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Spiegel: Zurechtgebogene Fakten

von Leo Frühschütz (Kommentare: 2)


Das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet über Schwindel mit Bioprodukten und Landgrabbing für Bio-Rohstoffe aus dem Ausland. Als ein angeblicher Akteur wird die Bioland Markt GmbH genannt. Der eigentliche Skandal liegt eher im Umgang des Spiegels mit den Fakten, meint unser Autor, der den Artikel analysiert hat.

Das anscheinend Aufregende an der Spiegel-Geschichte ist die Nachricht, dass das Hamburger Investmenthaus MPC Capital mit Hilfe eines Bio Agrar Fonds 250 Millionen Euro eingesammeln und in 40.000 Hektar Fläche in Zentral- und Osteuropa investieren will. Der Spiegel behauptet, es gebe einen Prospekt, auf dem neben der MPC Capital auch die Bioland Markt stehe. Erweckt wird der Eindruck, das Unternehmen (und der Verband Bioland, der längste keine Anteile mehr an der Bioland Markt hält), betreiben Landgrabbing.

Zwar zitiert der Spiegel indirekt einen Sprecher der Bioland-Markt: „Es habe sich um ein Konzept gehandelt, das nicht umgesetzt wurde“. Gegenüber bio-markt.info erklärte das Thilo von Schwerin, Geschäftsführer der Bioland Agrar, einer Schwesterfirma der Bioland Markt, so: „Im Jahr 2015 wurde in viele Richtungen gedacht und getestet. Bei der erwähnten Broschüre ging es um ein Konzeptpapier von MPC und uns, der dort geplante Fonds wurde aber verworfen und nie umgesetzt.“ Dennoch tut der Spiegel so, als sei der Fonds Realität. Dabei lässt sich das ganz einfach überprüfen:

Der behauptete Fonds existiert nicht

Jeder Fonds, der Anlieger wirbt, muss einen Verkaufsprospekt vorlegen und zur Prüfung einreichen. Tatsächlich gibt es in der Datenbank der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) keinen Verkaufsprospekt eines Bio-Agrar-Fonds, weder von MPC noch von Bioland Markt oder einem anderen Emittenten. Der behauptete Bio Agrar Fonds existiert also nicht. Hätte der Spiegel das nachgeprüft, wäre die ganze Geschichte gestorben.

Statt dessen verküpft der Spiegel den nicht existierenden Fonds mit dem Kauf eines Betrieb im rumänischen Siebenbürgen, der 1.200 Hektar in Pacht bewirtschaftet. Diesen hatte die Bioland Markt bereits im März 2016 kommuniziert. Dabei handelte es sich allerdings nicht um den Erwerb von Land, sondern um die Übernahme eines rumänischen Betriebs, der seinerseits von rund 750 Kleinbauern die Flächen gepachtet hatte und sie bewirtschaftete. Nach Angaben von Bioland Markt erhalten diese Kleinbauern „eine faire Pacht, welche regelmäßig und sicher ausgezahlt wird.“ Landgrabbing sieh anders aus.

Ziel: Die Qualität von Importen sichern

Laut Bioland Markt dienen diese und weitere geplante Aktivitäten dazu, die Versorgung des deutschen Biomarktes mit hochwertigen (Eiweiß-)futtermitteln sicherzustellen. Denn diese können auf absehbare Zeit nicht regional erzeugt werden. Das Klima in Südosteuropa sei „oftmals besser geeignet, eiweißhaltige Pflanzen wie z.B. Sonnenblumen, Soja, Erbsen und Luzerne in nachhaltiger Fruchtfolge für den dynamisch wachsenden deutschen Markt zu produzieren; Rohwaren, die für viehhaltende Ökolandwirte und weiterverarbeitende Betriebe in Deutschland händeringend gebraucht werden“, schreibt Bioland Markt. Das Unternehmen hat dazu ein eigenes Qualitätssystem namens Argus entwickelt, um sicherzustellen, dass keine Ware aus dubiosen Quellen an deutsche Bioverbands-Betriebe geliefert wird.

Auch der Spiegel verweist auf die altbekannten Lieferungen belasteter Futtermittel aus Rumänien und der Ukraine in den Jahren 2014 und 2015. Allerdings ohne dabei zu berichten, dass gerade die Bio-Verbände ihre Qualitätsarbeit in diesem Bereich deutlich verbessert haben. So wurde die Lieferung belasteter Sonnenblumenkerne aus Rumänien 2015 von der Qualitätssicherung der Verbands-Futtermühlen aufgedeckt.

Aufgewärmte Karotten

Aber das passt wohl nicht zu der Absicht des Artikels. Deshalb wärmt der Spiegel die Umdeklaration niederländischer Bio-Karotten zu deutscher Verbandsware durch die Marktgenossenschaft der Naturlandbauern auf, die im letzten November bekannt wurde. Für die Überschrift wurden die Tonnen in Kilogramm „falsche Möhren“ umgerechnet, damit die Zahl möglichst eindrucksvoll erscheint. Der Titel erweckt den Eindruck, dass es sich um umdeklarierte konventionelle Ware handle. Erst weit hinten im Text wird klargestellt, dass EU-Bio zu Verbandsware wurde. Auch einige alte Vergehen der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof haben ihren Weg aus dem Archiv in das aktuelle Spiegel-Heft gefunden.

(Bild: Fotolia.com)


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Kommentar von Anna John |

Solche Spiegel-Meldungen sind Katastrophal. In Gesprächen hat man kaum die Chance die Sache richtig zu stellen. Bio wird wieder einmal - ohne Not - diskreditiert. Nur damit ein Magazin seine Auflage hoch halten kann. Solche Nachrichten zirkulieren dann ewig im Netz. Wenn es auch nicht viel bringt, sollte man den Spiegel dazu bringen eine Richtigstellung zu drucken.

Kommentar von Georg Keckl |

Sehr geehrter Herr Frühschütz,

Sie schreiben:
1: ZITAT „Dennoch tut der Spiegel so, als sei der Fonds Realität.“ ZITAT ENDE Das ist nirgends im Artikel zu lesen.
2: ZITAT „Der behauptete Fonds existiert nicht“. ZITAT ENDE Das behauptet der Spiegel nicht, Ihr Beweis ist ein Demente auf etwas, was nicht im Spiegel steht.
3: ZITAT „Hätte der Spiegel das nachgeprüft, wäre die ganze Geschichte gestorben.“ ZITAT ENDE Sie wiederholen ständig ihre bewusst falsche These, um es mal neutral zu sagen, der Spiegel hätte was behauptet, was er nicht tat. Leider siegt in der politischen Rhetorik nicht derjenige, der die besseren Argumente hat, meint der Soziologe Rainer Paris in DLF, sondern derjenige, der sich am besten gegen fremde Argumente abschottet und auf unermüdliche Wiederholung der eigenen setzt. Mit Ihrem Artikel wird die These bestätigt.
4: ZITAT „Statt dessen verküpft der Spiegel den nicht existierenden Fonds mit dem Kauf eines Betrieb im rumänischen Siebenbürgen, der 1.200 Hektar in Pacht bewirtschaftet. Dabei handelte es sich allerdings nicht um den Erwerb von Land, sondern um die Übernahme eines rumänischen Betriebs, der seinerseits von rund 750 Kleinbauern die Flächen gepachtet hatte und sie bewirtschaftete. ZITAT ENDE Der Spiegel schrieb nicht, dass Land gekauft wurde, sondern sich Anteile an dem Betrieb gekauft wurden, der dieses Land gepachtet hat. Wenn ich heute einen Bauernhof kaufe oder mich beteilige, kauf ich doch nicht das Land mit, das der gepachtet hat. ZITAT SPIEGEL 15/2017 Seite 74: „Und in Rumänien kaufte sich diese Firma bereits in einem Betrieb ein, der 1200 Hektar in Pacht bewirtschaftet. ZITAT SPIEGEL ENDE. Sie konstruieren hier wieder eine Stimmung.
5: ZITAT: „Laut Bioland Markt dienen diese und weitere geplante Aktivitäten dazu, die Versorgung des deutschen Biomarktes mit hochwertigen (Eiweiß-)futtermitteln sicherzustellen.“ ZITAT ENDE Sehr geehrter Herr Frühschütz, hier hätten Sie Gelegenheit, echte PR-Lügen aufzudecken, die von Bioland an die Verbraucher, ZITAT BIOLAND: "Die Anzahl der Tiere auf einem Biohof richtet sich dabei nach der Größe der hofeigenen Felder und Weiden, damit die Tiere mit eigenem Futter ernährt werden können und der Boden nicht überdüngt wird." siehe Bioland Prinzip Nr. 1 (Kreislaufwirtschaft), Unterpunkt 3 (Gesunde Tiere) in http://www.bioland.de/fileadmin/dateien/HP_Dokumente/Flyer_und_Broschueren/Bioland_Brosch_A4_Download.pdf . Hier wird eindeutig der Eindruck erweckt, dem Verbraucher weiß gemacht, Biotiere fressen das Futter, das auf dem Betrieb um sie herum wächst. Sie wissen doch, dass das gelogen ist, dass es ohne externe Futterzukäufe von Futtermühlen/-mischern nicht geht, so wenig wie bei konvi. Bio Futter muß nur zu ca. 50% auf eigenen Flächen wachsen (Wiederkäuer und Pferde 60%), siehe Seite 5 und 6 in http://www.bioland.de/fileadmin/dateien/HP_Dokumente/Richtlinien/Vergleich-BL-EGVO_3._Maerz_2017_mit__Begruendung.pdf und Sie wissen auch, woher Bio-Soja heute noch vorwiegend kommt. Wer täuscht denn hier? Sie können 100% inländische Futterversorgung sehr schnell bekommen, ist nur eine Frage Preises, den sie den Erzeugern für die Futterrohstoffe zahlen. Sagen Sie das mal ehrlich den Bio-Markt-Kunden.
6: ZITAT „Aber das passt wohl nicht zu der Absicht des Artikels. Deshalb wärmt der Spiegel die Umdeklaration niederländischer Bio-Karotten zu deutscher Verbandsware durch die Marktgenossenschaft der Naturlandbauern auf, die im letzten November bekannt wurde..... Der Titel erweckt den Eindruck, dass es sich um umdeklarierte konventionelle Ware handle. Erst weit hinten im Text wird klargestellt, dass EU-Bio zu Verbandsware wurde.“ ZITAT ENDE Der Titel des Spiegel-Artikel läßt in keiner Weise darauf schließen, bzw. erweckt nicht den Eindruck, dass hier konventionelle Ware umdeklariert wurde. Es wurde eindeutig gesagt, dass EU-Ware in Verbandsware umdeklariert wurde. Der SPIEGEL hätte nicht der Naturlandmöhren bedurft, das gehört bei Bioland auch zur gewohnten Praxis, siehe Seite 3 in http://www.bauernstimme.de/fileadmin/Dokumente/Verlag/Bauernstimme.pdf/pdf-14/12-2014.pdf, ZITAT: „Natürlich soll Bio am Markt immer in ausreichender Qualität und Menge verfügbar sein. Die scheinbar allgegenwärtige Aufwertung von EU-Bioware auf Verbandsniveau muss aber nachdenklich machen.“ Beispiele für Bioland sind den Artikel aufgeführt. Nicht alles wo Bioland drauf steht, wurde als solches erzeugt.

Grüße: Georg Keckl



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