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Platz machen für die junge Generation

von Redaktion (Kommentare: 0)


Von Karin Heinze und Daniela Nickel

Sie wollen die Welt retten. Sie wollen gesunde Böden, sauberes Wasser, saubere Luft und gute Nahrungsmittel. Das Schwerpunktthema "Next Generation" wurde bereits bei der Eröffnungsfeier gespielt und war an vielen Stellen in den Messehallen und im Kongressprogramm sichtbar. Die nächste Generation angehender Bio-Bauern und -Gärtner, junger Bio-Forscher und Bio-Unternehmer, präsentierte ihre Ideen, ihre Produkte, aber auch ihre Forderungen. Darunter der Wunsch: „Lasst uns mal ran“.

Die nächste Generation präsentierte ihre Ideen und Wünsche auf der Eröffnungsfeier der BioFach.

Die nächste Generation präsentierte ihre Ideen und Wünsche auf der Eröffnungsfeier der BioFach. Foto © Karin Heinze

Die Urväter und –Mütter der Bio-Branche hätten vor vier Jahrzehnten eine tolle Bewegung gestartet, doch jetzt sei es Zeit, den Platz für eine neue Generation freizugeben, formulierte es Julia Huthmann von Jacky F., die junge Jackfruits aus einem Entwicklungsprojekt auf Sri Lanka auf den europäischen Markt bringt. „Wir stehen für Werte und möchten eine Chance bekommen, unsere Ideen weiterzutragen“, so Huthmann.

Voller Enthusiasmus steckt auch Jasmin Maiwald, die nächste Generation beim Unternehmen Govinda. Zum 30. Geburtstag des Herstellers veganer Spezialitäten, rückt die Tochter der Firmengründerin Doris Maiwald in die Geschäftsleitung nach. Sie schätzt die Leistung ihrer Mutter und möchte die Firmentradition fortführen, aber auch innovativ bleiben.  „Wir rocken das zusammen mit der Bio-Branche. Ich glaub dran“, so die Jungunternehmerin.

Valentin Teuffel ist der Urenkel des Firmengründers von Speick.,

Valentin Teuffel ist der Urenkel des Firmengründers von Speick. Foto © Karin Heinze

Firmentradition und Werte spielen auch für Valentin Teuffel, Urenkel des Speick-Gründers eine große Rolle. Doch sieht er sich parallel dazu in der Pflicht, Vorbild für andere Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit und Innovationskraft zu sein. „Wenn die Einzelhändler flexibel bleiben und ihre Sortimente immer wieder anpassen, haben Innovationen einen gute Chance im Fachhandel Fuß zu fassen, ist sich Benigna Lutz vom Großhändler Biogarten sicher.

Video mit Impressionen und Interviews von der BioFach und Vivaness.

Innovative Produkte in die Regale bringen

Bereits vor der BioFach befragte Nicolas Scharioth (Im Bild 2.v.r.) von Pollion - mobile Marktforschung für die Bio-Branche mehr als 1.300 Teilnehmer des Online-Panels biopinio, was sie als Konsumenten unter einem innovativen Produkt verstehen. Wichtige Kriterien für die Mehrzahl der Befragten waren dabei, dass es sich um eine neuartige Idee handeln sollte, eine neue Geschmacksrichtung oder ein neues Verpackungsdesign. Interessant auch, dass der Begriff Innovation mit Nachhaltigkeit verknüpft wird.

Auf der Podiumsdiskussion ging es darum wie innovative Marken junger Unternehmen in den Fachhandel kommen.

Auf der Podiumsdiskussion ging es darum wie innovative Marken junger Unternehmen in den Fachhandel kommen. Foto Karin Heinze

Diese Kriterien gelten im Großen und Ganzen für die Listungsentscheidung im Handel. Das wurde auf der Podiumsdiskussion „Fachhandel und Produktinnovationen“ deutlich. Manuel Pundt (im Bild 2.v.l.), Einkäufer bei Bio Company erklärte, man gebe vielen jungen Marken eine Chance. Immerhin gaben 72 Prozent der Befragten bei biopinio an: Ich probiere gerne neue Produkte aus, die ich zuvor noch nie gekauft habe.“ Außerdem wird der Fachhandel als innovative Einkaufsstätte wahrgenommen: Immerhin 27 Prozent der Konsumenten stimmten der Aussage zu „neue, innovative Produkte gibt es vor allem im Bio-Laden bzw. im Bio-Supermarkt“ – nur 7 Prozent stimmten dem für den LEH zu; 67 Prozent sahen das allerdings gleichermaßen in Bio-Einkaufsstätten und im LEH gegeben.

Neuprodukte kommen jedes Jahr Tausende auf den Markt. Fabian Ganz (im Bild 3.v.l.) von biovista Marktforschung gibt die Zahl der neuen Bio-Produkte mit 2.700 im vergangenen Jahr an. Tatsache sei, dass junge Firmen einen langen Atem brauchen, bevor sie in den Regalen des Handels stehen. Laut Ganz verschwinden 65 Prozent der Produkte bereits im ersten Jahr wieder. Noch ernüchternder: Nur 5 Prozent dieser Artikel schaffen es in die Hälfte aller deutschen Bioläden. Und das obwohl laut Ganz viele exzellente Artikel von pfiffigen Start-ups unter den Neuprodukten sind. Das bestätigte auch Trendscout und „Innovationen-Großhändler“ Dirk Siemenowski von Foodies & Friends (im Bild ganz links).

Von etlichen Start-ups ist zu hören, dass sie eine Listung im Naturkostfachhandel anstreben, dies jedoch oft recht schwierig ist, insbesondere für die Produkte, die als erstes im LEH stehen. Die mangelnde Einlistungsbereitschaft für neue Marken ist unter anderem auch der Innovationskraft der bestehenden Marken geschuldet. Die bio-affinen Befragten des biopinio-Panels gaben im Verhältnis zur Markenbekanntheit als Top 10 der innovativen Marken bekannte Unternehmen an: Alnatura, Veganz, Rapunzel, Taifun, Sonnentor, Davert, Oatly, Wheaty, Govinda und Zwergenwiese.

Dass es nicht so bleiben muss, zeigen erfolgreiche Marken-Launches der vergangenen Jahre. Um den Fachhandel als Ort der Innovation zu beleben, wäre wünschenswert und käme den Kunden entgegen. Es wurde auch der Wunsch von Start-up-Unternehmen nach mehr Zusammenarbeit mit Bio-Pionieren laut. Viele sehen das als Win-win-Situation.

Lesen Sie hier die Kurzversion der biopinio-Studie „Fachhandel und Produktinnovationen“.

Jungunternehmer als Impulsgeber für die Bio-Branche

Im Kontext des BioFach Kongresses lud der bio verlag zur Veranstaltung „Neu inspiriert. Frische Erfolgskonzepte von jungen Unternehmen“ ein. In kurzen Impulsvorträgen stellten vier junge Unternehmen ihr Erfolgskonzept vor. Im Anschluss bekamen die Veranstaltungsteilnehmer die Möglichkeit, sich im Rahmen eines dreiteiligen World-Cafés mit den Unternehmern auszutauschen und ihnen Fragen zu stellen. Um Interessierten möglichst vielfältige Anregungen und Ideen mit auf den Weg geben zu können, hatte sich der bio verlag bewusst dafür entschieden, sowohl Hersteller als auch Einzelhändler als Referenten zu Wort kommen zu lassen.

Referenten der Veranstaltung

Die Referenten der Veranstaltung des bio verlags (v.l.n.r.): Annett Schwarze,
Jan Hentrich, Ludwig Speidler und Martina Faßbender.
 

Zu den Sprechern der Veranstaltung gehörten:

  • Martina Faßbender, Gründerin der Brotmanufaktur Martinas Brotgefühle, die Bio-Backwaren frei von von Weizen, Gluten, Laktose, Soja und Lupinen produziert
  • Annett Schwarze, Gründerin der Dresdner Brotaufstrichmanufaktur Vegannett, die vegane Aufstriche aus Nüssen und Gemüse herstellt
  • Ludwig Speidler, Inhaber des Naturwerk Samhof, eines kleinen Hofladens mit Café sowie einer dazugehörigen Ferienwohnung im Baden-Württembergischen Wolfegg
  • Jan Hentrich, Gründer und Inhaber des Bio-Ladens Sonnenblume Naturkost mit Investitionsmöglichkeit in Form einer Bürgerfinanzierung für Kunden in Grünberg und Laubach in Hessen

Neu inspiriert-Vegannett-Annett Schwarze

Annett Schwarze, Gründerin von Vegannett, spricht im World Café des bio verlags
über ihre veganen Aufstriche. Foto: Daniela Nickel

 


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