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Monsanto steht vor Gericht

von Karin Heinze (Kommentare: 1)


Wir haben es satt Demo 2016 in Berlin: Round up yourself Monsanto

Bild: "Wir haben es satt"-Demo 2016 in Berlin: "Go - Round up yourself Monsanto" steht auf dem Poster.

Tribunale werden wegen schwerwiegender Verbrechen ins Leben gerufen, um Vergehen gegen die Menschlichkeit anzuklagen und zu ahnden. In Den Haag tritt nun vom 14. bis 16. Oktober das Monsanto Tribunal zusammen. Dieses symbolische Bürgergericht wird drei Tage lang Kläger aus aller Welt anhören und die Vergehen des namensgebenden Agro-Konzerns zusammenfassen. Ziel ist zudem, den Strafbestand "Ökozid" neu in das internationale Strafrecht aufnehmen zu lassen. Als solcher wird die Verursachung von schweren Schäden an der Umwelt, globalen Gemeingütern und Ökosystemen bezeichnet. Parallel findet die People´s Assembly statt, wo Strategien und Konzepte für die Bewahrung der Ressourcen und eine lebenswerte Zukunft entwickelt werden. Diese einzigartige Initiative braucht Unterstützung. Nicht von ungefähr endet das Tribunal am 16. Oktober, dem Welternährungstag. Bis dahin wird es zusammentragen, was dem US-amerikanischen Konzern, der Chemikalien und gentechnisch verändertes Saatgut produziert, vorgeworfen wird.

Das Unternehmen aus St. Louis, Missouri, gibt es schon seit 115 Jahren. Es hat Niederlassungen in über 60 Ländern und beschäftigt weltweit über 22.000 Mitarbeiter. Monsanto hat einen immens schlechten Ruf und bringt überall auf der Welt Menschen auf die Straße, die gegen die gesundheits- und umweltschädlichen Produkte sowie gegen das skrupellose Verhalten des Unternehmens protestieren. Der Konzern ist z.B.verantwortlich für Klagen gegen Bauern, denen er vorwirft Lizenzgebühren zu unterschlagen (prominentes Bsp. Percy Schmeiser) aber auch für Selbstmorde von Bauern in Indien, die Saatgut und Lizenzen nicht bezahlen können. Es gibt jede Menge Aktionen, die sich gegen die Produkte der Firma, z.B. das Pestizid Round-up und den Wirkstoff Glyphosat oder gentechnisch verändertes Saatgut (Baumwolle, Mais, Raps) wehren: Mit den Initiativen „Millions Against Monsanto“, „March Against Monsanto“ oder „Wir haben es satt“ protestieren regelmäßig Hunderttausende in vielen Ländern rund um den Globus. 

Wir haben es satt Demo 2016 in Berlin - Monsanto ist das Sinnbild für den Wahnsinn der Agrarindustrie

Bild: "Wir haben es satt Demo"-2016 in Berlin - Monsanto ist das Sinnbild für den Wahnsinn der Agrarindustrie

 

Marie-Monique Autorin und Patin des Monsanto Tribunals Die Autorin und Filmemacherin Marie-Monique Robin, die mit ihren Büchern und Filmen „Monsanto — mit Gift und Genen“ oder „Unser täglich Gift“ aufrüttelt, sagt: „Es ist höchste Zeit, die Firma zur Rechenschaft zu ziehen.“  Das Tribunal wolle ein exemplarisches Urteil erzielen, „denn Monsanto ist sicherlich nicht das einzige Unternehmen, das die Sicherheit der Erde und der Menschen bedroht. Die Verteidigung der Erde geht uns alle an“, erklärt die Patin des Monsanto Tribunals und ruft zur Unterstützung auf. “

 

Tatbestand Ökozid

Das Monsanto Tribunal wurde am Rande der Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015 ins Leben gerufen. Ziel ist, das Unternehmen für eine lange Liste von Verbrechen gegen Menschen und Umwelt zur Rechenschaft zu ziehen. Marie-Monique Robin: „Mit diesem außergewöhnlichen Tribunal wollen wir sagen: Es ist genug! Das Leben hat mehr Wert als Geld und Gewinn. Zudem soll der Tatbestand „Ökozid“ in das internationale Strafrecht aufgenommen werden. 

Tatsache ist, dass Monsanto seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts hochgiftige Produkte herstellt und vermarktet, die Gesundheitsschäden und den Tod von Tausenden von Menschen verursacht haben und noch verursachen sowie die Umwelt dauerhaft schädigen. Beispiele dafür sind auf der Webseite des Monsanto Tribunals aufgeführt: 

Warning pesticides

PCB (polychloriertes Biphenyl), einer von zwölf offiziell im Stockholmer Übereinkommen von 2001 (POP-Konvention) verbotenen oder eingeschränkten langlebigen Schadstoffe, der die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier beeinträchtigt.

- 2,4,5 T-Säure (2,4,5-Trichlorphenoxyessigsäure), ein dioxinhaltiger Bestandteil des Entlaubungsmittels Agent Orange, das von der amerikanischen Armee während des Vietnamkriegs eingesetzt wurde und heute noch Geburtsschäden und Krebs verursacht.

- Alachlor, Markenname Lasso, ein mittlerweile in Europa verbotenes Herbizid;

RoundUp, das weltweit am meisten eingesetzte Pestizid, das mittlerweile zum Politikum geworden ist. Das hochgiftige Herbizid wird großflächig in Kombination mit genmanipuliertem Saatgut - sogenanntem „RoundUp Ready“-Saatgut – verwendet und steht im Verdacht, Krebs und Geburtsschäden auszulösen. 

 

Monsanto steht für umweltschädigende Agrarindustrie und Verschleierung

Von der industriellen Landwirtschaft werde weltweit mindestens ein Drittel der anthropogenen (von Menschen) CO2-Emissionen verursacht, heißt es weiter auf der Webseite der Monsanto-Tribunals. Diese Form der Landwirtschaft sei zu einem großen Teil verantwortlich für die Abnahme von Bodenfruchtbarkeit und Grundwasserreserven, für Biodiversitätsverlust und Artensterben sowie weltweit für die Verdrängung von Millionen von Kleinbauern. „Mit der Patentierung von Lebewesen und Saatgut bedroht dieses Modell die Ernährungssouveränität von uns allen“, so die Organisatoren des Tribunals. Dies alles ist noch nicht genug. Es gibt eine Reihe von Beweisen, dass der Konzern die verursachten Schäden leugnet und alles dafür tut, das „System Monsanto“ aufrechtzuerhalten. So wurde zum Beispiel aufgedeckt, dass unabhängige Wissenschaftler unter Druck gesetzt und betrügerische „wissenschaftliche“ Studien veröffentlicht wurden. Auch vor der Manipulation von Behörden, Politikern und der Presse schrecke Monsanto nicht zurück, so die Kritiker.

Monsanto Logo

Das Monsanto Tribunal

In Den Haag werden rund 20 Kläger aus Amerika, Europa, Asien und Afrika, begleitet von erfahrenen Anwälten, vor hochrangigen Anwälten und Richtern aus fünf Kontinenten aussagen, die daraus ein Rechtsgutachten formulieren, das auf den Verfahren des Internationalen Gerichtshofs basiert. Nach den allgemeinen Grundsätzen des Zivilverfahrensrechts ist auch das angeklagte Unternehmen eingeladen, seine Argumente vorzutragen. Das Tribunal stützt sich auf die im Jahre 2011 verabschiedeten „UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“.

Drei international anerkannte Richter werden gemeinsam den Vorsitz des „Bürger-Gerichts" führen: Dior Fall Sow (Senegal), ehemalige Generalanwältin des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda, Francoise Tulkens (Belgien), ehemalige Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und Upendra Baxi (Indien), ehemaliger Präsident der Indian Society of International Law. Ebenso wurden zwei der Anwälte namentlich bekanntgeben, die im Sinne des Tribunals die Anklage führen werden: Dr. Jackson Nyamuya Maogoto (UK) wird im Verfahren gegen Monsanto die Frage vorbringen, ob der Konzern in Kriegsverbrechen laut Artikel 8, Absatz 2 des Statutes für den Internationalen Strafgerichtshof verwickelt war. Dr. Gwynn MacCarrick soll die Frage des „Ökozids“ darlegen. Die Anwältin und Rechtsgelehrte wird untersuchen, ob die vergangenen und gegenwärtigen Aktivitäten von Monsanto als „Ökozid“ dargestellt werden können.

Ronnie Cummins, Chef der amerikanischen Verbraucherorganisation Organic Consumers Association Zu den Initiatoren des Tribunals gehören unter anderem der Bio-Weltdachverband IFOAM International Organics, die Organisation Navdanya der indischen Öko-Aktivistin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises Vandana Shiva, der mitgliederstarke amerikanische Verband der Bio-Konsumenten Organic Consumers Association OCA sowie weltweit agierende Nichtregierungsorganisationen. Ronnie Cummins, Direktor der OCA und von Via Organica (Mexiko) erklärt: „Es ist schon lange überfällig, dass ein Internationaler Gerichtshof (aller Weltbürger) Monsanto den Prozess macht wegen dessen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen die Umwelt.“

Konzepte für eine lebenswerte Zukunft

Gleichzeitig wird die so genannte People´s Assembly stattfinden, um gemeinsam Strategien und Konzepte für die Bewahrung der Grundlagen unseres Planeten und eine lebenswerte Zukunft zu entwickeln. Einbringen können sich NGOs sowie Privatpersonen. Die Initiative ist auf die Unterstützung der Bürgergesellschaft angewiesen. Das Budget für die Vorbereitung und Durchführung des Tribunals wird auf eine halbe Million Euro geschätzt. Die Initiatoren rufen Bürgerinnen und Bürger auf der ganzen Welt dazu auf, diese einzigartige Initiative durch eine Crowdfunding-Aktion zu unterstützen und die Botschaft in ihrem Freundeskreis und über soziale Netzwerke zu verbreiten. Die Spenden werden von der Stiftung Monsanto Tribunal mit Sitz in Amsterdam verwaltet.

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Kommentar von Margarethe Herlt |

Als Mutter von 5 erwachsenen Kindern liegt mir die Gesundheit aller Erdenbewohner/innen auf dem Herzen.Ich freue mich täglich über meine Küchenkräuter die bei mir wild wachsen dürfen. Fast alles am Wegesrand gibt uns Kraft und Energie.Lassen wir doch einfach die Ränder wieder größer werden um die Farbenvielfalt meiner Kindertage wieder sehen und bestaunen zu können.Bei Rückenschmerzen setze ich diese Farben bei mir zur Selbstheilung ein.Auf geht's Weltgemeinschaft in die farbenfrohe Zukunft !!!!!!!!!!!!!!!



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