Anzeige

„Verbandsarbeit kommt bei mir nicht an" – Podiumsdiskussion beim 6. Marktgespräch

von Horst Fiedler (Kommentare: 0)


Matthias Schlessmann, Dirk Siemenowski, Jürgen Michalzik, Christoph Plotter
Als neues Format des Marktgesprächs wurde erstmals die Form einer Podiumsdiskussion gewählt. Die Diskussionsrunde bestand aus folgenden Personen: Jürgen Michalzik (links), Matthias Schlessmann, Christoph Plotter, Dirk Siemenowski. © Frank Straeter

Neue Marken, Demeter-Bananen, Verbands- und Öffentlichkeitsarbeit waren Stoff für eine lebhafte Podiumsdiskussion beim 6. Marktgespräch "Willkommen im realen Leben" des Instituts für den Fachhandel. Auch das Fachpublikum beteiligte sich rege. Horst Fiedler hat die wichtigsten Aussagen festgehalten.

Die Diskussionsrunde

  • Matthias Schlessmann, Biowelt München, Betriebswirt, selbstständiger Facheinzelhändler, vorher Marketing im konventionellen Lebensmittelhandel – „Bio ist mehr Marke als Bewegung.“ Foto © Frank Straeter
  • Dirk Siemenowski, foodie & friends, fördert junge Marken – „Bewegung muss geführt werden! Die Verbände müssten das tun, sie tun das aber nicht.“ Foto © Frank Straeter
  • Jürgen Michalzik, Institut für den Fachhandel (vertrat den erkrankten Jurek Voelkel), berichtet von Idee von Jurek Voelkel, der Start ups auf einem „Marktplatz“ im eigenen Unternehmen fördert. Foto © Privat
  • Christoph Plotter, Professor für Ernährungspsychologie und Gesundheitsförderung an der Hochschule Fulda Foto © Frank Straeter

Thema: Neue Marken

  • Schlessmann: „Facheinzelhandel ist sehr zurückhaltend. Neue Marken zu kommunizieren ist großer Aufwand.“
  • Michalzik: „Aufnahme in den Fachhandel dauert ein dreiviertel Jahr, bei Rewe eine halbe Stunde.“
  • Siemenowski: „Wandel mit neuen Marken zulassen. Produkt muss anders sein, gut schmecken, wenig verarbeitet. Bauchgefühl entscheidet.“
  • Plotter: „Von zehn neuen Produkten bleibt nur eines am Markt.“
  • Heldberg: „80 Prozent sind Schrott laut Sortimentsrichtlinie. Maggi schmeckt besser als mancher Start up.“ „Klare Richtlinien nach außen vertreten. Verpackung oft teurer als der Inhalt“ (Hinweis auf Kleingebinde von Zwergenwiese).
  • Schlessmann: "Neue Produkte müssen besser sein als die vorherigen. Geschmack ist entscheidend."
  • Simon Döring: Jureks Projekt eines Marktplatzes ist Bewegung. „Mit Idee anfangen, nicht mit Geschäftsmodell.“

Thema: Demeter-Bananen

Bananen
Bananen von Demeter gibt es nicht mehr nur im Bio-Fachhandel. Symbolbild © Pixabay

Sabine Franzberichtet, dass ihr Laden B2 in Balingen seit einiger Zeit keine Demeter-Bananen mehr bekomme, während die Ware bei Edeka am Ort zu finden sei, wie Kunden berichtet hätten. „Wir fühlen uns vom Verband verlassen.“ Wie mit dem Kunden kommunizieren?

Man müsse eigene Marken für den Naturkostfachhandel schaffen. Hermann Heldberg berichtet vom Spanien-Importeur regionaler Großhändler, Naturkost Schramm. Man habe sieben Betriebe sozialzertifiziert und zahle Garantie-Preise für die jeweilige Saison. Außerdem werde eine Kompost-Wirtschaft betrieben. Georg Rieck, Klatschmohn. sagte: „Brauchen neuen Verband, um von vorn anzufangen. Verlieren Partner in den Verbänden, fühlen uns verraten und verkauft.“ Aber auch: „Demeter-Bananen bei Edeka ist der Sieg.“ Eine junge Zuhörerin: „Wir wollen auch die Welt verändern. Ich habe mich entschieden, in den Bioladen zu gehen, finde aber auch gut, dass der, der zu Edeka geht, auch eine Demeter-Banane erwerben kann. Die Ideale sind gleich, die Wege anders.“

Thema: Verbands- und Öffentlichkeitsarbeit

  • Manuel Pick, Bohlsener Mühle: „Wenn wir uns beim BNN treffen, sind sich alle einig. Dann fahren wir nach Hause und sind korrumpierbar.“
  • Schlessmann: „Verbandsarbeit kommt bei mir nicht an.“
  • Stephan Brandmeier-Fanger, Grell: „Wir wollen unsere Kunden dazu bewegen, die Käufer zu beraten: Storytelling über gewachsene Marken.“ „Die Frage ist, wie kommuniziere ich die Unterschiede zum LEH? Das haben wir in den vergangenen zehn Jahren verlernt.“
  • Michalzik: „Ist Kommunikation im Laden überhaupt leistbar?“
  • Eva Kiene, Rapunzel stellt Infos bereit, die keine Werbung sind. „Das Material ist da.“
  • Simon Döring stellt Content für Social-Media bereit.
  • Schlessmann: Wenig Zeit für Social Media
  • Karin Romeder, Eco Plus: „Haben Facebook verschlafen.“ Holt Versäumtes jetzt nach.
  • Haerlin: Unbequeme Debatte ist wichtig: „An Bio ist noch keine Biene gestorben.“
    „Wie kommen wir näher an die Verbraucher ran und kommunizieren das auch?“ Er plädiert für Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften und Informations-Distributions-Genossenschaften.
  • Klotter: „Gemeinsinn stärken! Gruppenidentität! Beratungsmodelle entwickeln.“
  • Vorschlag aus Teilnehmerkreis: „In die Schulen und Berufsschulen gehen!“
  • Karin Lang, Sonnentracht: „Viel mehr das Thema Zukunft ansprechen. Wir dürfen den Markt nicht vergessen. Vieles kündigt sich an. Wie können wir die Themen mit Standing besetzen?“ Ihre Kritik: „Viele große Bio-Unternehmen schotten sich ab.“

Thema: Handelsform

Sabine Franz: „Wir wollten ein brüderliches Wirtschaften. Das geht nicht ohne den Verbraucher und nur in der Region. Das Handwerk und die Kulturlandschaft müssen erhalten werden.“

Das nächste Marktgespräch findet am 19. November in Kassel statt. Wenn Sie frühzeitig Informationen dazu erhalten möchten, senden Sie bitte eine E-Mail an institutfachhandel@bioverlag.de. Sie erhalten dann umgehend eine Einladung, sobald Näheres zum Thema und zu den Referenten feststeht. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen des Instituts für den Fachhandel

Lesen Sie auch: Marktgespräch: Rettungswege für den Bio-Fachhandel


Stichworte:

Hintergrund/Strategie

Einzel-Fachmärkte

Filialisten

Großhandel

Naturkost-Einzelhandel

Reformbranche

Hersteller

Veranstaltungen

Verbände/Institutionen


zur Startseite/alle Meldungen

Zurück

Uns interessiert Ihre Meinung. Schreiben Sie hier Ihren Kommentar zum Thema!




Newsletter bestellen

Anzeige

Anzeige


Lesen Sie hier die aktuelle
Ausgabe des BioHandel