Anzeige

Glyphosat: Brüssel will Zulassung um 10 Jahre verlängern

von Redaktion (Kommentare: 2)


Der zuständige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hat am Dienstag einen Vorschlag präsentiert, der vorsieht, den Herbizidwirkstoff Glyphosat für weitere zehn Jahre in der Europäischen Union zuzulassen. Die Verwendung von Glyphosat vor der Ernte, in öffentlichen Parks und auf Spielplätzen soll dem Vernehmen nach EU-weit verboten werden. Außerdem bleibt das Netzmittel Tallowamin nicht erlaubt.

Dieser Vorschlag wird u.a. vom BNN und von den Grünen im Europaparlament scharf kritisiert.„Die deutliche Mehrheit der deutschen Bevölkerung lehnt eine Zulassungsverlängerung von Glyphosat ab. Dies zieht sich durch alle Bevölkerungsteile, egal, ob Bio-Käufer oder nicht. Ähnlich sieht es in anderen europäischen Mitgliedsstaaten aus."

Kürzlich habe EU-Agrarkommissar Phil Hogan im Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments hervorgehoben, dass man den Wirkstoff "bis zum Überdruss" analysiert habe. Dass mehrere dieser Untersuchungen der massiven Beeinflussung durch Herbizidhersteller unterliegen, berichtete im Frühjahr die New York Times. Viele unabhängige Studien unterstreichen aber die zahlreichen Gefahren für Umwelt und Gesundheit, die von Glyphosat ausgehen. "Hier wird Lobbypolitik gegen das Votum der Bevölkerung gemacht und das Vorsorgeprinzip ignoriert“, kritisiert Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V.

Auch dem oft angeführten Argument, es sei nicht möglich, die Weltbevölkerung ohne Pestizide zu ernähren, begegneten unlängst zwei UNO-Sonderberichterstatter. Sie kommen zu einem gänzlich anderen Schluss. Nähere Informationen hierzu im BNN-Verbandsmagazin „UNO-Bericht: Schluss mit den Pestiziden!

Martin Häusling, agrar- und umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament hält den Vorschlag für inhaltlich und im Demokratieverständnis ignorant: „Dieser Vorschlag ist ein Schlag ins Gesicht für die dreiviertel Millionen Bürgerinnen und Bürger, die in den letzten Wochen die Europäische Bürgerinitiative Glyphosat mitgezeichnet haben und deren erfolgreicher Abschluss Ende Juni zu erwarten ist. Keine der Forderungen - ein EU-weites Verbot vorzuschlagen, das Verfahren für die Genehmigung des Pestizids zu reformieren und EU-weit verbindliche Reduktionsziele für den Einsatz von Pestiziden festzulegen – finde sich in dem jetzt vorgelegten Vorschlag wider.

Jetzt hätten es die Mitgliedstaaten in der Hand, den Vorschlag abzulehnen oder zumindest so nicht passieren zu lassen, erklärt Häusling. "Was wir brauchen, ist eine europaweite und keine zersplitterte Lösung, die mehr Probleme schafft als sie löst. Denn die Mitgliedsstaaten können den schwachen EU-Vorschlag national allenfalls durch weitere Auflagen beschränken, aber keine nationalen Verbote erlassen." Insbesondere Umweltministerin Barbara Hendricks müsse jetzt unter Beweis stellen, dass sie ihren Worten, einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft in Europa einen Riegel vorzuschieben, auch Taten folgen lassen kann.

Eine Entscheidung zur weiteren Zulassung von Glyphosat muss bis spätestens Ende 2017 getroffen werden; dann läuft die Genehmigung aus. Die Kommission hatte die Zulassung des Wirkstoffs Anfang Juli 2016 um 18 Monate verlängert, nachdem zuvor die 28 Mitgliedsländer in den zuständigen EU-Ausschüssen zu keiner qualifizierten Mehrheit für oder gegen die Neuzulassung des Herbizidwirkstoffs gekommen waren.


Stichworte:

Europa

Gentechnik

Politik

Landwirtschaft


zur Startseite/alle Meldungen

Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!


Kommentar von Peter Wagner |

Phil Hogan,
habe ich mir ebenfalls "zum Überdruß" angehört mit seinen dummen Behauptungen zu Glyphosat und angeblichen Verunreinigungen von Biolebensmittel mit Herbiziden und Fungiziden.
Läßt sich solch ein unfähiger EU-Kommissar nicht aus dem Amt jagen????

Peter Wagner

Kommentar von Sahlender Michael |

Unglaublich,wie wenig die Interessen der Bevölkerung berücksichtigt werden.ich selber habe nicht gezählt,wie oft ich die einzelnen Petitionen gegen Glyphosat unterschrieben habe-am Ende bin ich doch fast verzagt-Aber ich habe immer wieder gegen Glyphosat unterschrieben.
Bioland Bäcker seit 1987
M.Sahlender



Newsletter bestellen

Anzeige

Anzeige