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Bingenheimer Saatguttag: Impulse für Ökozüchtung und Naturkostfachhandel

von Andrea Giese-Seip (Kommentare: 2)


Obst und Gemuese
Samenfeste Sorten Obst- und Gemüse beim Bingenheimer Saatguttag. © Andrea Giese-Seip

Rund 350 Akteure aus Anbau, Handel, Politik und Forschung kamen vergangene Woche in Bingenheim zusammen, um gemeinsam eine Vision weiterzuentwickeln: die langfristige Realisierung eines eigenständigen Ökolandbaus auf der Grundlage ökologischer und biodynamischer Saatgutarbeit und Züchtung. Unter hochsommerlichen Bedingungen eröffnete die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz die Züchtungs- und Sortentage und betonte: „Züchtung ist ein Kulturgut! Wir brauchen eine unabhängige Pflanzenforschung. Es darf nicht so bleiben, dass große Konzerne den Saatgutmarkt dominieren.“

Auf den Versuchsflächen der Bingenheimer Saatgut AG und Kultursaat e. V. konnten ganz praktisch um die 200 Sorten und Zuchtlinien u. a. von Porree, Buschbohnen und Zucchini begutachtet werden. Zentrales Anliegen der Veranstalter war es, sich mit Partnern aus der Anbaupraxis und dem Handel noch intensiver auszutauschen und Strukturen zu finden, durch die mehr samenfeste Sorten im Bio-Gemüseregal landen. Im internationalen Dialogforum wurde deutlich, wie praktikable Ansätze aussehen können: Großhändler aus Italien, den Niederlanden, Luxemburg und Deutschland stellten inspirierende Projekte und Vermarktungsbeispiele aus den jeweiligen Ländern vor und diskutierten mit den Besuchern bestehende Schwierigkeiten und Lösungsansätze für eine erfolgversprechende Kundenkommunikation.

Gefahren der neuen Gentechnik für den Fachhandel

Vielerorts wurde das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu den neuen gentechnischen Verfahren diskutiert. Für diesen Moment steht fest, dass alle neuen gentechnischen Verfahren entsprechend des Vorsorgeprinzips als Gentechnik unter dem europäischen Gentechnikrecht reguliert werden müssen. „Wir begrüßen diese Entscheidung sehr, denn der Einzug von Gentechnik-Pflanzen auf den Feldern würde unsere ökologische Erzeugung von Saatgut und Lebensmitteln grundsätzlich bedrohen“, sagte Gebhard Rossmanith, Geschäftsleitung Bingenheimer Saatgut AG. Diese Einschätzung bestätigte auch Dr. Angelika Hilbeck von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich in ihrem Vortrag. Der Europäische Gerichtshof habe wissenschaftlich korrekt gehandelt, wir seien keinesfalls an dem Punkt sagen zu können, dass die neuen Techniken „sicher“ sind. Petra Boie, Geschäftsleitung der Bingenheimer Saatgut AG, lud die Besucher dazu ein, einen Aufruf zur Umsetzung des Urteils an die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu unterschreiben, um ein Gegengewicht zu den wieder lauter werdenden Stimmen der Gentechnik-Befürworter zu bilden.

Mit Naturkostfachberater Günter Schliebusch und Petra Boie diskutierten die Naturkostfachhändler die Gefahren der neuen Gentechnik für den Fachhandel. Das einstimmige Ergebnis: Ökologische Züchtung stellt langfristig die einzige Alternative für einen qualitätsorientierten Ökolandbau dar. Doch nach wie vor ist ein viel zu großer Teil des eingesetzten Saatguts in der Öko-Landwirtschaft aus konventioneller Produktion und Züchtung. Endkunden gehen allerdings davon aus, dass eine Bio-Möhre aus ökologischem Saatgut wächst und ökologisch gezüchtet wurde.

Vier Menschen nebeneinander, die beiden in der Mitte halten einen grünen, bedruckten Teppich hoch
Sabrina Luczak und Dirk Seiler haben für ihren Bioladen in Stuttgart den "Grünen Teppich" überreicht bekommen. V.l.n.r.: Petra Boie, Sabrina Luczak, Dirk Seiler, Elke Röder, Günter Schliebusch © Veranstalter

Auszeichnung "Grüner Teppich" als Motivation für Bioläden

Um die komplexen Themen ökologisches Saatgut und Sorten an der Ladentheke besser zu vermitteln, sollen künftig gute Ideen dazu gesammelt und der Branche vorgestellt werden. Zusammen mit Elke Röder, Geschäftsführung des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN), überreichten Günter Schliebusch und Petra Boie den ersten „Grünen Teppich“ an Sabrina Luczak und Dirk Seiler, die einen Bioladen in der Klett-Passage in der Stuttgarter Innenstadt führen. „Wir wollen zukünftig jedes Jahr mindestens einen Bioladen mit einem Grünen Teppich ehren. Damit sollen die besten Ideen für die Kommunikation zum Endkunden ausgezeichnet werden.“ so Günter Schliebusch. Für den ersten Gewinner der Auszeichnung ist sie eine Motivation, sich noch intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.

Hintergrund

Die Bingenheimer Saatgut AG und ihr Netzwerkpartner Kultursaat e. V. stehen für die Ideale des Ökolandbaus im Bereich Züchtung und Saatgut. Der Verein Kultursaat betreibt Methodenforschung und Entwicklung neuer sowie Erhaltung bewährter samenfester Gemüsesorten. Die praktische Arbeit geschieht „on-farm“ – Hybridzüchtung ist explizit ausgeschlossen. Die Bingenheimer Saatgut AG organisiert die Saatgutvermehrung der Sorten unter Ökolandbau-Bedingungen und vertreibt die ökologischen Saaten, sodass die Sorten Erwerbs- und Hobbygärtnern zur Verfügung stehen.


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Kommentar von Andrea Richert |

Gibt es schon Erfahrungen mit öko Saatgut Einsatz in afrikanischen Ländern, oder Verbindungen dahin. Es besteht ein dringender Bedarf an Quellen für BioSaatgut für einige afrikanische Länder. Alle Tips und Verweise sind hilfreich. Herzlichen Dank
Andrea Richert

Kommentar von Judith Jäger |

Liebe Frau Richert,
nehmen Sie doch gerne direkt mit uns Kontakt per E-Mail auf und schildern uns Ihr Projekt oder genaueres Vorhaben: info[at]bingenheimersaatgut.de
Wir hoffen, dass wir Ihnen eine Hilfestellung bieten können.
VIelen Dank für Ihr Engagement!
Mit freundlichen Grüßen
Judith Jäger/Bingenheimer Saatgut AG



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