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Irreführung: Bambusbecher aus Plastik

von Redaktion (Kommentare: 0)


Öko-Geschirr aus Bambus besteht zu einem großen Teil aus Kunststoff. Das teilte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA) mit. Es beanstandete alle untersuchten Produkte,vor allem Coffee-to-go-Mehrwegbecher, wegen Irreführung oder Überschreitung von Grenzwerten.

Das CVUA hatte 45 Gegenstände für den Kontakt mit Lebensmitteln untersucht, die mit dem Material Bambus beworben wurden. Bei zehn Proben handelte es um Gegenstände aus Bambusholz wie Schneidbretter oder Salatschüsseln. „Bei den restlichen 35 Proben, davon etwa die Hälfte Coffee-to-go-Becher, handelte es sich um Kunststoffgegenstände, die fein zerkleinertes Bambusholz und Maisstärke allenfalls als Füllstoffe enthielten“, schreibt das CVUA: „Der verwendete Kunststoff war oft Melaminharz. Es wurden jedoch auch andere Kunststoffe, wie Harnstoff-Formaldehyd-Harze identifiziert.“ Manchmal sei die Innenseite zusätzlich mit einem Kunststoff beschichtet gewesen.

Falsche oder irreführende Werbeversprechen

Der Einsatz von Kunstharz wird jedoch nicht kommuniziert. „Viele Anbieter des Bambusgeschirrs überbieten sich gegenseitig mit Versprechen in puncto Nachhaltigkeit, Recycelbarkeit und Natürlichkeit“, schreibt das CVUA und zitiert Werbeaussagen wie „umweltfreundlich“, „aus nachwachsendem Rohstoff“ und „biologisch abbaubar“ als Beispiele. Die Werbeaussagen würden stets Bambus als Material in den Fokus rücken. „Bei einem Teil der Anbieter fällt der enthaltene Kunststoff schlicht unter den Tisch, andere Anbieter verschleiern ihn durch Verwendung ungebräuchlicher Bezeichnungen wie „Resin“ oder „natürliches Harz“, erläutert die Behörde. Auch gebe es Anbieter, die explizit mit nicht zutreffenden Aussagen wie „100 % Bambus“ oder „Die Alternative zu Kunststoff“ werben. Neben der irreführenden Werbung gingen bei elf der 35 Proben „zum Teil erhebliche Mengen Melamin und/oder Formaldehyd aus den Gegenständen in die darin befindlichen Prüflebensmittel über“. Die gesetzlichen Höchstmengen seien teils deutlich überschritten worden.

Erneute Bestätigung der Ergebnisse

Das Fazit der Behörde: „Zusammenfassend waren somit alle 35 Proben als nicht verkehrsfähig zu beurteilen.“ Zu finden seien die beanstandeten Produkte im Internethandel, in Lifestyle-, Einrichtungs-, Bio- oder Weltläden. 2014 hatte das CVUA erstmals auf Bambusgeschirr aus Plastik hingewiesen und stellte nun fest: „Besserung ist nicht in Sicht“. Dabei sieht die Behörde Mehrwegbecher und –geschirr durchaus positiv, sofern es „dem bestimmungsgemäßen Gebrauch standhält und der Verbraucher nicht über die wahre Identität des Materials getäuscht wird.“


Stichworte:

Forschung und Studien

Lebensmittelqualität

Verpackung - Bioplastik


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