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Gentechnik: BNN kritisiert die Entscheidung von EU-Generalanwalt Michael Bobek

von Redaktion (Kommentare: 0)


Der Bundesverband Naturkost Naturwaren hat sich zu den Schlussanträgen geäußert, die EU- Generalanwalt Michael Bobek im Januar im Bezug auf neue Gentechnikverfaren veröffentlicht hatte. „Leider bringen seine Aussagen nicht die Klarheit, die man sich gewünscht hätte“, bemängelt der BNN in einem Rundschreiben.

Kirsten Arp, beim BNN verantwortlich für den Bereich ökologische Züchtung, kommentiert: „Positiv hervorzuheben ist, dass Generalanwalt Bobek bestätigt, dass für die Definition eines GVO keine fremde DNS vorliegen muss, sondern dass es ausreiche, wenn das genetische Material so verändert ist, wie es auf natürliche Weise nicht vorkommt. Damit unterstreicht er den Prozessansatz der GVO-Richtlinie. Bedauernswert ist, dass die Aussage nicht noch deutlicher ausgefällt. Denn die biologische und gentechnikfreie Landwirtschaft braucht dringend Rechtssicherheit. Es darf keine neuartige Gentechnik ohne Risikoprüfung und Kennzeichnung auf den Markt kommen. Insbesondere muss der Europäische Gerichtshof klarstellen, dass Nutzer der neuen Gentechniken die Verfahren nicht ungeprüft als Mutagenese zu bezeichnen dürfen. Denn auf diese Art will man trotz Verwendung rekombinanter Nukleinsäuren unter den Ausnahmetatbestandfallen..“

Mutagenese und Genome Editing: Kirsten Arp erklärt die Unterschiede

Mutagenese bezeichnet eigentlich das Herbeiführen von Mutationen (nicht zielgerichtet) durch Bestrahlung oder Chemikalien. Aus dieser Vielzahl werden dann diejenigen Mutationen herausgesucht, die erwünscht sind. Diese klassische Mutagenese hatte der Gesetzgeber im Auge bei seiner Ausnahme im Gentechnikrecht, da diese Sorten damals schon länger im Einsatz waren und man deshalb 1. das Rad kaum zurückdrehen konnte und 2. es keine Hinweise auf Probleme gab.

Genome Editing nimmt gezielte Eingriffe ins Erbgut vor, in der Regel unter zu Hilfenahme von rekombinanter (künstlicher) DNS. Insbesondere die Befürworter der neuen Gentechniken nennen die Verfahren gern „gezielte Mutagenese“. Diese Namensgebung beruht aus meiner Sicht hauptsächlich auf der Hoffnung, dadurch eben nicht unter das Gentechnikrecht zu fallen, obwohl es sich um einen tiefen und technischen Eingriff in das Erbgut handelt und die Unterschiede zur klassischen Mutagenese groß sind.

Die Einschätzung des Generalanwalts ist nicht bindend für den EuGH. Eine endgültige Entscheidung wird Mitte des Jahres erwartet. „Sollte die bestehende GVO-Richtlinie nicht ausreichen, um die europäischen Verbraucher, die Gentechnik in der Landwirtschaft mit großer Mehrheit ablehnen, vor ihr zu schützen, sind EU-Kommission, -Parlament und Mitgliedstaaten im Sinne des Vorsorgeprinzips verantwortlich, die bestehende Richtlinie entsprechend an die Gegebenheiten der neuen Techniken anzupassen“, so die Forderung des BNN. Denn genau wie die „alte“ Gentechnik greife auch die neue Gentechnik tief in das Erbgut von Pflanzen und Tieren ein: „Bei der angeblichen Präzision und Sicherheit handelt es sich um einen modernen Mythos. Eine Freisetzung in die Umwelt ohne Risikobewertung ist verantwortungslos, denn rückholbar sind die Organismen nicht“, so der BNN.

 

 


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