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Demo „Wir haben Agrarindustrie satt“: 9 Forderungen im Wahljahr

von Karin Heinze (Kommentare: 0)


Beginn der Demo am Potsdamer Platz

Bild: Beginn der Demo am Potsdamer Platz

Wahljahr und Grüne Woche: Zeit, wieder mal über die Zukunft der Landwirtschaft zu sprechen und für die Agrarwende zu demonstrieren. Die siebte „Wir haben es satt“- Demo bot Gelegenheit dazu - 18.000 Menschen gingen in Berlin auf die Straße. Während des bunten Zuges durch das Regierungsviertel, aber auch auf den Veranstaltungen vor und nach der Demo, richteten Bio-Branche, Tierschützer, Umweltverbände, Entwicklungsorganisationen und viele andere ihre Forderungen an die Politik. Vertreter des „Wir haben es satt“-Bündnisses, das über 100 Organisationen vereint, hatten dem Bundeslandwirtschaftsministerium vor der Demo einen 9-Punkte-Plan zur Bundestagswahl überreicht. Der Tenor: Die gravierenden Krisen in der Landwirtschaft erfordern nicht folgenloses Reden, sondern entschlossenes Handeln (Video).

Hubert Weiger, BUND, sprach zum Auftakt am Potsdamer Platz

Bild: Hubert Weiger, BUND, sprach zum Auftakt am Potsdamer Platz

Zu Beginn der Demo sammelten sich die Teilnehmer und 130 Traktoren auf und um den dem Potsdamer Platz.  Das vereinende Motto des Protestzuges: „Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen!." Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) war einer der Spreche und sagte: „Die jetzige Agrarpolitik ist verantwortlich für das Höfesterben, für Umweltschäden und den Artenschwund. Eine Agrarwende, die Bauern wieder eine Zukunft gibt, ist längst überfällig. Die Tierhaltung muss so gestaltet sein, dass sie gesellschaftliche Akzeptanz findet. Alle demokratischen Parteien sind gefordert, einem "Weiter so" in der Landwirtschaft eine klare Absage zu erteilen und die nötigen Reformen endlich in Angriff zu nehmen.“

130 Traktoren führten den Zug an

Bild: 130 Traktoren führten den Zug an

9-Punkte-Plan im Wahljahr

Das Monsanto Pestizid Glyphosat stand einmal mehr am Pranger„Wir fordern ein Ende der Subventionen für die Agrarindustrie und den Stopp von Mega-Fusionen im Agrarsektor. Stattdessen brauchen wir Anreize für Bauern, die Tiere besonders artgerecht halten und umweltschonend wirtschaften“, sagt Jochen Fritz, Sprecher des „Wir haben es satt!“-Bündnisses. Dessen 9-Punkte-Plan ist in drei Rubriken unterteilt: "Bauernhöfe statt Agrarindustrie", "Gesundes Essen statt Umweltverschmutzung und Tierleid" sowie "Demokratie statt Konzernmacht".

Im Rahmen dieser Punkte fordert das Bündnis unter anderem, bis 2020 mindestens 50 Prozent der öffentlichen Beschaffung aus regionaler und ökologischer Landwirtschaft zu ermöglichen. Ebenfalls bis Ende des Jahrzehnts soll der Einsatz von Antibiotika um mindestens die Hälfte reduziert und dessen Missbrauch gestoppt werden. Außerdem müsse der Pestizideinsatz massiv eingedämmt und verhindert werden, dass Gentechnik nicht durch die Hintertür eingeführt wird. Unter dem Punkt "Demokratie statt Konzernmacht" will das Bündnis Megakonzerne im Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor aufbrechen und keine weiteren Fusionen zulassen. Auch eine Kennzeichnungspflicht für Tierhaltung, Gentechnik im Futter und Herkunft bei allen Lebensmitteln steht auf der Liste.

Bild: Dauerbrennerthema Glyphosat spiegelte sich auch bei der Demo wider

„Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt muss endlich dafür sorgen, dass die bäuerlichen Betriebe vom gesellschaftlich gewollten Umbau hin zu einer ökologischeren, tierfreundlicheren Landwirtschaft profitieren. Herr Schmidt darf nicht noch mehr Zeit verlieren und muss Agrarpolitik für Bauern statt Agrarindustrie machen", so Bündnis-Sprecher Jochen Fritz weiter.

Der Zug ging zum Brandenburger Tor, wo die Abschlusskundgebung stattfand

Bild: Landwirtschaftliches Gerät und Demonstranten soweit das Auge reicht - die Veranstalter zählten 130 Traktoren und 18.000 Teilnehmer.

Megafusionen sind Bedrohung für bäuerliche Landwirtschaft

Das Bündnis kritisiert, dass aufgrund fehlgeleiteter Agrarpolitik in den vergangenen zehn Jahren mehr als 100.000 Bauernhöfe aufgeben mussten. Außerdem belaste die deutsche Agrarpolitik, insbesondere durch übermäßige Fleischproduktion, die Umwelt und das Klima und zerstöre durch Dumpingexporte kleinbäuerliche Strukturen überall auf der Welt. Gleichzeitig formierten sich immer größere, global agierende Konzerne. In der Fusion der Chemiekonzerne Bayer und Monsanto sieht das Bündnis eine große Bedrohung, da künftig mehr als 60 Prozent des Saatgut- und Agrochemiemarktes von drei Mega-Konzernen beherrscht würden. Die Kartellbehörden müssten verhindern, dass bäuerliche Betriebe und Konsumenten von patentiertem Saatgut abhängig werden.

Protest gegen Megafusionen in der Agrarindustrie

Bild: Protest gegen Megafusionen in der Agrarindustrie

Vertreter aus der Politik und der Bio-Branche auf der Demo

Diese Anliegen unterstützten neben zahlreichen Vertretern von Bio-Verbänden und aus der Politik beispielsweise auch die Lübecker Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft Landwege. Das Unternehmen war mit rund 50 Personen und Transparenten angereist, um wie schon in den vergangenen Jahren an der Demo teilzunehmen. Vorstand Klaus Lorenzen hält es für wichtig, dass sich Mitarbeiter auch auf diese Weise für die Bio-Bewegung und die Agrarwende engagieren.

EVG Landwege formiert sich zur Demo

Bild: Landwege EVG war aus Lübeck angereist und formiert sich vor dem Beginn der Demo

Tegut hatte erstmals eine Gruppe von 20 Azubis zu einer "Erfahrungsreise" nach Berlin eingeladen – diese umfasste nicht nur die Teilnahme an der Schnippeldisko und der Demo, sondern auch einen Besuch der Grünen Woche und einen Erfahrungsaustausch mit Demeter-Vorstand Klemens Fischer. Tegut-Geschäftsführer Thomas Gutberlet erklärte, wer mit guten Lebensmitteln handelt, müsse auch die Konsequenzen und Hintergründe von umweltgerechter Landwirtschaft vor Augen haben. Die Azubis äußerten sich durchweg positiv über ihre Erfahrungen.  

Tegut kam mit 20 Azubis zur Demo

Bild: Tegut kam mit 20 Azubis zur Demo

Junge Bäuerinnen und Bauern brauchen Land

„Agrarindustrie mochten wir noch nie“, skandierten die Jungbäuerinnen und Jungbauern, die zahlreich weit vorne im Demo-Zug vertreten waren und sogar die Ehre hatten, die beiden Transparente an der Spitze zu tragen. „Die junge Generation will eine Zukunft auf dem Land, uns werden aber zu viele Steine in den Weg gelegt“, erklärte beispielsweise die 26-jährige Bäuerin Julia Rupp aus Baden-Württemberg und forderte „ein Agrarstrukturgesetz, das Landkauf- und Pachtrechte bevorzugt an junge Bäuerinnen und Bauern gibt, nicht an Investoren.“

Auch zahlreiche ganz junge Demonstraten begleiteten den Zug

Bild: Auch ganz junge Demonstraten begleiteten den Zug

Die Veranstalter betonten, dass sich die Demonstration gegen die Agrarindustrie, nicht aber gegen konventionelle Landwirte richtet: "Seit sieben Jahren praktiziert „Wir haben es satt!“ den Dialog zwischen Zivilgesellschaft, konventionellen und Öko-Bauern sowie Lebensmittelhandwerkern, um gemeinsam Wege für eine bäuerliche Zukunftslandwirtschaft zu finden."

Der Zug ging zum Brandenburger Tor, wo die Abschlusskundgebung stattfand

Bild: Der Zug endete am Brandenburger Tor, wo die Abschlusskundgebung stattfand


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