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Kontrolle in Drittländern: EU lässt Beschwerden liegen

von Redaktion (Kommentare: 0)


Die EU-Kommission lässt detaillierte Beschwerden über mutmaßlichen Pfusch bei der Kontrolle in Drittländern jahrelang untätig liegen anstatt die Vorwürfe vor Ort zu überprüfen. Diesen Vorwurf erhebt die taz in einem Bericht am Beispiel von äthiopischen Bio-Kaffee.

Die Beschwerden betreffen die Arbeit der äthiopischen Niederlassungen der weltweit tätigen Öko-Zertifizierer Kiwa BCS und Control Union. Sie sollen Produzenten von hunderten Tonnen Kaffee trotz Verstößen gegen wichtige Ökovorschriften das Bio-Siegel gegeben haben. Verschickt hatte die Beschwerden bereits 2013 Albrecht Benzing, Leiter der deutschen Kontrollstelle Ceres und ebenfalls seit langem in der Auslandskontrolle und in Äthiopien tätig.

Ceres hatte die betroffenen Betriebe kontrolliert, als diese von BCS zu Ceres wechselten. Dabei handelte es sich laut taz um Kleinbauern-Zusammenschlüsse mit Zehntausenden von Mitgliedern, bei denen das interne Kontrollsystem nicht funktionierte und der Kaffee nicht zu den Erzeugern zurückverfolgt werden konnte. Laut taz hatte Benzing 2016 weitere Fälle an die EU-Kommission gemeldet. So hätten bei einer Ceres-Kontrolle Mitglieder einer Gruppe von Sesam-Erzeugern zugegeben, dass sie auf Flächen, auf denen angeblich Ökolandbau betrieben werden sollte, verbotene Düngerarten und Pestizide benutzt hätten.

„Die Tatsache, dass die Bauern ,frei von der Leber weg' mit unseren Inspektorinnen darüber plauderten, ohne etwas zu verstecken zu versuchen, zeigt, dass sie entweder keine Ahnung hatten, überhaupt Teil eines Bioprojekts zu sein, oder nicht wussten, was ‚bio‘ bedeutet“, zitierte die taz Benzing. Dies zeige, dass offensichtlich nie echte Inspektionen stattgefunden hätten. BCS und Control Union hätten auf Bitten um Stellungnahme nicht reagiert, schreibt die taz und auch die wiedergegebenen Antworten der EU-Kommission waren dünn.

EU: Wenig Verständis und wenig Personal

Die EU-Kommission ist personell und finanziell nicht in der Lage, die von ihr in Drittländern für die Importgenehmigungen zugelassenen Zertifizierer angemessen zu kontrollieren. Immerhin sind 55 Kontrollstellen (viele mit zahlreichen Niederlassungen) für insgesamt mehr als 100 Staaten zugelassen. Kontrolliert werden sie nicht von der für den Ökolandbau zuständigen Generaldirektion Landwirtschaft, sondern von der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz. Deren Food and Veterinary Office (FVO) ist für die gesamte, auch konventionelle, Lebensmittelkette in der EU zuständig und schafft deshalb im Schnitt pro Jahr nur sechs bis sieben Audits von Kontrollstellen in einem Nicht-EU-Land.

China:  Genau Hinsehen lohnt sich

Dass Äthiopien kein Einzelfall ist, machte auf der BioFach eine Veranstaltung zu Bio-Importen aus China deutlich. Allein 2016 gingen in der EU-Datenbank OFIS 59 Meldungen ein, die Unregelmäßigkeiten bei Bio-Importen aus China betrafen. Damit lag China noch vor der Türkei, Ukraine oder Indien. Albert Benzing berichtete auf der Veranstaltung über die kulturellen Schwierigkeiten bei der Kontrolle von Kleinbauernorganisationen, die oft von lokalen Parteikadern dominiert würden. Und er nannte ein erschreckendes Beispiel: Ein heimischer Kontrolleur, den er wegen erwiesener Bestechlichkeit entlassen hatte, arbeitet jetzt beim chinesischen Büro einer großen europäischen Kontrollstelle und schult dort junge Kollegen. Mit am Tisch saß eine hochrangige Vertreterin des Food and Veterinary Office der EU - mal schauen, was passiert.


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