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Glyphosat und Krebs: Bayer kommt vor Gericht

von Leo Frühschütz (Kommentare: 1)


Landmaschine spritzt Glyphosat
Das Ackergift Glyphosat steht im Verdacht, Lymphdrüsenkrebs auszulösen. © Pixabay/hpgruesen

Die Sammelklage von 450 Krebspatienten, die den Hersteller Monsanto und dessen glyphosathaltiges Pestizid Roundup für ihre Erkrankung verantwortlich machen, hat eine entscheidende Hürde genommen. Ein Bundesrichter in San Francisco erklärte die von den Klägern vorgelegten Belege für ausreichend substantiell, um die Verhandlung fortzuführen. Der von Bayer übernommene Hersteller Monsanto scheiterte mit seinem Antrag, das Verfahren einzustellen.

Richter erklärt Klagen von Krebspatienten für zulässig

Zwei Jahren lang hatte sich Richter Vince Chhabria sich die Argumente der Kläger und Monsantos sowie der jeweiligen Experten angehört. Er zwang den Konzern dazu, interne E-Mails zu veröffentlichen, die als Monsanto Papers bekannt wurden und belegten, wie der Konzern Behörden und Wissenschaftler beeinflusste. Nun kam Richter Chhabria in seinem abschließenden Bericht zu dem Ergebnis, dass die Klagen zulässig seien. Die Beweise dafür, dass Glyphosat Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom) auslöse, seien zwar schwach, aber wissenschaftlich seriös begründet. Eine Jury könnte auf dieser Basis zu dem Ergebnis kommen, dass Glyphosat in umweltrelevanten Konzentrationen Krebs auslösen könne. Auf die Klägerseite komme als nächstes die Herausforderung zu, in einigen der anhängigen Fälle zu belegen, dass Glyphosat in den Mengen, denen Anwender üblicherweise ausgesetzt seien, ein Non-Hodgkin Lymphom verursachen könnte. Nur dann sei ein Verfahren vor einer Geschworenen-Jury zu rechtfertigen, schrieb der Richter.

Verfahren könnte bis Mitte August dauern

Dewayne Johnson hat all diese Hürden schon hinter sich. Der krebskranke Schulgärtner ist der erste Kläger gegen Monsanto/Bayer, dessen Fall vor einer Jury verhandelt wird. Letzten Montag begann das Verfahren mit den Statements des Klägers und des Konzerns. Im Vorfeld hatte die Anwältin des Konzerns bei der zweieinhalbtägigen Befragung der Jury versucht, kritisch gegenüber Chemikalien eingestellte Geschworene ausfindig zu machen und deren Berufung zu verhindern, berichtete die Bürgerrechtsorganisation U.S. Right to Know. Den schließlich berufenen zwölf Geschworenen sei angekündigt worden, sie sollten sich darauf einrichten, dass das Verfahren bis Mitte August dauern werde.

Mit dem Kauf des beklagten Glyphosatherstellers Monsanto hat der Bayer-Konzern auch dessen Prozessrisiken übernommen. „Folgerichtig muss man jetzt von den Bayer-Glyphosat-Prozessen sprechen“, sagte Harald Ebner, der Gentechnik-Sprecher der grünen Bundestagsfraktion. In den Verhandlungen werde sich zeigen, „was an den Läuterungsversprechungen von Bayer für seinen neuen Unternehmensteil dran ist.“


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Kommentar von susanne roß |

Ich finde es sehr bedauerlich, dass solche Kagen in Deutschland in der Form nicht stattfinden können. Ich habe mir in einer asbestverseuchten Schule der 70er Jahre wohl meinen Ovarial-Krebs hauptursächlich gefangen. In den USA klagen gerade Frauen gegen Johnson&Johnson wg diesem nachgewiesenen Zusammenhang. Warum eine profitgeile
Wirtschaft Menschen töten darf, ist mir unerklärlich.



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