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GVO - ist eine Koexistenz in der Landwirtschaft möglich?

von Redaktion (Kommentare: 0)


Am 11.09.03 fand eine Anhörung de EU-Agrarausschusses um Thema Koexistenz statt. Sie war Teil der andauernden Debatte über die Schwierigkeiten bei der Trennung gentechnisch veränderter von konventionellen Organismen in Lebens- und Futtermitteln. Seit Juni 03 gilt eine Toleranzschwelle von 0,9% für zufällig in konventionelle Produkte geratene GVO. Wird dieser Schwellenwert überschritten, muss der Erzeuger es auf dem Produktetikett deklarieren.

Als Experten waren eingeladen:

Professor Antoine Messean, INRA (Französisches Institut für Agrarforschung), Frankreich,
Dr. Rikke Bagger Jørgensen, Forskningscenter Risø (Nationales Labor), Dänemark,
Franz Raab, Vereinigung der Pflanzenzüchter und Saatgutkaufleute Österreichs (PSÖ), Österreich,
Olivier Pageard, Coopérative agricole de céréales CAC (landwirtschaftliche Getreidegenossenschaft), Frankreich,
Dr. Jeremy Sweet, National Institute of Agriculture Botany NIAB (Nationales Institut für landwirtschaftliche Botanik), Grossbritannien.

Eine der Hauptsorgen der Landwirte ist der steigende Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen und die potentielle Anwesenheit geringfügiger GVO-Spuren in konventionellem Saatgut. Es ist heute praktisch unmöglich, GVO-freies Saatgut zu bekommen. Dafür schlug die EU-Kommission Toleranzschwellen zwischen 0,3 und 0,7%, abhängig von der Art des Saatgutes vor. Der Grünen-Abgeordnete Graefe zu Baringdorf, selbst Bio-Landwirt, eröffnete die Debatte mit der Formulierung der zentralen Fragen: Möglichkeit der Koexistenz, Bedeutung in der Praxis, Information der Öffentlichkeit und Übernahme der Kosten.

Die Kommissions-Richtlinien machen klar, dass es Sache der Mitgliedsstaaten ist, diese Schwellen für die Koexistenz festzulegen. Graefe zu Baringdorf ist allerdings der Meinung: "Durch die EU-Erweiterung wird dieses verfahren immer schwieriger werden, weil 25 verschiedene nationale Systeme darauf abgestimmt werden müssen" Er wollte in seinem Bericht Probleme wie zivile Haftung, Aufteilung der Kosten und praktische Ausführung aufzeigen.

Mehrere Fachleute schlossen sich der Richtlinie der EU-Kommission an, nach der die einzelnen Mitgliedsstaaten die Grenzwerte auf nationaler Ebene festlegen sollten, da EU-weit große regionale Unterschiede bestünden. Das Risiko einer Verunreinigung sei von vielen Faktoren (klimatische Bedingungen, Pflanzenart, Maschinerie etc.) abhängig.
Sweet und Massean betonten die Notwendigkeit für die Mitgliedsstaaten, mit den eigenen Landwirten und Verbänden zusammen zu arbeiten, da keine europaweiten Empfehlungen gegeben werden könnten.

Es herrschte aber auch die Meinung vor, der heutige Kenntnisstand sei noch zu gering, um allgemeingültige, verbindliche Maßnahmen treffen zu können. Ein Hauptproblem für Jeremy Sweet war, dass die gebräuchlichsten europäischen Kulturpflanzen das höchste Risiko der Auskreuzung haben. "Wir brauchen viel mehr Daten darüber, wie Pollen sich ausbreiten, sich bewegen und Felder kontaminieren. GVO können über Jahre, ja sogar über Jahrzehnte in einem Acker verbleiben. Nur ein Samen pro 100 qm könnte zu 100% Kontamination führen" resümierte er.

Die dänische Expertin Jørgensen schlug dagegen vor, GVO und GVO-freie Aussaaten regional strikt zu trennen, um das Risiko der Verunreinigung gering zu halten, eine Meinung, der sich auch Olivier Pageard anschloss. Pageard betonte noch stärker den wirtschaftlichen Aspekt: "Wenn wir die zusätzlichen Kosten für die Koexistenz abdecken müssen, lohnt sich der Anbau von GVO-Pflanzen nur, wenn wir eine höhere Gewinnspanne erzielen können".

Auf die Frage nach Höhe der für die Landwirte entstehenden Kosten und deren Übernahme gab es jedoch keine klare Antwort. Die Kosten seien schwer zu messen, sagte Messean. Nur aus Dänemark lagen Zahlen zwischen 0 und 21% vor, wie auch die Aussage von Jørgensen, der GVO-anbauende Landwirt müsse für Schäden bei seinen konventionellen Nachbarn haften. (15.09.03)

Stichworte:

Gentechnik


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