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Bioland: Notwendige Maßnahmen für eine Trendwende in der Agrarpolitik

von Redaktion (Kommentare: 1)


Der Anbauverband Bioland fordert CDU, CSU und SPD auf, die Neuausrichtung der Agrarpolitik im Koalitionsvertrag zu verankern. „Ein ‚Weiter so‘ in der Agrarpolitik bedeutet Rückschritte beim Natur- und Umweltschutz“, wird Bioland-Präsident Jan Plagge in einer Pressemitteilung des Verbands zitiert. Darin ist auch zu lesen, welche Maßnahmen Bioland für eine Trendwende in der Agrarpolitik als notwendig erachtet.

 

 

PesitzidePflanzenschutz: Programm zur Reduktion von Pestiziden

„Wir benötigen ein wirkungsvolles Pestizid-Reduktionsprogramm. Der Nationale Aktionsplan Pflanzenschutz ist gescheitert“, so Plagge. Bioland fordert ein Verbot aller Totalherbizide, nicht nur vom Wirkstoff Glyphosat. Gesetzliche Vorgaben und die Förderpolitik seien so auszurichten, dass Landwirtschaft in der Breite auch ohne chemischen Pflanzenschutz  funktioniert. Schlüssel zum Erfolg auf dem Acker seien eine vielfältige Fruchtfolge sowie innovative mechanische Verfahren zur Unkrautbekämpfung. Über eine Pestizid-Abgabe sei zu gewährleisten, dass von der Allgemeinheit getragene Folgekosten aus der Landwirtschaft gemäß dem Verursacherprinzip auf die verantwortlichen Akteure umgelegt werden.

Symbolbild © Fotolia

SchweinefleischTierhaltung: Fleisch ähnlich wie Eier kennzeichnen

Ein notwendiger Umbau der Tierhaltung könne nur durch vollständige Transparenz in Sachen Tierwohl gelingen. Dies biete allein eine verpflichtende staatliche Tierhaltungskennzeichnung nach Vorbild der Eierkennzeichnung. „Eine Fortführung des freiwilligen Labels von Agrarminister Schmidt würde dem Tierwohl schaden und wäre Verbrauchertäuschung“, stellt Plagge klar. Das Label gaukele bessere Haltungsbedingungen vor, gleichzeitig zementiere es den Status quo einer nicht artgerechten Tierhaltung und verhindere Investitionen in den Umbau zu artgerechten Stallsystemen. Die in den Sondierungsgesprächen eingeplanten zusätzlichen Finanzmittel von 375 Mio. Euro  jährlich würden laut Plagge nicht ausreichen, um einen Umbau der Tierhaltung zu finanzieren. Er verweist aus den Wissenschaftlichen Beirat, der eine Größenordnung von 3 bis 5 Milliarden Euro pro Jahr angibt.

Symbolbild © Pixabay

EU-FlaggeGAP: Keine pauschalen Direktzahlungen mehr

Zur Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) sagt Plagge: „Steuergelder sollen sinnvoll steuern. Das leisten die pauschalen Direktzahlungen nach dem Gießkannenprinzip nachweislich nicht. Die EU-Agrarzahlungen müssen künftig den Landwirten zugutekommen, die sauberes Wasser und eine hohe Artenvielfalt sicherstellen, Klima- und Tierschutz auf höchstem Niveau betreiben und so wertvolle Lebensmittel erzeugen.“ Die Reform der GAP biete die große Chance, die bestehende falsche Lenkungswirkung zu korrigieren.

 

 

ÖkolandbauNachhaltigkeitsstrategie: Ziel „20 Prozent Biolandbau“ anpacken

Das Ziel von 20 Prozent Ökolandbau aus der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung will Bioland endlich angepackt sehen. Denn bisher würden erst acht Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet. „Die Umsetzung der Zukunftsstrategie ökologischer Landbau benötigt deutlich mehr Finanzmittel. Das gilt sowohl für die Aufstockung des Bundesprogramms ökologischer Landbau auf 60 Millionen Euro als auch für die Agrarforschung. Hier sind 20 Prozent für den Biolandbau zu reservieren“, konkretisiert Plagge. Aktuell werden ihmzufolge lediglich 1,5 Prozent der Agrar-Forschungsmittel für Bio verwendet.

 

Symbolbild © Fotolia

 

GentechnikGentechnik: Nationales Anbauverbot von GVO rechtsicherer machen

Ein praxistaugliches Gentechnikgesetz müsse ein Anbauverbot von GVO auf nationaler Ebene rechtssicher garantieren, so die Ansicht bei Bioland. Die Bundesregierung müsse sich auf europäischer Ebene dafür einsetzen, dass neue gentechnische Verfahren wie CRISPR-CAS auch als Gentechnik eingestuft werden und es zu keiner vorzeitigen nationalen Inverkehrbringung kommt. „Das Leben lässt sich nicht programmieren wie ein Computerprogramm, das wissen auch die Wissenschaftler – vor einer Freisetzung sind eine umfangreiche Risikoprüfung und eine Kennzeichnung sicherzustellen“, sagt Plagge. Entwickler und Anwender gentechnischer Organismen sollten die Kosten für Nachweis und die Vermeidung von gentechnischen Kontaminationen tragen. Sie dürften nicht den gentechnikfrei wirtschaftenden Akteuren aufgebürdet werden.

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Lesen Sie dazu auch: Sondierungsergebnisse: CDU/CSU und SPD wollen aus Glyphosat aussteigen


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Kommentar von Helmut Keller |

........ Entwickler und Anwender gentechnischer Organismen sollten die Kosten für Nachweis und die Vermeidung von gentechnischen Kontaminationen tragen. Sie dürften nicht den gentechnikfrei wirtschaftenden Akteuren aufgebürdet werden.

Das sehe ich genauso. Doch die gängige Praxis zeigt dass wissenschaftliche Studien stets nach den Bedürfnissen der Auftraggeber ausgerichtet werden. Um das zu vermeiden muß der Auftraggeber für eine Studie die zuständige Aufsichtsbehörde sein, die dann die Kosten von den Antragstellern wieder eintreibt.



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