Anzeige

Ökomonitoring-Bericht 2007

von Redaktion (Kommentare: 0)


Das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg hat seine sechsten "Ökomonitoring-Bericht"  vorgelegt. Seit 2002 untersuchen die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter Baden-Württemberg im Auftrag der Landesregierung Produkte aus ökologischem Anbau. Im vergangenen Jahr nahmen sie 612 Lebensmittel unter die Lupe.

 

Insgesamt stellt das Montoring der Biobranche gute Noten aus. Rund 93 % der überprüften Frischware hat das Bio-Siegel tatsächlich verdient. Von konventioneller Ware trennt sie Welten. Beispiel: Beerenobst. In Bio-Beeren fanden die Chemiker bei 5 % deutliche Pestizidspuren. Bei konventioneller Ware waren es aber gleich 85 %. insgesamt ließen lediglich 7,5 % der frischen Öko-Erzeugnisse und 6,5 % der verarbeiteten Produkte  nach Angaben des Ministeriums eine unzulässige Behandlung oder eine Vermischung mit konventioneller Ware vermuten. In einigen Stichproben von Kartoffeln (12 %, bei ägyptischer Ware 30 %), Zitrusfrüchten (17 %), Zuchtpilzen und Steinobst fanden die Lebensmittelchemiker Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Deutlich verbessert hatten sich die Testergebnisse bei Karotten, von denen im Jahr 2006 noch 15 % wegen auffälliger Rückstände beanstandet worden waren. „Grundsätzlich kann man sich auf Bio-Qualität verlassen, aber wie in jedem Bereich gibt es Betrüger“, sagte Heidi Schworm, Ernährungsberaterin von der Landesverbraucherzentrale.

 

Bio-Lebensmittel enthalten zudem, wenn überhaupt, nur minimale Spuren von gentechnisch veränderten Pflanzen. Bei 60 untersuchten soja- und maishaltigen Lebensmitteln fanden sich in 15 % der sojahaltigen Produkte GVO-Anteile unterhalb der Nachweisgrenze von 0,1 %. Die 21 Produkte mit Bio-Mais waren vollständig gentechnikfrei. Damit lagen die Werte weit unter der Toleranzgrenze von 0,9 %. Zum Vergleich: Bei konventioneller Ware hatte die Lebensmittelüberwachung Baden-Württemberg in 2007 in knapp jedem zweiten sojahaltigen Lebensmittel geringe Bestandteile aus gv-Pflanzen entdeckt.

 

Biolebensmittel aus der Türkei tragen das Ökosiegel allerdings besonders häufig zu unrecht, weil sie stark mit Pestiziden belastet sind, berichtet die taz. 50 % der getesteten Produkte aus dem Land enthielten mehr als 0,01 Milligramm Gift pro Kilogramm Ware. Kein Staat schnitt in der Studie schlechter ab. Besonders betroffen sind die türkischen Hauptexportprodukte: Orangen, Rosinen und getrocknete Aprikosen. Bei einigen Zitrusfrüchten spricht das Ministerium klar von Irreführung des Verbrauchers: Das Obst war so stark belastet, dass es sich eindeutig um konventionelle Ware handelt. Zwar basiert das Testergebnis der türkischen Produkte nur auf zwölf Proben, von denen sechs beanstandet wurden. Aber auch in den Jahren 2002 bis 2006 fiel das Monitoring für die Türkei schlecht aus.

 

Vertreter der Ökobranche haben Konsequenzen gefordert, berichtet die taz weiter. Manche Importeure müssten sehr viel genauer hinschauen, von wem sie beliefert werden, sagte Jochen Neuendorff, Chef der Gesellschaft für Ressourcenschutz. Die Ökozertifizierer müssten viel öfter unangekündigt kontrollieren und Proben im Labor untersuchen lassen, ergänzte Neuendorff. Er nannte Firmen wie die Rapunzel Naturkost AG als Vorbilder, die nach eigenen Angaben ihre Biobauern vor Ort regelmäßig beraten und jeden Wareneingang chemisch prüfen. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren sprach sich für mehr Investitionen in Ländern wie der Türkei aus, damit auch dort die Regeln der guten landwirtschaftlichen Praxis eingehalten werden. "Es gibt türkische Biozertifizierer, mit denen wir nichts zu tun haben wollen", sagte Christian Winzer, dessen österreichische Bionahrungsmittel GmbH Trockenfrüchte auch nach Deutschland einführt. Ein anderer Brancheninsider bezeichnete die Kontrollstellen in der Türkei als "lausig und korrupt".


Dass es sinnvoll ist, solche Verstöße zu veröffentlichen, zeigt ein weiteres Ergebnis der Studie. Noch im letzten Jahr fiel beispielsweise Italien besonders negativ auf. Damals enthielten fast 13 % des getesteten Obst und Gemüses aus dem Mittelmeerland deutliche Giftrückstände. Jetzt sind es nur noch 5,6 %.

 

Das vollständige Öko-Monitoring 2007 finden Sie hier

Zurück

Hier können Sie Ihren Kommentar schreiben




Newsletter bestellen

Hier bestellen
Bitte wählen Sie hier eine oder mehrere Listen, bei denen Sie sich anmelden wollen
Lesen Sie hier die aktuelle
Ausgabe des BioHandel


Anzeige

Anzeige