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Bio Ernte Austria in den Schlagzeilen

von Redaktion (Kommentare: 0)


Ein neuer Futtermittelskandal erschüttert derzeit den größten österreichischen Bio-Bauernverband, Bio-Ernte-Austria. Die staatlich zertifizierte Kontrollstelle ABG (Austria Bio Garantie) kam einem Waldviertler Getreidehändler auf die Spur, der in den Jahren 2000 und 2001 13.000 Tonnen (rund 10 % des gesamten österreichischen Verbrauchs in diesem Zeitraum) konventionelles Futtermittelgetreide über verschiedene Zwischenhändler als Bio-Ware verkaufte.

Als einer der Zwischenhändler fungierte nach den ersten
Ermittlungsergebnissen der bereits eingeschalteten Kriminalpolizei auch die Vertriebsfirma des Ernteverbandes, die Ökoland GesmbH - die zentrale Drehscheibe für die Vermittlung von Bioware in Österreich. Ernte-Verbandsobmann Johannes Tomics geht vorerst davon aus, "dass auch
unsere Ökoland-GesmbH getäuscht wurde." Weil dies aber bereits der vierte und mengenmäßig größte Bio-Schwindel innerhalb kurzer Zeit im Umfeld bzw. direkt innerhalb der Ernte-Tochter Ökoland GmbH ist - nach Unregelmäßigkeiten bei Kartoffeln, Fleisch und Gerste - verlangen insbesondere die Bundesländer Kärnten und Steiermark im Bio-Bauernverband härtere Konsequenzen. Bisher allerdings erfolglos. Politisch brisant ist die Affaire, weil Ernte-Verbandsobmann Tomic derzeit den Zusammenschluss aller österreichischen Bio-Verbände vorbereitet.

"Bio Ernte Austria", hatte sich in den vergangenen Monaten nach und nach aus dem direkten Handel mit Bio-Produkten zurückgezogen. Die Ökoland GmbH (mit einem Umsatzvolumen von zuletzt rund 35 Millionen Euro), an der "Bio Ernte Austria" zu 70 % beteiligt war, wird jetzt aufgelöst. Das Getreidegeschäft der Biobauern wird nun über die so genannte "Agentur für Biogetreide" abgewickelt, an der u. a. auch die Raiffeisen Ware Austria, private Landesproduktenhändler und Mischfutterwerke beteiligt sind. Die Bio Ernte Austria wird an der Agentur 36 Prozent halten. Das Kartoffel- und Gemüse-Geschäft übernahm die von 14 ehemaligen Ökoland-Lieferanten gegründete "Pur-Bioprodukte-Vertriebsgesellschaft". Geschäftsführer ist der ehemalige Ökoland-Chef. Bio Ernte Austria hat sich aus diesem Segment völlig zurückgezogen. Für den Fleischbereich wird noch eine Lösung gesucht.

Die Mitglieder des Verbandes reagieren anscheinend unterschiedlich auf die Grundsatzentscheidung von Bio Ernte Austria, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen und sich auf die Verbandsarbeit zu beschränken. Für Unmut sorgt wohl vor allem die finanzielle Abwicklung der Auflösung der Ökoland. Kritikpunkt ist hier insbesondere der angeblich weit unter dem Buchwert liegenden Preis, zu dem die Getreideagentur das Ökoland-Geschäft übernimmt. (24.11.03)

Stichworte:

International


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