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Ernährungsreport: Deutsche werden zu Kochmuffeln

von Redaktion (Kommentare: 0)


Sie schwingen immer seltener den Kochlöffel, die Leibspeise der meisten heißt Fleisch – und den Bio-Laden als Haupteinkaufsort bevorzugen weniger als noch vor Jahresfrist.

Was der Ernährungsreport 2017 über die Deutschen zutage gebracht hat, kann man durchaus als ernüchternd bezeichnen. Rund 1.000 Bürger ab 14 Jahren hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im vergangenen Jahr zu ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten befragt. Gestern veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, das die Studie in Auftrag gegeben hatte, die Ergebnisse.

Demnach legen zwar 89 Prozent der Befragten Wert auf eine gesunde Ernährung, doch die Hälfte der Interviewten (55 %) bevorzugt zugleich eine schnelle und einfache Zubereitung – vor einem Jahr lag die Zahl noch bei 45 %. Vor allem bei den 19- bis 29-Jährigen soll es fix gehen (72 %), für die Generation der über 60-Jährigen ist das nicht unbedingt ein Kriterium (47 %), wenn es ums Essen geht.

Da verwundert es kaum, dass die Zahl derer, die täglich daheim am Herd stehen, weiter zurückgegangen ist (von 41 % in 2015 auf 39 % in 2016). Noch deutlicher ist der Rückgang bei denen zu spüren, die zwei- bis dreimal pro Woche die Küchenschürze umbinden (von 37 auf 33 %). 11 % gaben an, sie würden niemals kochen. Als Lichtblick erscheint zunächst, dass neun von zehn der 14- bis 18-Jährigen erklärten, sie würden gerne kochen. Doch die Realität spricht eine andere Sprache: Nur jeder Fünfte der Jugendlichen kocht täglich, fast jeder Dritte nie (30 %).   

Beim Ranking der Lieblingsgerichte hat Fleisch die Nase vorn (53 %), gefolgt von Nudelvariationen (38 %). Weit abgeschlagen mit 20 bzw. 15 % liegen Gemüsegerichte bzw. Suppen.

Wissen wollten die Studienleiter auch, wie sich Erwerbstätige, Schüler und Studenten in der Mittagspause ernähren. Ein Ergebnis: Die Kantine hat weiter an Strahlkraft verloren. Nur jeder Fünfte lässt es sich dort regelmäßig schmecken. Die meisten der Befragten(57 %) verpflegen sich selbst und bringen ihr Essen von zuhause mit – im Vorjahr waren es sogar 65 %. Beim Bäcker oder Imbiss versorgen sich 15 % der Befragten, ins Restaurant gehen nur 5 %.  

Favorisierter Einkaufsort: Supermärkte ziehen davon

Große Supermärkte stehen bei den Deutschen immer höher im Kurs: 62 % kaufen dort den Großteil ihrer Lebensmittel (2015: 59 %). Der Bioladen hat als bevorzugter Einkaufsort dagegen an Boden verloren. Laut Studie besorgen sich dort 6 % der Deutschen den Löwenanteil ihrer Lebensmittel. Am ehesten sind es noch die Jugendlichen und die über 60-Jährigen (je 10 %).

Besonders wichtig ist den Deutschen beim Einkauf der persönliche Geschmack (97%), aber auch die regionale Herkunft (73%). Es folgen Produktinformationen und Preis (je 57  %), auf bestimmte Marken legen 45 % Wert. Siegel und Label sind für 35 % ein entscheidendes Kaufkriterium.

Zu Lebensmittel-Trends haben die Befragten eine relativ klare Meinung: Die Bezeichnung „Superfood“ halten die meisten für eine Modeerscheinung. Nur 20 % erwarten, dass sie sich dauerhaft durchsetzt. Ganz anders sieht es beim veganen Sortiment aus: 71 % gehen davon aus, dass es langfristig im Regal stehen. Gleiches gilt auch für glutenfreie und laktosefreie Produkte (73 bzw. 81 %).

Vielfältig sind die Quellen der Befragten, wenn sie sich über Lebensmittel informieren wollen. Rund drei Viertel macht sich im Laden ein Bild von der Qualität (78 %). Zunehmend wichtiger werden aber auch Etiketten und Siegel, über die sich 64 % informieren.  

Mehr als die Hälfte forscht inzwischen auch im Internet (51 %). Dabei liegen die 45- bis 59-Jährigen vorne, gefolgt von den jüngeren Altersgruppen. Eine große Rolle bei den jugendlichen Verbrauchern spielen die Sozialen Medien: 34 % holen sich über Facebook & Co ihre Auskünfte. Immer wichtiger wird für viele beim Einkauf das Smartphone: Sie googeln im Geschäft (27 %), nutzen Apps (17 %) oder rufen QR-Codes ab (16 %).

Tierwohl liegt den Deutschen stärker am Herzen als noch 2016. Vier von fünf Befragten halten ein staatliches Label als offizielles Siegel für wichtig oder sehr wichtig. Da passt es ins Bild, dass 87 Prozent nicht zufrieden sind, wie es derzeit um die Tierhaltung steht. Sie halten eine Überprüfung und Verbesserung der Standards für erforderlich, wünschen sich zu großen Teilen (82%) eine Verbesserung der Transparenz für den Verbraucher, etwa durch Siegel.

Neun von zehn Deutschen wären laut Report sogar bereit, für eine Tierhaltung, die über gesetzliche Standards hinausgeht, mehr zu bezahlen. Gefragt wurde anschließend, was sie maximal für Fleisch aus artgerechter Haltung aufbringen würden. Zugrunde gelegt wurde dabei ein Kilopreis von 10 Euro für Fleisch aus herkömmlicher Produktion. Hier nimmt die Bereitschaft zur Mehrzahlung mit fortschreitendem Alter ab: Während die 19- bis 29-Jährigen im Schnitt 14,50 Euro aufwenden würden, sind es bei der Generation 60 plus nur noch 12,20 Euro.

Würde nur ein Teil dieser 90 Prozent seine theoretische Bereitschaft in die Tat umsetzen, die Bio-Läden hierzulande könnten sich vor Nachfrage kaum retten ... 


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