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Naturkost Süd: Produkte der Zukunft gekürt

von Horst Fiedler (Kommentare: 0)


„Produkte der Zukunft“: Verkostung am Stand von Bio-Safthersteller Beutelsbacher bei Naturkost Süd. © Horst Fiedler
„Produkte der Zukunft“: Verkostung am Stand von Bio-Safthersteller Beutelsbacher bei Naturkost Süd. © Horst Fiedler

Jeweils sieben Minuten Zeit hatten 24 Hersteller bei einer Veranstaltung des Vereins Naturkost Süd, ihre „Produkte der Zukunft“ Einzelhändlern vorzustellen. Anschließend wurden die präsentierten Artikel verkostet und deren Zukunftsfähigkeit bewertet.

Ziel der Veranstaltung war es, in Zeiten der Orientierungskrise Zeichen des Vertrauens zu setzen. „Die Einzelhändler wissen zwar, dass sie selbst eine starke Marke sein müssen. Aber sie brauchen auch starke Marken in den Regalen“, sagte Vorstand Günther Haidl. Dabei spiele das Thema Zukunft eine Rolle: „Was nützt dem Menschen, was der gesamten Gesellschaft?“ Wer allerdings dachte, dass nur Neuentwicklungen vorgestellt würden, wurde eines Besseren belehrt: Zu den „Produkten der Zukunft“ zählten auch bewährte Artikel wie der Möhrensaft von Voelkel und das 500-Gramm-Glas Naturjoghurt der Andechser Molkerei. Denn reine Naturprodukte sind per se zukunftsfähig und oft auch Hauptumsatzbringer. Was Zutaten und Herstellungsverfahren angeht, scheint weniger mehr zu sein. Jedenfalls standen am Ende reine Naturprodukte an der Spitze.

La Selva warb für Tomaten mit dem Herkunftsnachweis „100 Prozent aus der Toskana“. Dies sei ein Alleinstellungsmerkmal und damit zukunftsfähig. Die Tomaten würden stets frisch verarbeitet und der Ketchup enthalte kein Zucker.
Logo Rapunzel
Rapunzel präsentierte ein Kokosmandelmus mit nur drei Zutaten: 20 % Datteln, jeweils 40 % Kokos- und Mandelmus. „Wir entwickeln Produkte für den Gaumen“, sagte Vertriebsleiter Thies Curschmann.
Logo Rapunzel
Ein Blütensalz mit 30 Prozent Blüten und Kräutern war ein weiteres Angebot. Auf das Demeter-Produkt Gomasio mit Curkuma müssen die Läden noch bis Oktober warten.
Logo Probios
Probios bot Couscous mit Curcuma und Gemüse, in 5 Min. fertig, Gnocchi mit 10 % Prozent Quinoa („unser bestes Produkt“), mit 2 Min. Kochzeit, und eine Mayo ohne Ei auf Reisbasis.
Logo Schilcher
Schilcher präsentierte einen lange gereiften Bergkäse aus der Milch, die 22 Bauern in 1.600 m am St. Bernadino-Pass produzieren. Die Kühe könnten dort zwischen 164 Blütenpflanzen wählen. Der Käse habe einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren.
Voelkel Logo
Voelkels Produkt der Zukunft sei sein umsatzstärkster Saft, der Möhrensaft mit samenfesten Sorten. Eine Antwort auf das Zuckerproblem gab der Safthersteller mit Kumbucha-Saft. Und bioC ist der Beitrag Voelkels zu den modernen Funktionsgetränken.
Voelkel Logo
Junior Jurek Voelkel hob hervor, dass gesunde Produkte aus gesunden Strukturen eine Zukunft hätten. „Demeter reicht nicht, die Marke hat auch dm!“, sagte er und verwies auf den eigenen Anbau und die Verarbeitung, sowie die Zusammenarbeit mit Kultursaat.
Naturata Logo
Die Naturata AG sieht ihre Dinkel-Teigwaren als Produkte der Zukunft. Dinkel sei verträglicher als Weizen. Das Getreide werde auf der schwäbischen Alb von 25 Landwirten angebaut und auch in Baden-Württemberg verarbeitet. Die Bauern würden fair entlohnt.
Naturata Logo
Naturata ist auch für ihre Schokolade eng in Kontakt mit ca. 1.800 Kleinbauern in der Dom. Rep. Hergestellt wird in der Schweiz, alle Herkunftslinien seien transparent. Eine Kokosmilchschokolade aus diesem Segment u.a. als Zukunftsprodukt präsentiert.
Georg Thalhammer Logo
Für Georg Thalhammer, Dauergewinner des Best New Product Award der BioFach, ist Kürbispüree das Produkt der Zukunft. Es werde aus Ausschussware von 15 Landwirten produziert, sei ressourcenschonend, habe viel Vitamin C und mehr Beta-Karotin als eine Möhre.
Georg Thalhammer Logo
„Man kann zum Beispiel eine Pizza damit machen“, so Michael Thalhammer. Der Gründer sei kein Typ großer Worte, er handele lieber. Etwa, als es darum ging, Bauern bei der Verwertung einer schlechten Ernte zu helfen – mit der Produktion von Kürbispüree.
Bauckhof Logo
Für Bauckhof sind Haferflocken nicht nur der umsatzstärkste Artikel, sondern auch ein Produkt mit Perspektiven. Das Wunder Broed, das nur aus Getreide besteht, zählt für Vertriebsleiter Ulrich Rüben ebenfalls zu den Zukunftsprodukten.
Beutelsbacher Logo
Beutelsbacher präsentierte als „Produkte der Zukunft“ seinen Clementinen-Saft, die Orange-Karotte-Ingwer-Mischung und den Rote-Beete-Saft, der aus einer milden samenfesten Rote Beete-Sorte besteht.
Beutelsbacher Logo
Die Frage, ob man lieber Obst essen oder Saft trinken sollte, beantwortet Beutelsbacher so: Weil es viele Monate kein frisches Obst in unseren Breiten gibt, empfiehlt sich ein Direktsaft, der bei Beutelsbacher jeweils aus reifem Obst hergestellt werde.
Spielberger Logo
Spielberger präsentierte das Superfood Hafer („jährliches Wachstum im zweistelligen Bereich“), Parboiled-Reis und gewalzte Dinkel-Bandnudeln als Zukunftsprodukte. Der Demeter-Verarbeiter betonte seine Produkte seien Grundnahrungsmittel, wenig verarbeitet.
Andechser Molkerei Logo
Die Andechser Molkerei pries einen Naturjoghurt mit dreimal mehr Reifezeit für mehr Geschmack an. „Was ohne Ruhepause geschieht, ist nicht von Dauer“, zitierte Inhaberin Barbara Scheitz einen Gelehrten.
Andechser Molkerei Logo
Als weitere Zukunftsprodukte der Andechser Molkerei hatte Barbara Scheitz noch Ziegenjoghurt („für Genießer“) und Bio Sweet Lassi mit Rosenwasser im Gepäck.
Lebensbaum Logo
„Gegenwart braucht Herkunft, wenn sie Zukunft gestalten will“, so Björn Wnuck von Lebensbaum. Er verwies auf Anbau-Projekte für Tee, Kaffee und Gewürze: „Qualität hat Herkunft.“ U.a. gehört Harissa aus dem Sekem-Projekt zu den Produkten der Zukunft.
Lebensbaum Logo
Einen Blick auf künftige Technik wagte Wnuck auch: Mit einem Transponder am Kaffeebecher könne man beim Kaffeetrinken bald einen Bericht aus der Rösterei ansehen.
bioverde Logo
Für bio verde steht fermentiertes Gemüse aus der koreanischen Küche auf der Liste der Zukunftsprodukte: Das Kimchi gibt es mit Kurkuma, Ingwer und frischem Knoblauch.
bioverde Logo
Weil Algen eine immer größere Bedeutung für die Welternährung haben, hat bio verde mit handgeernteten Braunalgen aus der Bretagne Salate und Meeres-Spaghetti kreiert.
bioverde Logo
Zugunsten einer nachhaltigen Wildfischerei kooperiert bio verde mit 15 naturlandzertifizierten Ostsee-Fischern. Der gefangene Hering wird als Filet, Rollmops oder Salat angeboten.
completeorganics Logo
Das Start-up completeorganics bietet Kimchi-Produkte u.a. als Rote Beete-, Karotten- und Kohlvariante an – mit Goji-Beere, Ingwer bzw. Kurkuma. Auch fermentierte Pasten und Getränke gehören zum Portfolio.
completeorganics Logo
completeorganics-Geschäftsführer Sebastian Koch überzeugte mit der Aussage, dass gesunde Ernährung Fermentation einschließen müsse: „Der Prozess hält fast alle Nährstoffe im Gemüse und es bilden sich die für unseren Darm so wertvollen Mikrobakterien“.
Chiemgauer Naturfleisch Logo
Ein Zukunftsprodukt von Chiemgauer Naturfleisch ist fast 30 Jahre alt und schon heute ein Renner: die Rindersalami. einst gedacht, um Bauern, die ihren Betrieb umgestellt hatten, auch die Gelegenheit zu geben, ihr Vieh ökologisch zu vermarkten.
Chiemgauer Naturfleisch Logo
Weitere Zukunftsprodukte von Chiemgauer Naturfleisch: eine Schinkencreme aus Putenkochschinken und Frischkäse, und Rinder-Chips aus Randstücken, die beim Aufschneiden des Schinkens entstehen – abgepackt von der Lebenshilfe Traunstein.
Ökologische Metzgerei Landfrau Logo
„Den Wiederkäuern gehört die Zukunft“, hieß es von der Ökologischen Metzgerei Landfrau, die 1998 in den Unternehmensverbund der Hofpfisterei aufgenommen wurde, um den Kreislaufgedanken des ökologischen Landbaus zu unterstützen.
Kloster Plankstetten Logo
Auch mit einer alten Getreide-Sorte lässt sich Zukunft gestalten, wie das Kloster Plankstetten aus der Oberpfalz zeigte. Dort wird ein Emmer-Brot gebacken, das als vitaminhaltig und bekömmlich gilt.
Kloster Plankstetten Logo
Vermutlich ewig halten wird der in der eigenen Brennerei des Klosters Plankstetten hergestellte Klosterbierbrand, der schon mal drei Jahre im Eichenfass reifen durfte – Vertrieb über Ökoring.
Demeter-Molkerei Schrozberg Logo
Bei der Demeter-Molkerei Schrozberg wurde die Schwedenmilch als Zukunftsprojekt auserkoren: Ehrlich, authentisch, rein und vor allem mild sei sie. Auch der Erdbeer-Joghurt mit erntefrischen Erdbeeren („eine halbe Stunden nach der Ernte“) gehört dazu.
Demeter-Molkerei Schrozberg Logo
Dass 20 Frauen aus dem Dorf die Frucht zubereiten, sorgte für Erstaunen bei den Tagungsteilnehmern. „Zukunft ist das, was wir wollen!“, hieß es bei Schrozberg.
Herbaria Logo
mit in Zukunft alles gut schmeckt, empfahl Herbaria die Gewürzprodukte: Rote Zwiebeln, Querbeet für Salat, Soßen und Suppen (37 % Gemüseanteil) und Tonkabohne aus zertifizierter Wildsammlung, die nach Mandel, Vanille, Marzipan und Karamell schmecken soll.
Fritz Bäckerei Logo
Die Fritz Bäckerei, seit 30 Jahren in München, geht mit der nächsten Bäckergeneration unter dem Motto „Küche trifft Bäckerei“ neue Wege. Die herzhafte Rote-Beete-Schnecke mit den Vitaminen A, B und C ist eine Neuschöpfung.
Fritz Bäckerei Logo
Für Veganer gibt es von der Fritz Bäckerei einen Apfelkrapfen ohne Palmöl, aber mit Apfelschale.
Barnhouse Logo
Für Barnhouse ist Krunchy Pur, wenig süß (Reissirup), nur vier Zutaten, regionales Getreide, ein Zukunftsprodukt. Stolz ist man auf den ersten rein ökologisch gezüchteten Spelzhafer. „Zukunft säen, Krunchy ernten“, heißt es bei Barnhouse.
ÖMA Logo
Der Allgäuer Demeter-Emmentaler gehört zu den Zukunftsprodukten von ÖMA, ebenso wie der Backwerkkäse, ein zwei Monate gereifter Bergkäse mit einer Panade von der Bohlsener Mühle. In fünf Minuten verzehrfähig.
ÖMA Logo
Andreas Albrecht, Vertriebsaußendienstler Bereich Süd bei ÖMA, hob die Gras-Pellet-Verpackung hervor, mit der 50 Prozent weniger CO2 ausgestoßen werde als mit herkömmlicher Verpackung und weniger Wasser- und Chemikalieneinsatz notwendig sei.
byodo Logo
Umweltfreundliche Verpackung spielt auch bei byodo eine Rolle. Für die Nudeln aus roten Linsen (Volanti) wurde eine innovative Pasta-Verpackung gewählt, die zwei Drittel weniger Verbundmaterialen enthält als herkömmliche Verpackungen.
byodo Logo
Und Rapsöl gibt es jetzt von byodo zum besseren Schutz in der Weißblechdose statt im Glas. Zukunftsfähig ist für den Hersteller auch der mittelscharfe Senf, den es jetzt auch in der Fließflasche gibt. 9 Landwirte bauen den Senf regional auf 18 ha an.

Angemeldet hatten sich 40 Einzelhändler, 27 waren schließlich nach Tutzing an den Starnberger See gekommen und hatte sichtlich Freude am zum Teil sehr kreativen Storytelling der Hersteller. Unter den insgesamt 45 Teilnehmern waren noch acht aus dem Großhandel und vier Berater. Die Hersteller hätten sich über weitere Ladnerinnen und Ladner gefreut. Auch für deren Mitarbeiter wäre die Veranstaltung geeignet gewesen, um mehr aus erster Hand über Produkte zu erfahren. Warum es auf die 1.900 Einladungskarten an Einzelhändler außerhalb des Vereins Naturkost Süd keine Resonanz gab, bleibt ungeklärt.

Eine spaßige Einlage bot die Bohlsener Mühle, „der älteste Start-up“. Geschäftsführer Manuel Pick bat die Teilnehmer, Eigenschaften zu nennen, die den Keks der Zukunft ausmachen. Zu den Vorschlägen gehörten: Dinkel, schokoladig, kein Palmöl, vegan, Verpackung ohne Plastik und preisgünstig. Pick notierte alles soweit, meinte aber, das Wort preisgünstig könne er nicht schreiben. Demnach wird der Keks der Zukunft, der zur BioFach 2019 am Markt sein soll, viele zukunftsträchtige Eigenschaften haben (vor allem regionale Zutaten), aber nicht unbedingt preisgünstig sein.

Die Gewinner „Produkte der Zukunft“

Kimchi von completeorganics
Kokos-Mandelmus von Rapunzel
Kokos-Mandelmus von Rapunzel
Tonkabohnen von Herbaria
Tonkabohnen von Herbaria

 

Naturkost Süd zur Bewertung im Einzelnen:

1. Kimchi-Produkte von completeorganics

Bei 40 gültigen Bewertungen landete completeorganics 13 Mal auf Platz 1 und belegte auf 25 Abstimmungskarten einen der drei Plätze. Bemerkungen wie „regional & modern“, erdiger geht’s nicht > back to the roots!“ oder „gesund, regional, innovativ“ geben einen Eindruck davon, was hier überzeugte.

2. Kokos- & Mandelmus mit Datteln von Rapunzel

Das Rapunzel-Produkt war auf vier Bewertungskarten die Nummer 1, neun Mal Nummer 2 und dreimal Nummer 3. Eine repräsentative Beschreibung lautete „Wenig gute Zutaten, ohne Zucker, superlecker“.

3. Tonkabohnen im Zuckerbett von Herbaria

Betrachtet man nur die ersten Plätze auf den Bewertungskarten, dann läge Herbaria mit sechs Nennungen sogar noch vor Rapunzel. Fünf Teilnehmer gaben der BioTonkabohne auf ihrer Karte Platz 2, drei Teilnehmer wählten sie auf Platz 2, drei Teilnehmer wählten sie auf Platz 3.


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