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Indien: Der Inlandsmarkt entwickelt sich vielversprechend

von Karin Heinze (Kommentare: 0)


Just Organic booth at BioFach India 2016

Bild: Messestand der indischen Firma Just Organic (Treta Agro)  auf der BioFach India/ India Organic in Neu Delhi

Die positive Entwicklung auf dem indischen Inlandsmarkt und die weitere Professionalisierung von Unternehmen wurde einmal mehr auf der BioFach India/India Organic im November sichtbar. Die Fachmesse vernetzte 177 Aussteller mit über 3.700 Besuchern. Eine ganze Reihe von Unternehmen setzt nicht mehr nur auf den Export, sondern bedient auch den vielversprechenden Heimatmarkt. Beide Potenziale sind noch lange nicht ausgeschöpft. Der Inlandsmarkt wird sich zügig weiterentwickeln, so die Überzeugung von Marktakteuren. Gründe sind der wachsende Mittelstand sowie das zunehmende Gesundheitsbewusstsein. Im Exportgeschäft gibt es jahrzehntelange Handelsbeziehungen: Die stetig hohe Nachfrage der Bio-Märkte im Westen sowie zunehmend auch in wohlhabenden arabischen Staaten und Teilen Asiens eröffnet gute Chancen für den Handel mit Bio-Produkten.

24 Mantra Organic

Bild: Es war viel los auf dem Messestand von Sresta mit seiner Marke 24 Mantra Organic, die sich in Indien gut verkauft.

Markenbildung für den Binnenmarkt

Bis vor ein paar Jahren ging es in Indien überwiegend um den Export von Rohwaren wie Gewürzen, Ölsaaten, Hülsenfrüchten, Getreide oder Tee. Jetzt präsentierten die Aussteller auf der BioFach India/India Organic (BIIO) dem überwiegend indischen Fachpublikum zunehmend Produkte mit professionell gemachtem Markenauftritt, innovative Neuheiten sowie eine wachsende Auswahl von Convenience-Produkten. Franziska Geyer, Geschäftsführerin der Berliner Bio-Teefirma Ôkotopia, zog den Vergleich zur BioFach 2014: "Im Vergleich zu vor zwei Jahren hat die Messe sich noch einmal professionalisiert. Insbesondere hat mich beeindruckt, dass eine Reihe von Unternehmen den Gesamtauftritt deutlich verbessert hat, es findet echte Markenbildung statt." 

Gespräch in der Business Lounge mit Tee-Anbietern

Bild: Im Gespräch: Franziska Geyer, Ökotopia, mit Tee-Anbietern in der Business Lounge der BioFach India.

BIIO debütiert erfolgreich in New Delhi

Nach vielen Jahren in den südindischen Staaten Karnataka (Bangalore) und Kerala (Kochi), fand die achte BioFach together with India Organic zum ersten Mal in Neu Delhi statt. Dieser Umzug ist zwei Tatsachen geschuldet: Zum einen bietet die Hauptstadt als Business Metropole gute Voraussetzungen für eine internationale Bio-Messe, denn gerade in den großen Städten wird Bio stark nachgefragt. Zum anderen fiel die Wahl auf die Hauptstadt, weil hier vom 9. bis 11. November 2017 der IFOAM Weltkongress stattfinden wird und parallel dazu die neunte BioFach India together with India Organic.

Auch viele Erzeuger besuchen die BioFach und nutzen die Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen.

Bild: Auch viele Erzeuger besuchten die BioFach und nutzten die Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen.

Manoj Kumar Menon freut sich über Delhi als neuen Messeplatz. Der Geschäftsführer des indischen Bio-Dachverbandes ICCOA und Co-Veranstalter der BIIO betont: „Öko-Landbau kann für unsere Bauern nur dann zukunftsfähig sein, wenn sie auf dem Markt gut vernetzt sind ihre Produkte konstant zu guten Konditionen verkaufen zu können. In den Metropolen steigt der Bedarf an Bio besonders stark.”

Doch die Exportmärkte dürfen ebenfalls nicht aus dem Blick verloren werden. Deshalb gibt es jedes Jahr Buyer-Seller-Meetings: 19 Einkäufer aus Europa, den USA, dem Mittleren Osten und Asien nahmen daran teil. Laut Veranstalter kamen bei 190 organisierten Gesprächen Geschäfte im Wert von 9,8 Millionen US-Dollar zustande.

Die Business Lounge war Treffpunkt Einkäufer und Verkäufer

Bild: Die Business Lounge war Treffpunkt für Einkäufer und Verkäufer. Dominik Kessler von i+m Naturkosmetik Berlin war besonders interessiert an fair gehandelten Bio-Rohstoffen.

Inlandsmarkt: Bio-Marken in verschiedenen Handelskanälen

Beispielhaft für die Entwicklung des Binnenmarktes sind die Aktivitäten indischer Unternehmen wie Phalada, Sresta, Terrafirma oder Amaara Foods, die mit ihren Brands Pure&Sure (Phalada), 24Mantra Organic (Sresta), tg Terra Greens Organic (Terrafirma) und Dear Earth (Amaara Foods) die gesundheitsbewussten Städter Indiens ansprechen.

Mit einem Sortiment von 100 bis 250 Artikeln, angefangen bei Basisprodukten wie Getreide, Hülsenfrüchte, Gewürze und Öle, über Trochenfrüchte, Säfte oder Frühstücksvcerealien bis zu Snacks und Keksen, bauen die Firmen ihr Angebot in Richtung Fertig- und Convenience-Produkte aus. Die Marke 24Mantra Organic umfasst mittlerweile rund 250 Produkte, die in über 10.000 Geschäften aller Art verkauft werden sowie in eigenen Filialen gleichen Namens. Der Geschäftsführer von 24Mantra Organic N. Balasubramanian erwartet, dass die Zahl der Verkaufsstellen im Laufe der nächsten drei Jahre auf 100.000 wächst (Video-Interview).

 

 
Die Verarbeiter arbeiten direkt mit Kleinbauern zusammen

Die genannten Unternehmen sind es unter anderen auch, die eine große Zahl von Kleinbauern im Bio-Anbau unterstützen und ihre Produkte vermarkten. Das Unternehmen Sresta aus Hyderabad, das 2004 von Raj Seelam gegründet wurde, arbeitet beispielsweise mit über 25.000 Kleinbauern, die zusammen rund 60.000 Hektar (150.000 acres) in verschiedenen Bundesstaaten Indiens bewirtschaften. Beim Sresta-Konzept „from farm to fork“ (vom Acker auf den Teller) gehe es neben den Produkten, die den Konsumenten eine Wahl für gesunde Lebensmittel anbieten, auch insbesondere darum, mehr und mehr Bauern durch den Bio-Anbau und die Vermarktung ein gutes Leben zu ermöglichen, betont der Geschäftsführer von 24Mantra Organic, N.Balasubramanian.

24Mantra Letter Organic Sortiment auf der BioFach India

Bild: N.Balasubramanian präsentiert das24Mantra Organic Sortiment auf der BioFach India.

 

Phalada Pure&Sure

Die Firma Phalada arbeitet mit etwa 1.500 Kleinbauern in verschiedenen Bundesstaaten Indiens zusammen. Vom überwiegend exportorientierten Unternehmen, hat die 1999 gegründete Firma aus Bangalore, den Binnenmarkt entdeckt und baut seine Marke Pure& Sure seit 2004 stetig aus. Dem historisch gewachsenen und immer noch sehr wichtigen Export geschuldet sind die zahlreichen Zertifizierungen für den europäischen, den japanischen und den amerikanischen Markt. Moderne Anlagen in Bangalore verarbeiten Gewürze und Kräuter, Kokos und Fertigprodukte für den Binnenmarkt und den Export.

Erfolgreich: Terra Greens Organic

Auch das Unternehmen Terrafirma ist ein sehr gutes Beispiel für das Modell der direkten Zusammenarbeit mit Kleinbauern. Erst 2013 gegründet, hat sich die Marke Terra Greens Organic schon einen festen Platz auf dem indischen Markt erobert: Das rund 100 Produkte umfassende Sortiment ist in 13 Bundesstaaten und etwa 500 Geschäften sowie in Online-Shops vertreten. Die junge Firma arbeitet mit 7.000 Kleinbauern zusammen. Firmengründerin Likitha Bhanu erwartet für 2016 einen Umsatz von über zwei Millionen US-Dollar und will das Geschäft auf allen Ebenen ausbauen.

Terra Greens Organic at the BioFach

Bild: Terra Greens Organic präsentierte auf der BioFach India Fertigmischungen für die schnelle Küche.

Start-up Dear Earth

Dem erfolgreichen Modell folgt auch das Start-up Amaara Food & Wellness Pv. Ltd. mit seiner Marke Dear Earth. Das Unternehmen aus Neu Delhi wurde im April 2014 von Ramandeep Singh and Aman Deep Singh gegründet. Die Produkte mit der eingängigen Backgroundstory, die vom “Schutz unserer Umwelt” und der “Verantwortung für unseren Planeten” erzählt, kommen von 15 Projekten in denen etwa 15.000 Kleinbauern beschäftigt sind. Mit den Bio-Zertifizierungen für Indien (NPOP) und die USA (USDA-NOP) behalten die Brüder den Inlands- wie auch den größten Auslandsmarkt im Blick.  

Naturkosmetik und -textilien sind auch in Indien gefragt

Nicht nur Bio-Lebensmittel sind in Indien immer stärker nachgefragt - auch Naturkosmetik-Firmen berichten von steigendem Absatz. So freute sich beispielsweise Vishal Bhandari von Soul Tree über die sehr gute Entwicklung der Geschäfte. Im vergangenen Jahr konnte er zahlreiche neue Handelspartner für seine BDIH-zertifizierte ayurvedische Naturkosmetik im In- und Ausland gewinnen. Auf der BioFach in Neu Delhi stellte die in Delhi ansässige Firma neue Produkte und eine komplett relaunchte Verpackung der Gesichts- und Körperpflegelinie von SoulTree vor.

 

Vishal Bhandari, Soul Tree

Bild: Vishal Bhandari, Soul Tree (links), stellt die neue Verpackung seiner BDIH-zertifizierten Gesichts- und Körperpflegelinie vor.

Cultivators Natural Products (CNP), spezialisiert auf Pflanzenextrakte und –wässer, hat sein Produktportfolio erheblich erweitert und eine breite Range an Haarfarben und -pflege sowie Pflanzenwässer in attraktiver Verpackung auf den Markt gebracht. Die Produkte werden in der neuen Fabrik in Jodhpur, Rajasthan, auf modernsten Anlagen hergestellt. Viele Pflanzen stammen aus eigenem Bio-Anbau, und der Betrieb bezieht seine Energie zu 100 Prozent aus regenerativer Energie. CNP ist seit 1999 Ecocert-, seit 2016 auch COSMOS-zertifiziert. Über 90 Prozent der Produkte gehen in den Export. Tarun Prajapati, Sohn des Firmengründers, war überaus zufrieden mit den Gesprächen auf der BioFach und dem Feedback auf die neuen Produkte (Video-Interview).

Suminter India Organics vertreibt unter der Marke Satva unter anderem auch Bio-Baumwoll-Bekleidung.

Bild: Suminter India Organics vertreibt unter der Marke Satva unter anderem auch Bio-Baumwoll-Bekleidung.

Suminter: Die Marke Satva steht für Bio-Lebensmittel und Naturtextilien

Das Unternehmen Suminter India Organics arbeitet mit 20.000 Bauern in neun indischen Bundesstaaten zusammen und betreibt zwei Fabriken zur Weiterverarbeitung. Neben einem breiten Portfolio an Lebensmitteln hat Suminter auch Bio-Baumwolle im Sortiment. Ein Projekt der Firma in Gujarat mit fast 5.500 Kleinbauern ist FLO-zertifiziert. Unter der Marke Satva wird bio-faire Yoga- und Fitnessbekleidung vertrieben, zum Beispiel in den USA über Wholefoods Market. Auf der BioFach stellte Suminter die Kollektion vor, die bald auf dem indischen Markt zu haben sein soll. (Video-Interview)


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