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Chemikalien-Agentur ECHA: Glyphosat ist nicht krebserregend

von Redaktion (Kommentare: 1)


Europaweit machen sich Menschen gegen eine Wiederzulassung von Glyphosat stark. Ob das Pestizid auf dem Markt bleibt, entscheidet sich Ende des Jahres.

Die europäische Chemikalien-Agentur ECHA hat mitgeteilt, dass ihrer Meinung nach die vorliegenden wissenschaftlichen Belege nicht ausreichen, um Glyphosat als krebserregend, mutagen oder schädlich für die Fortpflanzung zu klassifizieren. Selbst die Gefahr einer Organschädigung bei längerer oder wiederholter Exposition sieht die ECHA nicht. Dabei stützt sich die Behörde auf eine Stellungnahme ihre Ausschusses für Risikobeurteilung (Risk Assessment Committee, RAC).

Die Stellungnahme des RAC soll demnächst veröffentlicht und nach Brüssel geschickt werden. Dort werden die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten im Laufe des Jahres entscheiden, ob sie die Zulassung des umstrittenen Herbizids erneuern. Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ ein, während das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA kein Risiko sehen und sich für eine Neuzulassung aussprechen.

Im letzten Jahr war der öffentliche Druck so stark geworden, dass die Kommission letztlich nur eine Verlängerung der auslaufende Zulassung bis Ende 2017 erreichen konnte. Nun steht eine endgültige Entscheidung an und die Stellungnahme der ECHA stärkt die Position der Hersteller und der behördlichen Glyphosatbefürworter.

Eine Europäische Bürgerinitiative hat damit begonnen, mindestens eine Millionen Unterschriften für ein Glyphosatverbot in der EU zu sammeln und will damit den Druck auf die EU-Kommission erhöhen, das Herbizid endgültig aus dem Verkehr zu ziehen. Da die Mitgliedsstaaten mit entscheiden, wird auch die Debatte in Deutschland wieder aufleben, wo sich Umwelt- und Landwirtschaftsministerium gegenüberstehen und zudem im Herbst gewählt wird.

„Eine wachsende internationale Bewegung hat weltweit Schäden durch Glyphosat an Menschen, Tieren und Umwelt dokumentiert,“ argumentiert der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Solche Dokumentationen haben, weil sie selten in Form wissenschaftliche Arbeiten vorliegen, keinen Eingang in die RAC-Bewertung gefunden. Diese stützt sich hingegen neben öffentlich zugänglichen Studien auch auf nicht veröffentlichte Daten der Industrie. Nähe zur Industrie und damit Interessenskonflikte hatten letzte Woche mehrere Nichtregierungsorganisationen dem Vorsitzenden und zwei Experten des RAC vorgeworfen. Die ECHA wies dies zurück.

(Bild: BUND/Jörg Farys)


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Kommentar von Frauke Weissang |

Professor Dr. Gilles-Eric Séralini, Glyphosat-Forscher und -Kritiker, hat den Whistleblower-Preis 2015 erhalten. Die Jury der von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und der deutschen Sektion der internationalen Juristenorganisation IALANA vergebenen Auszeichnung würdigt damit die Forschungsarbeit des französischen Molekularbiologen, der als erster die Giftigkeit und tumorauslösende Wirkung von Glyphosat im Tierversuch festgestellt hat.



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