, würden sie dem Fachhandel vielleicht nicht mehr das volle Vertrauen schenken.  Das Projekt in Bremen lässt hoffen, dass es noch zu einem Happy End kommt und weitere mögliche Synergieeffekte genutzt werden.

Sie müssen die Kostenersparnis ja nicht zwangsläufig an Ihre Kunden weitergeben, wenn es Ihnen peinlich ist, an der Preisschraube zu drehen.  Aber um erfolgreich zu bleiben, wird es erforderlich sein, nicht nur die Erzeuger zu stärken, sondern auch die Kunden im Blick zu behalten. Aber die scheinen aus Ihrer Sicht ja nie arm zu sein, sondern dankbares Melkvieh. Andere sind das schon weiter: So lässt Basic seine Kunden über Bringmeister von Edeka beliefern, um den Verbrauchern nicht unnötige Mehrkosten aufzuladen. Und Edeka nutzt den Naturkost- und Reformwarenhandel für die Belieferung seiner Naturkind-Läden.  „Anders wirtschaften“ muss  auch „intelligent wirtschaften“ heißen. Alle Welt verbündet sich, sucht neue Partner, nur im Naturkostfachhandel glauben viele - oder ist es nur noch einer? - es allein zu schaffen.                                                           


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