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Insolvenzbetrug: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bio-Bäckerei

von Leo Frühschütz (Kommentare: 0)


© Tim Reckmann/Pixelio www.pixelio.de

Hannover erlebt gerade einen Wirtschaftskrimi. In dessen Mittelpunkt steht die Bio-Bäckerei Doppelkorn. Im März 2017 hatte der bisherige Eigentümer Manfred Dust den Betrieb mit zwölf Filialen verkauft. Der neue Besitzer Manuel Pietrusky steuerte die 1984 gegründete Bio-Bäckerei anscheinend gezielt in die Pleite. Deshalb ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft.

Beim Verkauf im April war noch von drei neuen Filialen die Rede und dass alle Mitarbeiter übernommen und mindestens ein Jahr lang weiterbeschäftigt werden sollten. Doch schon im Juni berichtete die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) von einer Filialschließung und Konflikten zwischen der Belegschaft und dem neuen Chef. Der Text vermittelte den Eindruck, dass da ein smarter Betriebswirt endlich Ordnung in einen bisher eher lässig geführten Alternativbetrieb bringe. „Die Logik der Betriebswirtschaft stieß auf eine Betriebskultur, die solch ein Denken nicht gewohnt war“, schrieb der Autor.

Lieferungen nicht bezahlt, Filialen geschlossen

Am 26. Juli meldete die HAZ, dass Pietrusky die Bäckerei an einen englischen Investor weiterverkauft habe. Auf einer Betriebsversammlung seien die 120 Mitarbeiter informiert worden, dass alle Fillialen „demnächst für einige Zeit geschlossen bleiben, neu gestaltet und anschließend unter dem Namen bio-active weiter geführt werden.“ Einen Tag später schrieb die HAZ, dass alle Filialen geschlossen wurden.

Der Grund dafür: Petrusky habe bereits bezahlte Gelder für Lieferungen am 24. Juli wieder zurückgerufen, berichtete die Neue Presse (NP). Daraufhin hätten Lieferanten wie Bohlsener Mühle, Getreide-Anbietergemeinschaft Wendhausen (GAW) und Gut Ro­senkrantz ihre Rohwaren am 25. Juli aus der Produktionsstätte in Laatzen abgeholt, worauf die Bäckerei ihre Produktion einstellte. Insgesamt soll es sich um 150.000 Euro gehandelt haben, schrieb die HAZ und zitierte den Geschäftsführer Ernst-Friedemann von Münchhausen von Gut Rosenkrantz: „Das sieht nach einem betrügerischen Bankrott aus.“

Die Staatsanwaltschaft ermittelt aufgrund einer Anzeige inzwischen wegen Bankrotts und Insolvenzverschleppung. Die NP schrieb dazu, dass es zwischen 2004 und 2008 acht Betrugsverfahren gegen Manuel Pietrusky gegeben haben soll, die allerdings alle eingestellt worden seien.

Amtsgericht lehnt Insolvenzantrag ab

Juristisch diffizil ist die Frage, wem die Vollkornbäckerei Doppelkorn GmbH eigentlich gehört. Verkauft hat Pietrusky sie den Medienberichten zufolge an den früheren österreichischen Bob-Olympiasieger Gerd Haidacher. Dieser hat auch Pietruskys Firma Black Enterprise Invest GmbH übernommen. Während er dort auch als neuer Geschäftsführer eingetragen ist, fehlt bei der Vollkornbäckerei Doppelkorn GmbH diese Eintragung im Handelsregister. Deshalb hatte das Amtsgericht Hannover einen Insolvenzantrag Haidachers abgelehnt: „Der Antrag kann nicht bearbeitet werden, weil Haidacher nicht antragsberechtigt, kein Geschäftsführer ist“, zitierte NP den Sprecher des Gerichts. Solange kein Insolvenzantrag gestellt ist, erhalten die Mitarbeiter auch kein Insolvenzgeld, sie stehen also derzeit vor dem Nichts.

Manfred Dust: "Geld war als Altersvorsorge gedacht"

Auch für den früheren Eigentümer Manfred Dust sieht es düster aus. Pietrusky sollte Bürgschaften in Höhe von 100.000 Euro übernehmen, hat dies aber nicht getan. Nun kann es passieren, dass die Gläubiger Dust zur Kasse bitten. Dabei hat er nicht einmal den vollen Kaufpreis bekommen. Bisher hatte Pietrusky nur ein Viertel der vereinbarten Summe gezahlt, der Rest sollte in mehreren Raten bis 2020 fließen.

„Das Geld war als Altersvorsorge gedacht. Ich dachte, ich hätte einen seriösen Nachfolger gefunden“, sagte Dust gegenüber bio-markt.info. Für ihn stellt sich die Frage, ob Pietrusky alles von Anfang an so geplant habe oder einfach überfordert gewesen sei. „Doch dazu passt nicht, dass er anscheinend die Konten geräumt hat.“ Auch sollen seit Mai keine Krankenkassenbeiträge mehr gezahlt worden sein. „Das alles ist eine Riesenschweinerei und ein Drama für die Mitarbeiter.“


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