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EU verbietet drei Neonicotinoide

von Redaktion (Kommentare: 0)


EU-Flagge
In der EU sind die Neonicotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam für den Einsatz im Freien nicht mehr zugelassen.

Auf Vorschlag der Europäischen Kommission haben die EU-Mitgliedsstaaten drei Bienengift-Pestizide für den Einsatz im Freien verboten. Auch Deutschland unterstützte das Verbot. Für Umweltverbände geht die neue Verordnung jedoch nicht weit genug.

Mit der Entscheidung der Mitgliedstaaten sind die Insektizide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam vollständig im Freien verboten und dürfen nur in Gewächshäusern verwendet werden. Diese drei Substanzen gehören zur Klasse der Neonicotinoide und gelten seit Jahren als extrem giftig für Bienen. Aus diesem Grund hatte die EU ihre Verwendung bereits 2013 eingeschränkt. Ende Februar 2018 hat die EU-Lebensmittelbehörde EFSA eine neue Bewertung vorgelegt, aus der hervorgeht, dass die Substanzen eine Bedrohung für Honigbienen, Hummeln und Wildbienen darstellen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) begründete ihre Zustimmung im Parlament so: "Bienen sind systemrelevant, und was der Biene schadet, muss vom Markt genommen werden."

"Alle Neonicotinoide müssen verboten werden"

Grüne und Umweltverbände sagten, das Verbot sei längst überfällig, aber es gehe ihnen nicht weit genug. "Nicht nur diese drei Stoffe, sondern alle Neonicotinoide müssen verboten werden", sagt die BUND-Pestizid-Expertin Corinna Hölzel: "Sonst können Landwirte leicht einen Stoff durch einen anderen, ähnlich gefährlichen ersetzen". Sie wies darauf hin, dass Neonicotinoide langlebig sind und sich im Boden anreichern: "Sie schädigen auch Bodentiere wie Regenwürmer, Ameisen und Springschwänze." Bundestagsabgeordneter Harald Ebner (Grüne) forderte die Bundesregierung auf, alle Neonicotinoide von Feldern zu verbannen und auch die Einfuhr von Saatgut, das mit nicht zugelassenen Neonicotinoiden behandelt wurde, stoppen.

Bienen an Blüte

Bienen spielen eine wesentliche Rolle in unseren Ökosystemen.
Da Neonicotinoide den Bienen schaden, wurden
drei dieser Pestizide von der EU verboten. © Pixabay/DetBe

Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und Mitglied des EU-Umweltausschusses, sieht das Verbot nur als einen ersten Schritt auf dem Weg zu einer weitgehend chemiefreien Landwirtschaft. Er kommentiert: "Mit dieser Entscheidung, die Deutschland dankenswerterweise nun mitgetragen hat, ist das Roulette für die Artenvielfalt  allerdings noch nicht beendet.  Denn ganz wie vor 40 Jahren beim DDT-Skandal wird es, da die im Gifte im Boden nur schwer abbaubar sind, einen Langzeiteffekt geben. Zum anderen ist nicht nur der aus meiner Sicht  überflüssige und ebenfalls bedenkliche der Einsatz im Gewächshaus weiter möglich. Zum anderen sind zwei weitere Wirkstoffe dieser Nervengifte weiter frei verkäuflich.  Sie sind teilweise sogar im Privatgarten verwendbar, doch welchem Hobbygärtner wird das bewusst?  Wild- und Honigbienen sowie die vielen anderen von den Giften betroffenen Insekten und in der Folge die von ihnen abhängigen Vögel müssen besser geschützt werden. Wir wollen keinen stummen Frühling. Deshalb führt langfristig kein Weg an einer ökologisierten, mindestens weitgehend chemiefreien Landwirtschaft vorbei. Stets wird die Industrie irgendwelche vermeintlich bienenfreundlichen Insektizide auf den Markt bringen. Und immer wird sich irgendwann zeigen, dass sie gefährlicher für unsere Natur sind als zunächst behauptet. Was wir brauchen, ist ein Umdenken, um grundsätzlich zu einem Landbau zu etablieren, der ohne risikoreiche Chemie besteht.“

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