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Eier: Ein Bio-Skandal der keiner war

von Redaktion (Kommentare: 0)


Anfang der Woche stellte die Staatsanwaltschaft Rostock das Ermittlungsverfahren gegen Bio-Betriebe der  Erzeugergemeinschaft Fürstenhof in Mecklenburg-Vorpommern ein. Am Montag dieser Woche schrieb "Der Spiegel" mit dem Titel "Alles Bio - oder was?" noch, dass vier Ermittlungsverfahren liefen und gegen die Betriebe wegen Betrugs und des Verstoßes gegen das Ökolandbaugesetz ermittelt würde (wir berichteten). Der Beitrag ist nicht mehr auf Spiegel Online verfügbar. Der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Rostock, Dr. Martin Fiedler, erklärt auf Anfrage von Bio-Markt.Info, dass er auf Nachfrage des Spiegels in der Woche vor dem Erscheinen der Ausgabe 13, bestätigt hat, dass die Verfahren noch liefen. Wenige Tage später wurde das Einstellen des Verfahrens bekannt gegeben. Zum Zeitpunkt der Spiegelanfrage sei das noch nicht absehbar gewesen, so Fiedler. Grund für das Einstellen des Verfahrens sei, dass die Staatsanwaltschaft keinen Straftatsverdacht sieht. Es hätten sich keine Anhaltspunkte für eine planmäßige Täuschung der Verbraucher ergeben. Hierzu ein Link zu einem Video des NDR. Das Gesamtverfahren ist deshalb nicht abgeschlossen, erläutert Fiedler weiter. Das Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) Mecklenburg-Vorpommern muss nun entscheiden, ob eine bußgeldpflichtige Ordnungswidrigkeit vorliegt.
 

„Wir als Beschuldigte wissen mehr aus den Medien, als direkt von der Staatsanwaltschaft“,  bedauert Friedrich Behrens, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof. Das sei auch schon vor einem Jahr so gewesen, als der Landwirtschaftsminister die Sperrung von vier Höfen bekannt gegeben habe. Einen Tag später wurde die Sperrung wieder aufgehoben. „Wir fühlen uns als Spielball der Behörden. Wir wurden weder sofort direkt in Kenntnis gesetzt, dass Ermittlungen aufgenommen, noch dass sie eingestellt wurden.“ Es sei vollkommen normal, dass sich die Information eines Betroffenen durch den Amtsweg und die Postzustellung verzögere, erklärt Fiedler. Nicht normal sei in diesem Fall das enorme Interesse der Medien gewesen, so dass dort bereits von der Einstellung berichtet wurde, bevor es die Betroffenen erfahren haben.

 

Behrens berichtet, dass man von Anfang an, die Kunden (u.a. Alnatura, Dennree, Famila, Rewe, Edeka) informiert und alles transparent gemacht habe. Dem Spiegel-Reporter habe man alle möglichen Unterlagen wie Stallbücher und Auslaufpläne gezeigt und die von einem amtlichen Vermesser vermessenen Flächen – „das war alles in Ordnung. Was der Anlass für die Veröffentlichung war, wissen wir nicht.“ Behrens hat kein Verständnis für diese Art von Journalismus. Er hat eine Richtigstellung an den Spiegel geschickt, die auch auf der Internetseite der Erzeugergemeinschaft zu lesen ist und einen Rechtsanwalt eingeschaltet.

 

Die Ermittlungen bei der Erzeugergemeinschaft Fürstenhof betrafen laut Behrens vier Herden (à 3.000 Hennen) von 100 Herden auf 14 eigenständigen Betrieben. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Dr. Martin Fiedler, konnte nicht bestätigen, dass damit alle laufenden Verfahren in Bezug auf Öko-Legehennenbetriebe abgeschlossen seien. Es gibt in Mecklenburg-Vorpommern vier Staatsanwaltschaften, die in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen strafrechtlich ermitteln. Doch Ermittlungen würden häufig nicht öffentlich gemacht, um sie nicht zu behindern. Ein großer Teil der Verfahren werde laut Fiedler ohnehin in Niedersachsen geführt. Verstöße gegen Öko-Landbaurecht, Lebensmittel- oder Futtermittelgesetze würden zudem als Ordnungswidrigkeiten über die Landesbehörden verfolgt.

Laut einem Bericht des NDR gibt es etwa 700.000 Bio-Hennen in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2010 sei jedoch mehr als 100.000 Legehennen der Bio-Status aberkannt worden. Die Kontrollen würden funktionieren, wird das Landwirtschaftsministerium in Schwerin zitiert.

In seiner aktuellen Ausgabe beschäftigt sich Öko Test mit der Thematik „Bio-Eier-Skandal“ und der Berichterstattung über das Thema. Unter dem Titel „Ei, Ei, Ei – der Spiegel“  prangert Öko Test den „Bio-Betrug in den Medien an“.


Mehr Informationen des NDR hier.

 

 


Stichworte:

Naturkost-Einzelhandel

LEH

Landwirtschaft


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