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Jahresrückblick, Teil eins: Politik, Veranstaltungen, Menschen

von Alexander Reinbold (Kommentare: 0)


2016 neigt sich dem Ende entgegen. Wir lassen die Ereignisse Revue passieren, die die Branche in den vergangenen zwölf Monaten bewegt haben.

Los ging es fast schon traditionell mit einem klaren Statement gegen die Agrarindustrie. Zur Demo „Wir haben es satt“, die einmal mehr während der Grünen Woche stattfand, kamen im Januar rund 23.000 Menschen nach Berlin. Sie folgten dem Ruf der Veranstalter – einem Bündnis aus landwirtschaftlichen, sozialen und umweltpolitischen Organisationen – die zum sechsten Mal ein starkes Signal für die ökologische Landwirtschaft gesetzt haben.

Glyphosat und kein Ende

Ein weiterer Dauerbrenner, der Bürger und Politik beschäftigt, ist das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat. Ende Juni, und damit praktisch in letzter Minute, hat die EU-Kommission tatsächlich über die Wiederzulassung des umstrittenen Herbizids entschieden – zuvor war die Abstimmung zweimal verschoben worden. Bis Ende 2017, also um 18 Monate, wurde die Zulassung verlängert. Bis dahin soll die Europäische Chemikalien-Agentur ECHA eine weitere Bewertung des Wirkstoffs vorlegen. Weil die Frage im Bundeskabinett umstritten ist, hatte sich Deutschland der Stimme enthalten.

Alnatura und dm streiten sich weiter

Schon länger schwelt der Konflikt zweier ehemaliger Weggefährten. Mehrfach trafen sich Götz Rehn (Alnatura) und Götz Werner (dm) in diesem Jahr vor Gericht. Das Drogerie-Unternehmen fordert zum einen ein Mitspracherecht, über welche Handelsketten Alnatura seine Produkte vertreibt. Werner beruft sich auf einen Kooperationsvertrag, den die beiden Unternehmen in den 1980er Jahren geschlossen hatten. Im Dezember gab das Landgericht Darmstadt dem Bio-Filialisten Recht: dm darf demnach keinen Einfluss auf die Wahl der Handelspartner nehmen. Ob der Drogist in Berufung geht, steht derzeit noch nicht fest.

Wie dem auch sei – vor dem Richter sehen sich die beiden Schwager auf jeden Fall noch einmal. Und zwar in Frankfurt: Das dortige Landgericht hatte in erster Instanz eine weitere Klage von Werner abgelehnt, nach der er die Rechte an der Marke Alnatura für sich beansprucht. Werner argumentiert damit, dass Alnatura erst durch dm erfolgreich geworden sei. Die Berufung vor dem Oberlandesgericht soll nun im Februar 2017 verhandelt werden. Neben dem dm-Gründer klagt auch der ehemalige Tegut-Vorstand Wolfgang Gutberlet gegen das Bio-Unternehmen.

Urs Niggli

Massive Kritik aus der Bio-Branche zog sich im April Urs Niggli zu, Direktor des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL). In einem Interview mit der taz äußerte er sich differenziert über die gentechnische Methode CRISPR/Cas in Bezug auf Pflanzenzüchtung. Heftig darauf reagiert haben unter anderem haben die im Verein saat:gut zusammengeschlossenen ökologischen Pflanzenzüchter mit einem offenen Brief.

Auf und ab bei Milchpreisen

Für einen katastrophalen Preissturz bei konventioneller Milch sorgten im Mai die Discounter Aldi und Norma. Sie senkten den Literpreis um 25 Prozent. Fettarme Milch war damit für 42 Cent zu haben, Vollmilch für 46 Cent. Auch Bio-Milch wurde deutlich billiger. Besonders verheerend war das Preisdumping, weil sich an Aldi üblicherweise auch die anderen Handelskonzerne orientieren. In einer gemeinsamen Erklärung stellten sich Mitglieder des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. gegen eine Senkung der Bio-Milchpreise.   

Erst im November machten die Handelsketten ihr Vorgehen rückgängig. Aldi Nord und Aldi Süd hoben die Kosten für die fettarme Variante um 18 auf 60 Cent je Liter an, für Vollmilch um 19 auf 65 Cent.

© enisNata - Fotolia.com

Kükentöten und Elefantenhochzeit

Kükentöten ist vernünftig. So zumindest sieht es das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster. Im Mai entschied es, dass das massenhafte Töten männlicher Eintagsküken nicht gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Die konventionelle Eierwirtschaft begrüßte das Urteil, Tierschutzorganisationen und einige Politiker kritisierten die Richter und die Untätigkeit des Bundeslandwirtschaftsministers. 

Rund 60 Milliarden Dollar: So viel würde der deutsche Chemiekonzern Bayer zahlen, um sich den US-Konkurrenten Monsanto einzuverleiben. Der Übernahme müssen noch die Monsanto-Aktionäre zustimmen, ebenso die zuständigen Kartellbehörden. Bayer geht davon aus, dass die gesamte Transaktion bis Ende 2017 abgeschlossen ist. Durch den Deal entsteht der größte Agrarchemiekonzern der Welt. Das freute die Bayer-Aktionäre – NGOs wie WWF, Brot für die Welt und BUND hingegen fordern die Politik auf, die Elefantenhochzeit zu verhindern.

Die Richter des Monsanto Tribunals hören Zeugenaussagen

Apropos Monsanto: 750 Teilnehmer aus 30 Nationen verfolgten im Oktober das Monsanto Tribunal in Den Haag. Bei der Anhörung der Zeugen und dem Plädoyer der Anwälte ging es darum, inwieweit der US-Konzern mit seinen Geschäftspraktiken internationales Recht verletzt hat. Fünf renommierte Richter bildeten das Tribunal und hörten die Zeugen zu sechs juristisch relevanten Themen. Sie dokumentierten die Aussagen von Opfern und deren Vertretern, um in der Folge dem Internationalen Gerichtshof der Vereinten Nationen ein empfehlendes Rechtsgutachten vorzulegen – mit dem Ziel, Ökozid (schwere Vergehen gegen die Umwelt) als Tatbestand im internationalen Recht zu verankern. Das Gutachten wird Anfang 2017 erwartet.

Tierschutzbund verlässt Initiative Tierwohl

Beendet hat der Deutsche Tierschutzbund seine Mitarbeit bei der Initiative Tierwohl (ITW). Sie setze "weiterhin auf Quantität statt Qualität" so der Verband, Transparenz für den Verbraucher bleibe zudem auf der Strecke. In der ITW haben sich konventionelle Unternehmen und Verbände aus Land- und Fleischwirtschaft sowie dem Lebensmitteleinzelhandel zusammengeschlossen um "eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischerzeugung" zu gewährleisten. Der Tierschutzbund war beratend aktiv. Er forderte Landwirtschaftsminister Schmidt nun auf, eine nationale Nutztierstrategie zu entwickeln, in der alle Maßnahmen für mehr Tierschutz ausgerichtet sind.

Revision der EU-Öko-Verordnung vorerst geplatzt

Gescheitert ist im Dezember und bis auf weiteres die Revision der EU-Öko-Verordnung. Weder der Rat noch das Parlament sahen sich in der Lage, vorgelegte Kompromisse unter anderem zu den zentralen Themen Pestizide, Anbau unter Glas oder Saatgut zu akzeptieren, so Martin Häusling, Berichterstatter und agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament . In den sogenannten Trilog-Verhandlungen hatten Europäische Kommission, Europäischer Rat und EU-Parlament mehr als ein Jahr über ein neues Bio-Recht diskutiert.

Eine erstaunliche Anzahl europäischer Anbau-Verbände, darunter auch Bioland, Naturland und Demeter, hatte zuvor auf die kritischen Punkte hingewiesen und einen Abbruch der Verhandlungen gefordert. Auch 190 deutsche Unternehmen der Bio-Branche äußerten in einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und den Europaabgeordneten Martin Häusling ihre tiefe Besorgnis.

Der deutsche Bio-Dachverband begrüßt den Verhandlungsstopp. Ein „Weiter-so“ würde Bio massiven Schaden zufügen, so der BÖLW. Der Verband fordert die EU-Kommission dazu auf, zu einer Politik für Bürger und Bio-Akteure zurück zu kehren, anstatt über ihre Köpfe hinweg regieren zu wollen. Ein Neustart biete die Chance, eine funktionierende Alternative in Landwirtschaft und Ernährung zu schaffen.

Karsten Runge

Die Branche trauert

Im Alter von nur 42 Jahren ist im Mai Karsten Runge gestorben. Er war Chefredakteur der Biowelt und Verlagsleiter der INGER-Verlagsgesellschaft. Sein früher Tod hat die Branche tief betroffen gemacht.

Trauer auch beim Naturkosmetikunternehmen Börlind. Gründerin Annemarie Lindner verstarb im Februar mit 95 Jahren während einer Urlaubsreise.

Personalien 2016

Nach einer kurzen Auszeit meldet sich Ronald Mikus in der Bio-Branche zurück. Der langjährige Geschäftsführer des Großhändlerverbundes Die Regionalen ist nun als selbständiger Marketingberater mit seiner Firma Markensherpa aktiv.

Ralf Schwarz, langjähriger Tegut-Manager, leitet seit Jahresbeginn das Warenmanagement bei der Dennree GmbH.

Der langjährige Leiter der BioFach/Vivaness, Udo Funke, führt nun als Group Event Director die Veranstaltungsreihe maintenance series der Easyfairs Deutschland GmbH in München.

Der bisherige Geschäftsführer von Demeter Baden-Württemberg, Johannes Ell-Schnurr, führt seit 1. März die Geschäfte des Demeter Beratung e. V. (DBeV). Der Verein hat an diesem Tag auch seine Geschäftstätigkeit aufgenommen.

GEPA-Geschäftsführer Robin Roth ist im März aus dem Unternehmen ausgeschieden. Der 50-Jährige war mehr als sieben Jahre bei dem Fair-Trade-Pionier beschäftigt. Ab 1. Februar 2017 hat die GEPA wieder eine Doppelspitze: Dann wird Peter Schaumberger die Bereiche Marketing und Vertrieb der führen. Die kaufmännische Leitung hat weiterhin Matthias Kroth inne.

Jan Plagge

Plagge wiedergewählt

Jan Plagge zum Ersten: Auch in den nächsten fünf Jahren leitet der 46-Jährige die Geschicke bei Bioland. Die Delegierten des größten deutschen Anbauverbands wählten den Diplom-Agraringenieur im März zum zweiten Mal zu ihrem  Präsident. Er vertritt damit weiterhin über 6.200 Öko-Erzeuger.

Jan Plagge zum Zweiten: Der europäische Bio-Dachverband, IFOAM EU, hat Plagge im April zu seinem Vizepräsidenten gewählt.

Eike Mehlhop ist der neue Mann an der Spitze der Allos Hof-Manufaktur. Als Geschäftsführer folgt er auf Gerd Beilke, der die Geschicke des Bio-Herstellers in den vergangenen drei Jahren leitete. Mehlhop hatte zuvor die Führung von Marketing und Produktentwicklung inne.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat seinen Vorstand neu aufgestellt. Die Bereiche „Verarbeitung“ und „Handel“ haben nun jeweils eine eigene Stimme. Danach besteht das Gremium nun aus Elke Röder, die die Säule „Handel“ vertritt, Jan Plagge (Landwirtschaft) – und Paul Söbbeke. Der Unternehmer und Gründer der Bio-Molkerei Söbbeke wurde zum Vorstand  „Verarbeitung“ gewählt. Vorstandsvorsitzender bleibt Felix Löwenstein.


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