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TV-Beitrag: Fragwürdige Bio-Eier bei Aldi Süd

von Leo Frühschütz (Kommentare: 3)


Der Sender SWR hat in seinem Magazin Marktcheck zwei niederländische Bioeier-Erzeuger besucht, die Eier für Aldi Süd liefern. Auslöser der Recherche waren Undercover-Aufnahmen der Organisation Deutsches Tierschutzbüro, die zahlreiche tote, teils mumifizierte Hennen zeigten sowie elektrische Drähte, die die Tiere am Auslauf hindern sollten.

Der Marktcheck-Autor besuchte die Betriebe und konfrontierte sie mit den Bildern. Dabei fiel auf, dass auf einem Hof mit 24.000 Tieren die Auslaufklappen noch um 12 Uhr mittags geschlossen waren. Selbst als die Klappen geöffnet wurden, nutzten nur wenige Tiere den Auslauf. Sie seien vermulich durch Stromschläge konditioniert worden, die Auslaufklappen zu meiden, heißt es in dem Film. Der Betriebsleiter versicherte, dass die Stromkabel seit Jahren nicht mehr benutzt würden.

In dem anderen Betrieb waren zahlreiche Kadaver regelwidrig in offenen Tonnen entsorgt worden. Der Stall selbst war leer. Die Tiere seien vor wenigen Tagen geschlachtet worden worden, hieß es zur Begründung. Auffällig war, dass der Auslauf auch am Stall vollständig begrünt war. Die Betriebsleiterin erklärte das mit der Aufstallungspflicht durch die Vogelgrippe. Doch diese endete zumindest in Deutschland am 1. Mai.

„Dass solche Eier bei Aldi-Süd als Bio-Eier verkauft werden ist unglaublich“ lautete das Fazit von Marktcheck. Und: „Wo Bio drauf steht ist also nicht unbedingt das Bio drin, das man erwartet.“

Aldi Süd erklärte gegenüber dem Marktcheck, die Betriebe erneut zu prüfen und bei Bedarf entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Zum Schluss weist der Beitrag noch darauf hin, dass die Bio-Eier bei Aldi Süd nach den „schwachen Richtlinien des EU-Öko-Siegels“ erzeugt würden. „Bei Demeter oder Bioland zum Beispiel sind die Kontrollen stärker und die Vorgaben strenger.“ Noch eine spannende Zahl aus dem Bericht: „Zirka 15 Cent kriegt der Betrieb von Aldi Süd pro Ei.“ In Deutschland kosten Bio-Eier ab Packstelle im Schnitt 26 Cent pro Stück, berichtet die Agrarmarkt-Informationsgesellschaft AMI. Soviel zahlt der Kunde bei Aldi für ein Bio-Ei.


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Kommentar von Frederic |

Das Magazin "Marktcheck" wird nicht wie oben angegeben vom WDR produziert, sondern vom SWR. Die genannte Sendung lief schon am 13.6.2017 (unter dem Video auf der verlinkten Seite steht fälschlich "13. Mai"). Warum berichten Sie erst jetzt darüber?
Die Seite zur Sendung ist seit dem 14.6. nicht mehr aktualisiert worden. Die Redaktion hat offenbar nicht weiter nach den Ergebnissen der Betriebsprüfungen durch Aldi recherchiert. Schlechter Sensationsjournalismus ohne Nachhaltigkeit. Vielleicht können Sie ja mal beim SWR nachfragen und dann hier berichten. Dafür vielen Dank im voraus!
Über die Rechercheergebnisse selbst wundere ich mich angesichts der Aldi-Dumpingpreise für (Bio-)Eier nicht.
Schöne Grüße aus dem Aldi-Nord-Gebiet!

Antwort von Redaktion

Vielen Dank für den Hinweis. Selbstverständlich war es der SWR. Wir haben die Info angepasst.

Kommentar von Georg Rieck |

Ich will ja nicht klugscheissern....
aber das ist haargenau das, was zu erwarten ist, wenn die LEH - Macher Bio in die Hände kriegen.
Man erinnere sich: in den 70iger Jahren , als Tante Emma tot war, haben die Konzernlenker damit angefangen, die Kalkulation auf den Kopf zu stellen. Man verbrüdert sich mit dem Kunden durch billigbillig. Du bist mein Kumpel, du kriegst alles billig. Das billig bezahlen sie aber nicht selbst, sondern quetschen die Vorlieferanten aus. Und das ist der Motor für den Qualitätsverlust.
Wir haben die Bioläden gegründet, mit dem Ziel, die Kalkulation wieder auf die Füße zu stellen (gerechter Preis), und damit den Produkten des ökologischen Landbaus den notwendigen Schutzraum zu erhalten, den er braucht, um seine besonderen Qualitäten erhalten zu können.
Wenn der LEH jetzt die Bioprodukte diesem fürchterlichen, zerstörenden Mechanismus aussetzt ist "BIO" schneller tot, als wir überhaupt piep sagen können...15 cent für ein Bio-Ei - das ist ein Hohn! wir zahlen 43 cent für ein bio - mobil Ei, und zwar weil der Bauer das braucht! Nur so herum geht Bio!
Georg Rieck

Kommentar von Frederic |

@Georg Rieck:
"das ist haargenau das, was zu erwarten ist, wenn die LEH-Macher Bio in die Hände kriegen." - Wollen Sie dem konventionellen LEH den Verkauf von Bio-Produkten verbieten? Auf welcher Rechtsgrundlage?
Dieses Thema ist immer eine Gratwanderung zwischen optimalen ökologischen und sozialen Bedingungen in der Produktion und im Handel einerseits (die notwendigerweise Mehrkosten verursachen) und den Möglichkeiten, breite Bevölkerungsschichten überhaupt erst in Kontakt mit Bio-Produkten zu bringen und auch ärmeren Menschen deren Kauf zu ermöglichen. Ist es nicht besser, wenn ein/e ALG2-Empfänger/in bei ALDI Bio-Milch statt konventioneller kaufen kann? - Ja, ich weiß, vegan ist ökologisch besser, aber das ist leider für die meisten Menschen kein Thema. Und wenn sie schon Milch kaufen, dann doch lieber bescheidener EU-Bio-Standard als konventionelle Produkte.
Da man dem konventionellen LEH den Verkauf von Bio-Produkten nicht verbieten kann, muss der Weg über strengere gesetzliche Regelungen, zumindest in der gesamten EU, und insbesondere die konsequentere Überwachung deren Einhaltung gehen. Dafür gibt es leider auf absehbare Zeit weder in Deutschland noch in der EU politische Mehrheiten.
Schönen Gruß!



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