Anzeige

Umwelthilfe fordert höheren Preis für Plastiktüten

von Redaktion (Kommentare: 0)


3,7 Milliarden – so viele Plastiktüten verbrauchen Kunden in Deutschland im Jahr. Obwohl sich der Handelsverband Deutschland (HDE) vor rund zwölf Monaten dazu verpflichtet hat, Einkaufstüten aus Plastik nur noch kostenpflichtige herauszugeben.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hält den von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks initiierten Ansatz der Selbstverpflichtung für ein ungeeignetes Mittel, um die Menge an Plastiktüten zu minimieren - auch wenn der jährliche Tütenverbrauch seither von 71 auf 45 pro Kopf gesunken ist.

„Die HDE-Selbstverpflichtung ist löchrig wie ein Schweizer Käse“, sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. Die Vorgabe beziehe sich laut DUH nur auf Kunststofftüten mit einer Wandstärke von mehr als 15 und weniger als 50 Mikrometer. Allerdings seien auch Plastiktüten mit einer Wandstärke von mehr 50 Mikrometer Einwegtüten.

Dazu komme Fischer zufolge, dass ein großer Teil der Händler nicht Mitglied beim HDE unddaher nicht an dessen Vereinbarung gebunden ist. Weiter kritisiert Fischer, dass es keinen einheitlichen Plastiktütenpreis gibt und HDE-Mitglieder, die der Selbstverpflichtung nicht gerecht werden, unbescholten davon kommen. Zudem verbleibe das eingenommene Geld aus dem Verkauf der Plastiktüten bei den Händlern, die damit den Neueinkauf von Plastiktüten refinanzieren können. „Somit bleiben Plastiktüten weiterhin ein attraktives Werbemittel“, resümiert Fischer.

Vorbilder im EU-Ausland

© Pixabay

Für die Herstellung von Plastiktüten werden große Mengen begrenzt vorhandenes Rohöl benötigt. Die Produktion belastet das Klima, verschmutzt die Umwelt und gefährdet Lebewesen in Gewässern. Trotzdem liegt der Verbrauch von Plastiktüten in Deutschland deutlich höher als in anderen EU-Staaten, wie ein Ländervergleich zeigt.

Verbrauch von Plastiktüten pro Kopf und Jahr:

Deutschland 45

Luxemburg 20

Irland 16

Dänemark 4

Finnland 4

Mindestens 22 Cent pro Plastiktüte

Was kann Deutschland tun, um seinen Konsum Plastiktüten zu verringern? Die DUH hält eine gesetzliche Abgabe von mindestens 22 Cent pro Stück für wirksam. „Damit wäre das Thema erledigt“, ist sich DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sicher.

Die eingenommenen Gelder aus dem Verkauf von Plastiktüten würden bei einer solchen Abgabe nicht bei den Händlern bleiben, sondern an den Staat gehen. „Dadurch würde das Angebot von Plastiktüten für den Handel vollkommen unattraktiv“, erklärt Resch. „Die Einnahmen einer Abgabe müssen zielspezifisch eingesetzt werden und könnten öffentlichen Naturschutzstiftungen zur Verfügung gestellt werden, um Umweltschutz- und Abfallvermeidungsprojekte zu fördern“, schlägt er vor.

Hintergrund

Eine Richtlinie der Europäischen Union vom April 2015 verpflichtet die Bundesregierung, den Verbrauch von Plastiktüten deutlich zu reduzieren. Ab 2020 soll der Verbrauch auf 90 Plastiktüten und ab 2026 auf 40 Stück pro Einwohner und Jahr gesenkt werden.


Stichworte:

Politik


zur Startseite/alle Meldungen

Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!




Newsletter bestellen

Anzeige

Anzeige